Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 26 (1902)
- Issue
- No. 2. (1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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13 und Esel genannt1). Diese rationalistische Schriftauslegung erzeugte תaturgemäss eine Reaktion frommer Herzen. Die Gläubigen bemühten sich im Gegensatz zu jenen kalten Verstandesmenschen einen heissen, phantastisch schwärmerischen Gefühlsglauben festzuhalten; sie fielen in das andere Extrem, der Kabbala in die Arme. Der rationalistischen nüchternen Glaubensrichtung gegenüber entzündete sich eine Theologie der inbrünstigen Andacht, des Gefühls und der Intuition. Die Mystik hat zu allen Zeiteu einen Gegensatz zu der trockenen Verstandesreligion, sei es der rationalistischen oder der scholastischen, gebildet. Den Ceremonien und Satzungen, welche der Rationalismus meist vom Standpunkt des Nützlichkeitsprinzips verflachte, verlieh die Mystik einen überirdischen Nimbus und machte sie zu Verbindungsgliedern der niedern Sinnen mit der höheren Geisterwelt; ein jeder Buchstabe der Bibel enthielt tiefe Mysterien, die aber nur die Inspirirten zu lösen vermochten. Diese mystisch-philosophische Auslegung der Bibel, nach welcher man die metaphysisclien Fragen und kosmologischen Systeme in die heilige Schrift hineintrug, und das Judenthum mit der ewigen Himmelsordnung in einen magischen Rapport setzte, wurde für den Höhepunkt aller Exegese, für das Endziel aller Wahrheit gehalten, Der In halt׳ der heiligen Schrift ward zum Träger einer Weltorduung, in welcher Gott und Gesetz das Fundament, das gescliriebene Wort das Symbol, die angebliche geheime Ueberlieferung aber. d. i. Kabbala, die höhere Wahl•- heit war. Solchergestalt war das religiöse Getriebe der Zeit. Auf der einen Seite die tiefste Innerlichkeit, ausge artet in Mystik, auf der andern der nüchternste, schalste und kahlste Rationalismus. Gross -war die Kluft, die die rationalistische und kabbalistische Exegetenschule von einander trennte. Da trat der Mann auf mit dem vermittelnden Charakter. Nachm an i, d i. ״der Tröstende“, der Versöhnende, und nahm als Vertreter der gläubig-philosophischen Exegetenschule zwischen diesen zwei schroffen Gegensätzen seinen Platz. Er war Arzt; verstand sich aber viel besser noch auf den Pulsschlag der Zeit, fand ihn krankhaft, fand alle Symptome hinweisend auf einen nahen, völligen Verfall des offenbarten Glaubens, und sein ganzes Bestreben ging dahin, die Zerrissenheit innerhalb desselben zu heilen. Gefahr lag — das sah er — in den Extremen, Heilung einzig in den» einzuschlagenden Mittelweg Und wenn einer, so war Nachmanides dieser doppelten Aufgabe gewachsen. Seine Persönlichkeit war so einheitlich in sich geschlossen, Kopf und Herz. Geist und Gemütli in solchem Einverständniss, dass er es unternehmen konnte, beide Richtungen mit einander auszusöhnen. Er entschied dahin, dass für die Auffassung der Bibel der Gebrauch der Vernunft nicht nur gestattet, sondern geradezu geboten sei, Forschen, Begreifen sei Lebensprinzip des Judenthums; wo aber der Geist des letztem über die Postulate der menschlichen Vernunft hinausreiche, da sei der Geist der Schrift nicht den engen Grenzen des unzureichenden Verstandes anzupassen, sondern da habe der gläubige Exeget zu gestehen, der Geist der Schrift rage über den begrenzten mensch- ') 11). liesp. 248. liehen Verstand hinaus, an solchen Stellen seien verborgen liegende Gründe anzunehmen. hier beginne das Reich des Uebersinnlichen, Geheimnissvollen.— So war aus beiden entgegengesetzten Richtungen, eine gemässigte hergestellt, und damit viel gewonnen; Nachmanides verfolgte selbst diese Richtung in seinem Commentar zum Pentateuch. Voll Eifers für den heiligen Glauben der Väter, und ausgerüstet mit umfassenden Kenntnissen, fasste er das erhabene Ziel in s Auge, ein zweiter Mose, seine in der Wüste des Irrglaubens umherirrenden Glaubensgenossen zum Urquell der Offenbarung zurückzuführen, und das Dunkel des Aberglaubens und des Zweifels durch die Lichtstrahlen des göttlichen Wortes zu zerstreuen, dessen Wahrheiten und tiefes Verstäudniss er in seinem Pentateuchcommentare darlegte. Mit Festigkeit und Entschiedenheit vertheidigt er darin das Gotteswort gegen jede falsche Auffassung. Die talmudischen Satzungen sind ihm die festen Pfeiler und Träger des religiösen Lebens, die Philosophie henutzt er zur Begründung einer Sittenlehre, die gegen alle schwankenden Deutungen gewappnet und gefestigt sei, und giebt hierdurch das Beispiel, wie die philosophische Wissenschaft sich sehr wohl mit den Ideen des Judenthums vertrage, da der Bibel höchster Zweck es sei, den Menschen zur Höhe sittlicher Vollkommenheit emporzuführen. — Durch dieses Werk hatte der von der Zweifelsucht zerrüttete jüdische Glauben einen festen Halt und das religiöse Gebäude des Jndenthums seinen Stützpunkt gefunden. Fortsetzung folgt.) Randbemerkungen zur Pentateuch-Uebersetzung des Onkelos. 1. I. B. M. e. XXV. 3. ובני דדן היו אשורם ולטושם ולאטים. Onkelos giebt diese. Worte wieder mit: ובני דדן הוו למשרין ולשבונין ולנגון. R. Nathan Adler bemerkt in seiner Glosse z. St. richtig, Onkelos habe in seiner Uebersetzung statt der nomina propria nomina appellativa wiedergegeben. Adler erklärt jede dieser Benennungen und weist auf Varianten hin. Er giebt aber nicht an, warum sich wohl diese Abweichung hier vorfindet. Analog verfährt Onkelos auch I. B. M. c. XIV.5. Die nomina propria רפאים, אטים, זוזים giebt er wieder durch nomina appellativa גבריא, תקיפיא, אימתני. Ganz so geht Onkelos V. B. M. c. 11,20 ff. vor. Die Namen רפאים זמזמים, ענקית werden wiedergegeben mit ,גבריא תקיפיא גבריא. In allen diesen Fällen ertheilt Onkelos jedem dieser Völker ein die Tapferkeit und Stärke betonendes epitlieton ornans. Bei einem nomen proprium setzt Onkelos eine Pluralbildung nicht voraus. Darum substituirt er, wie es uns scheinen will, an deren Stelle nomina appellativa und nomina udjectiva*). 2. I. B. M, c. XXIV, 10. ובל טוב. Onkelos übersetzt hier וכל שפר. während er ib. XLV,19 und an andern Stellen טובא für טוב setzt. R. Nathan Adler wundert sich in seiner Glosse z. St. mit Recht darüber und bemerkt richtig, Elieser habe nicht das ״ganze Hab’ und *) Mau vergleiche mich hierüber: Ituhiuer, die hebräischen Traditionen in den Werken des Hieronymus. Th. 1. Quaestiones in Genesin. p. 30, No. 20.