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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 3. (1902) · p. Seite 18

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 3. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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1* Basis in (1er Natur; und eine Naturwissenschaft, die nicht in der nacktesten Empirie verharrt, sondern den Namen einer Wissenschaft verdient, wird nothwendig zu Anschauungen leiten, die das Gebiet des Glaubens berühren. — Heutzutage sind die iiussersten Konseouenzen blossgelegt. Das ist ein Vorzug. Die volle Freiheit wissenschaftlicher Forschung ist auf beiden Seiten gewahrt. Die Theologie hat sieh in Sachen der Natur rein auf den Unterbau des religiösen Inhalts ■der Bibel zu beschränken, während die Naturwissenschaff sich bewusst bleiben muss, dass ihre wirklich ..exakten״ Resultate an die hohem Fragen menschlichen Lehens nicht heranreiehen. Wir werden erkennen, dass solchergestalt die heutige Naturwissenschaft mit der Bibel nicht streitet. Bekanntlich enthaltsn die ersten Kapitel der Bibel den ganzen Stoff, welcher sich mit der Naturwissenschaft berührt. Aus diesem Stoff wollen wir für heute den ersten und vierten Schöpfungstag herausgreifen. Am ersten Schöpfungstag wird das Licht hervorgerufen. Einen Seherblick in die Tiefen der Natur können wir dieser lleberlieferung der Schöpfungsgeschichte nicht absprechen. wenn das Licht als das Princip aller Stoff verbin düngen, aller Atomegestalt uiigen erkannt wird. Das Licht lässt nicht nur die existirende Welt erscheinen, cs ruft sie selber in ihrer unendlich manuigfaltigen Gestaltung hervor. Ohne Licht könnte jedenfalls kein höher organisirtes Wesen bestehen; wahr- Kcheiulich auch nicht das niedrigste, wenn ihm alle mittelbaren Einwirkungen, die von dem Lichte ausgehen, entzogen würden. I nter den physikalischen Kräften erscheint nämlich das Licht als die grösste, ja als die. welche die übrigen an regt. — Der enge Zusammenhang von Licht und Wärme ist bekannt. Er ist •so gross, dass einige Physiker beide sogar für identisch halten. Licht ist allezeit von Wärme begleitet, während nicht umgekehrt alle Wärme auch leuchtet. — Mit Licht ist wieder der Magnetismus nahe verwandt. Das Licht vermag direkt magnetische Erscheinungen hervorzurufen; in dem wirbelnden blauem oder griimm Theilc des Sonmmspectrums wird eine Stuhlnadel magnetisch, während nicht umgekehrt der Magnetismus das Licht hervorrufen kann. Die Wärme, so innig mit dem Lichte verwandt, ist wieder der Grund vieler elektrischen Erscheinungen. Von der Sonne steht es fest, dass sie die elektromagnetische Tluitigkeit der Erdrinde erzeugt und unterhält. Die jährliche Variation des Erdmagnetismus hängt von der Stellung der Erde zur Sonne ab. — liier liegen viele Fragen vor. die noch nicht spruchreif sind. Immerhin erscheint es möglich, dass das Licht als letzter Grund für die übrigen physikalischen Erscheinuugeu erkannt wird. Vestredt sagte, dass das Licht den Keim zu der unendlich mannigfaltigen, für die unmittelbare Wahrnehmung verborgenen, inneren Wirksamkeit enthält, wodurch die ganze Körperwelt ahgehalten wird, zusammen zu sinken Ein lebendiger Natursinn hat deshalb immer Licht und Leben. Finsterniss und Tod in Zusammenhang mit einander gesetzt. Diesen lebendigen Natursinn verriith