Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 3. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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21 ■den Plan, ihn in seiner ursprünglichen Pracht und Grösse wieder herzustellen. Aber nachdem zehntausend Arbeiter allein zwei Monate ununterbrochen beschäftigt waren, nur um den Schutt und die umherliegenden Trümmer fortzuschaffen, starb der König plötzlich in Folge eines Sumpffiebevs, dass er sich bei der persönliehen Leitung der Arbeiten zugezogen hatte. Nach seinem Tode kamen dieselben natürlich sofort ins Stocken und seitdem ging Babylon mit Riesenschritten dein Verfall entgegen. Die Seleukiden erbauten zum Schaden der alten Residenz, die sogar zmn grossen Tlieil noch das Material liefern musste, die Stadt Seleukia am Tigris und diese, init grossen Privilegien ausgestattet, zog Babylons Handel und Bevölkerung immer mehr an sich, 80 dass schon ums Jahr 180 v. Chr. den grössten Theil des ehemaligen'Stadtgebietes Getreidefelder bedeckten. Zur Zeit des Bibelcommentators Hieronymus (um 350 n. Chr.) benutzten die Partlierkönige die Ruinen von Babylon mit den noch übrigen Mauerresten als Wildgehege zur Jagd. Seit der Araberherrschaft verschwand der Name Babylon ganz aus der Geschichte und im 10. Jahrhundert wusste man von der Stadt nur, dass an ihrer Stelle ein kleines Dorf Babel stehe. Jetzt befindet sich ungefähr in der Mitte des Ruinenfeldes von Babylon die arabische Stadt Hillah, die ganz aus Babylonischen Trümmern erbaut ist und von einer eben so schmutzigen als fanatischen Bevölkerang von etwa 0000—10,000 Seelen bewohnt wird. Der Thurm von Babel, oder wie er von den Eingeborenen genannt wivd, der Birs Nimrud, d. h. Thurm des Nimrud, liegt, weithin sichtbar, südwestlich von Hillah, und zwar beträgt seine Entfernung von dieser Stadt noch über 21;2 Stunden, der sprechendste Beweis für die ungeheure Ausdehnung des alten Babel. Am stattlichsten soll sich der Thurm von Westen her aus• nehmen, da er sich hier steil und ohne Unterbrechung aus der Ebene emporhebt, während auf den anderen durch die Abstufungen des Terrains seine Höhe beträchtlich gemildert wird. Ein neuerer Reisender, Freiherr von Thielmauu, schildert ihn etwa folgen dermassen: ״Von weitem gesehen gleicht der Birs Nimrud der Ruine Starkenburg iu Hessen. Auf einem breiten, in einer stumpfen Pyramide endigonden Hügel scheinen die gehörstenen Reste eines gewaltigen Th armes zu stehen; kommt man ihm jedoch näher, so erkennt man deutlich die von Strabon und Herodot beschriebene Gestalt des Babylonisehen Thnrmes. Ein Rechteck von etwa (iOO m Umfang bildet die Basis, auf welcher sich die gewaltige Masse in terassonförmiger Verjüngung erhebt; ein breiter Vorsprung zieht sich spiralförmig daran hinauf, er bildete wahrscheiulieh den Weg, der zur Spitze führte Seine ersten beiden Umgänge sind völlig erhalten, der dritte bildet jetzt nur noch eine wüste Steinmasse, auf deren Gipfel eine thurrngleiche Mauerzacke des vierten Umganges noch etwa 12 in hoch in die Luft ragt. Die Trümmer der oberen Stock werke liegen in regellosen Mauerklumpen an don Wänden zerstreut. Das Material ist der unzerstörbare Backstein •der alten Babylonier, zum Mörtel hat Asphalt gedient. Ein jeder Stein, einen Quadratfuss gross und ziemlich vier Finger stark, trägt anf seiner unteren Seite eine eingestempelte, mehrzellige Keilinschrift, welche den Erbauer nennt. Nahe an der Spitze liegen grosse Mauerbrocken, die einst den Tempel auf der Spitze des Thurmes getragen haben •“ Nach neueren Berechnungen hat die äusserste Höhe des Thurmes im Alterthume 192 m über der Bodenfläche betragen. Vergegenwärtigt man sich nun, dass die beiden Thürme des Kölner Doms, des höchsten bisher bekannten Bauwerkes, nur 156 m betragen, so bekommt man vielleicht eine schwache Vorstellung davon, wie kolossal sich zur Zeit seines Glanzes der Thurm von Babel ausgenommen haben muss und wie leicht bei der zu Uebertreibungen so geneigten Ansdrucks weise der Orientalen die Ansicht entstehen konnte, die Spitze des Thurmes reiche bis an den Himmel hinan. Der heutige Ruineuhiigel hat nur noch eine Höhe von 48 111, beträgt also grade den vierten Theil der ursprünglichen Höhe, ohne den auf seiner Plattform befindlichen Pfeilerschaft, der den letzten aufrecht stehenden Mauerrest von Babylon bildet und* von den ägyptischen Pyramiden abgesehen, für das älteste Denkmal der alten Welt gelten muss. Durch die zahlreichen Blitze, die ihn im Laufe der Jahrhunderte getroffen und gespalten haben, sind seine Quadern mit einer schwärzlichen Glasur überzogen worden und sehen wie Schlacken ans. Von seiner obersten Zacke überblickt man die ganze babylonische Niederuug, die weiten Schlangenwindungen des Euphrat, der heute wie vor Jahrtausenden geräuschlos dieses Gebiet durchzieht. Ein unübersehbares Netz von Canalruinen nimmt den übrigen Raum ein. Dazwischen die zahllosen Dörfer der Araber, die nach Tausenden zählenden Ruinenhügel, dann die hoch emporvageude Bergmasse des centralen Babels, zuletzt Hillah mit seinen Palmengärten. Aber trotz der Grossartigkeit der Aussicht wirkt dieselbe nicht erhebend, sondern nur niederdrfickend auf den fremden Beschauer. Die ineilen weite Oede und ringsum herrschende Todtenstille an der Stätte, wo sich einstmals eine glänzende, •hochgefeierte Weltstadt ausbreitete, führen dem denkenden Beobachter zu überwältigend die Wandelbarkeit alles Irdischen vor Augen und rufen ihm mahnend die Seherworte des Propheten Jesaias (13, 19—22) ins Gedüelitniss: ״Also soll Babel, das schönste unter den Königreichen, diese herrliche Pracht der Chaldäer, umgekehrt werden von Gott, wie Sodom und Gomorra. Dass man hinfort nicht mehr da wohne, noch Jemand bleibe für und für . . .“ Der Pentateuchcommentar des Nachmanides. Von M. h־. III. R. Mose b. Nachmnn (Rainbau) wurde U941) zu Gerona iu Catalonien geboren. Er wurde schon früh- ') Nach (iriitz (;!•N0h. tl. .)11 den H. VII,, S. 42 11. 411) i. .1. I I9Ö_