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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 3. (1902) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 3. (1902)
Date
1902-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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No. 3. - 1902. Jüdisches Jahrg. XXVI. Litteratur-Blatt. Zur aller Jmlenthmn und Juden!»eiretTenden ]iilenirtachen KrsrlioimmmMi auf dem Meldete der Rhlln* Sophie. (»eMehlelile. KLlmnjfraphie, Theo* o«le, Orieiilalin, KxeRese, Homiletik, UtnrKlk und PiidngoKik. Verantwörtlicher Redactenr: Rabbiner Dr. M. ltahiner in Magdeburg. Verlag und Expedition: Arthur Scholein, Berlin C.. Rossstr. 3. Bücher der ehiNclilttKigon Ltuer&tnr, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird,, sowie Briefe und Manuskripte sind an die K e d a c t i o n , Inserate u. Beilagen an die Kxpe* dition franco einxusenden. Rahner1» ״Jüdisch•• Lltter»tur>BI»tt“ erscheint maaatüoli Im l'mfange eines ganzen Bogens u. kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Arthur ädtolcm, Berlin, Rossstr. 31 vierteljährlich •In» Mark. — Pie Abonnenten der in demselben Verlage erseheinenden ״Israelitischen Woohsnselirlft“ weicht* hei allen Postanstnlten um) Buchhandlungen vierteljährlich 3.— ■. kostet, erhalten das ,,Jüdische Litteratur-ßhut“ als Bratls-Bellage. — laitrat• _werdtui mit 20 die viergespaltene Zeile berechnet und sind an die Kxpedition In Berlin gu senden. _ Abdruck einzelner Artikel nur mH der Angabe! ״Aus Rahme!*’■ Jfld. Litteratur-Blatt11 gestattet. Theologie und Naturwissenschaft. Ob die Ansicht der Bibel vom Ursprünge der Welt mit den Ansichten unserer heutigen Wissenschaft übereinstimmt V Das hat man oft gefragt, lebhaft bestritten und mit Eifer behauptet. Indessen die ganze Frage ist ungehörig und beruht auf vollem Missver- 8tand. Die Bibel ist eine Urkunde und Quelle der Religion und kein Compendiuui der Naturwissenschaft, wissenschaftliche Lehrsätze einzeln zu demonstrireu. Es fällt uns daher nicht ein, an eine Naturwissen- Schaft der Bibel zu glauben. Der religiöse Inhalt ist wohl zu unterscheiden von der natürlichen Anschauung, z. B. der Glaube, dass Gott Himmel und Erde — eigentlich das Hohe und das Niedere — geschaffen hat, von der Anschauung, dass die Erde astronomisch einen Gegensatz zum Himmel bilde, dass die Erde das Niedrige und der Himmel das Hohe sei. Ueber die Richtigkeit der letztem Anschauung sitzet allein die Naturwissenschaft zu Gericht, über jenen religiösen Inhalt hat sie keine Gewalt. — Wenn also, wie es unzweifelhaft ist, die Bibel keine Naturwissenschaft lehren will, sondern Religion, dann möchte es sehr leicht erscheinen, den Conflikt zwischen der Glaubens- und der Naturwissenschaft zu lösen. Es sind zwei versehiedene Gebiete, daher suum quique! Die Theologie, die einst die Naturwissenschaft als ihre unterworfene Domäne behandelte und rebellische Naturkundige sogar verfolgte, gebe diesen unberechtigten Anspruch auf! Und die Naturwissenschaft, die in der natürliehen Schwankung zum Extrem ihrerseits Gleiches mit Gleichem vergolten, die Theologie für ein ihr zur Vernichtung auheimgefallenes Gebiet erklärt und die Glaubensanschauungen mit dem Bann und Interdikt der Wissenschaft und der öffentlichen Meinung belegt hat, sie ziehe sich auf ihr Gebiet zurück. Sollten aber die alten Ansprüche der Theologie auf das Gebiet der Naturwissenschaft und die neuen Ansprüche der letztem auf das Gebiet der Theologie nur auf Verkeimung ihrer Eigentümlichkeiten ohne irgend einen Rechtsgrund beruhen? — Eine nähere Erwägung macht allerdings die Grenz- und Gebietsstreitigkeiten zwischen Theologie und Naturwissenschaft sehr erklärlich, denn die Theologie ist nicht blos, was ihr Name besagt: Gottesgelehrsamkeit — will sie zu ihrem Gegenstände nicht eine inhaltleere Obstruktion haben, so kanu sie sich nicht mit einem Gott begnügen, der die Welt, und den die Welt nichts anginge; sie bedarf eines Gottes, der in realem Verhältniss zum Menschen, zur Welt steht. Sie muss vor allen Dingen deshalb auch Anthropologie sein; auch der Mensch ist Gegenstand ihrer Wissenschaft, freilich nur in einer Beziehung zu Gott. Ehe. aber über diese irgend eine Aussage geschehen kann, muss gezeigt werden, was der Mensch ist. Mit der Frage ״was ist der Mensch?“ beschäftigt sich nun die Naturwissenschaft auch und beansprucht deren Beantwortung als ihre Aufgabe. Aber auch nach dieser Seite scheint eine Grenzlinie sich ohne Scliwierigkeit ziehen zu lassen. Die Theologie, so scheidet inan, hat die geistige Seite, die Naturwissenschaft die leibliche Seite des Menschen zu erfassen. Indess die Naturforscher erheben einen neuen Anspruch, nämlich den, für die Theologie erst festzustellen, ob von einem ״Geiste“ des Menschen im bisherigen theologischen und philosophischen Sinne überhaupt noch die Rede sein könne, oder ob dieser angebliche Geist nur das Produkt leiblicher Funktionen sei. Ist nun letzteres der Fall, so verlieren Theologie und Glaube den Boden unter ihren Füssen. Umgekehrt nimmt die Theologie und der Glaube auch die leibliche Seite des Menschen in Anspruch und thut Aussagen über das Verhältniss dieses Leibes zum Geiste; darum sträubt sich die Theologie gegen die Vormundschaft der Naturwissenschaft auch auf diesem Gebiete. — Ferner muss die Theologie auch Kosmologie werden und Sätze aus ihr entlehnen; denn der Mensch, ihr nächster Gegenstand, ist unlösbar physisch und psycliish mit dem Weltall verknüpft. Ueber das grundlegende Verhältniss des Menschen zu Gott lässt sich nichts aussagen, ohne zugleich über das Grundverhältniss der gesammten Welt zu diesem Gotte zu reflektiren, Ueber dieses Verhältniss spricht sich deshalb die Bibel in ihrem ersten Abschnitt, in dem Schöpfnngsbericht aus. Sofort aber fällt ihr die Naturwissenschaft in die Arme und ringt mit ihr um dieses Gebiet; sie bestreitet der jüdischen Urkunde Fähigkeit und Recht, über diese Dinge aussagen zu können. — Der Glaube hat eine

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