die Sehüpfungsgeschieht«‘ der Bibel, wenn sie die Wirksamkeit des Lichtes zum Fundament alles übrigen Geschehens macht. Mit der Wirksamkeit des Lichtes kommt Bewegung in die Materie, ln Folge physikalischer und chemischer Vorgänge sondern und gestalten sich zugleich einzelne Massen; es concentriren sich die Weltkörper. Diese anorganischen Vorgänge bilden die Vorstufen für die Existenz der Organismen; und zwar ist es das feste Land, auf dem die weitere Stufenreihe bis zum Mensehen hin basirt. Man hat früher die Einfalt der biblischen Erzählung belächelt, die zuerst• das Licht und erst am vierten Tage die Sonne erschaffen werden lässt. Das Blatt hat sich indessen gewendet; ein so plumpes Versehen war auch einer so gedankenreichen Schöpfungsgeschichte nicht zuzutrauen. — Die Bibel unterscheidet bestimmt zwischen ״Or" am ersten Tage ..das diffuse Licht״ und ״Maor״ am vierten Schöpfungstag«': ״Der Lichtträger". Wir haben eben gesehen, dass die Wirksamkeit des Lichtes nüthig war. ein' sich die Weltkörper — auch der an sich dunkle Sonnenkörper — bilden konnten; denn dieses setzt bereits physikalisch«* und chemische Vorgänge, und mit ihnen das Licht, voraus. Denn welches auch immer die Natur der Lichtsphäre sein mag. die von d«*1n dunkhm Körper der Sonne durch «*im* nur wenig leuchtende atmosphärische Umhüllung getnmnt ist, so wird man doch in allen Fällen genöthigt sein, das Leuchten der Sonne als keinen ihrer Materie ausschlh'sslich zustehende Eigenschaft, sondern als eine erst bei der Ausbildung d«*s Sonnenballs cntstamhuie Erscheinung zu betrachten. — Warum wird aber nicht sofort die Existenz der Sonne, des Mondes und «hu- Sterne an das erste 'l'agew«*rk angeschlossen, wie heutzutage jeder Sehüpfungstheorien - Erfinder unfehlbar gemacht hätte V Die Sclu'idung des Himmels von d«*1• Erde am zwi'itmi Tage schien es sogar zu fordern; jedenfalls musst«‘ doch erst mit der «usstu’irdischen Welt abgeschlossen sein, ehe die Erzählung zur Gestaltung «11'r Erd«‘ in Fcstlaml und in Pflunz<.‘11 wuchs fortschritt! Wenn die Schöpfungsgeschichte die Erfindung eines miissigen Kopfes wäre, so würde sich allerdings, nach den in unserm Bericht vorliegenden «Stücken, «*ine andere Reihenfolge ergehen haben. Diejenige Auffassung des Schöpfumgsberichtes. welche in ihm nur Geschichte sieht, und ihn mit den geologischen und paliiontologisehen Ergebnissen <lcr Naturwissenschaft in Harmonii■ zu setzen smdit. scheitert an dieser Klippe des vierten Tag«*werk«*s vollständig. Unsen* Auffassung dugog(‘n. die in dem biblischen Bericht«‘ den idealen Flau Gotti's und die Stufen «h‘1• gegenwärtigen Natur ordnung erkennt, hat g«*1׳a«h* an diesem Funkt«‘ ihre Froh«* zu ht‘st«‘h«*n. Das vierte Tagewerk ordnet sich ein zwisclnui das dritt«‘ Tag(*w«‘rk. «las die Pflanzenwelt erschafft und das fünft«‘, das die Thi<‘rwelt aus «hau Mutterschoss «ler Natur hervorruft. Es muss daher di«‘ auf die Thienvelt vorbereitende und «lie von der Pflanzenwelt unterscheidende Naturstufe enthalten. Welch«* ist dies«*? Der «Schöpfungsbericht hebt sie sehr deutlich hervor, indem er den Zweck berichtet, zu welchem ,.die Lichter am Himm«‘l gesetzt sind", wie er in der «Sprache seiner naiven Naturanschauung sagt: ״nämlich zu theilen zwisch«.‘n dem 'Pag und zwischen der Nacht". l)i«*s ist

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