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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 1. (1902) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 1. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 der dankbaren Aufgabe unterzogen, die richtige Tendenz des ״Ikkarim“ klarzustellen, die Angriffe und Anklagen, auf Missverständnissen beruhend, zimiekzuweisen und 80 dem Philosophen den gebührenden Platz in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie einzuräumen. Und wir können von vornherein sagen, dass uns der Grundgedanke des Verfassers: die Tendenz des ״Ikkarim“ bestehe nicht in der Bewahrheitung des Judenthums, sondern in der Widerlegung des Christenthums, sehr einleuchtend erscheint, wie überhaupt die ganze jüdische Religionsphilosophie von der Vertheidigungsnothwendigkeit ins Leben gerufen wurde. Verfasser theilt in dieser Hinsicht die ganze jüdische Religionsphilosophie in vier Abschnitte, mit besonderer Berücksichtigung der hervorragendsten Vertreter: a) Philo und der Hellenismus. b) Saadia und die Karäer. c) Mainionides und die arabisch-aristotelische Philosophie. - d) Albo und das Christeuthum. Der Umstand jedoch, dass Albo der letzte Ausläufer der Glanzperiode der jüdischen Denkthätigkeit i!n Mittelalter war, giebt dem Verfasser Veranlassung, noch einmal die vielfach aufgeworfene Frage zu ventiliren: Giebt es eine jüdische Religionsphilosophie 1׳ Nach einer weitschweiflgen Erörterung über den Begriff der Religionsphi- 10B0phie überhaupt — über welchen wir uns allerdings bei Schleiermacher, Päeiderer, Teichmüller, Hartniann u. a. zur Genüge orientiren können — gelaugt nun Verfasser zu folgendem Ergebniss, welches wir hier wörtlich citiren (p.ö): ״Nach keiner dieser beiden Richtungen hin finden wir die Philosophie bei den Juden vertreten“. Zur blossen Kritik ward die Philosophie, die selbstständig arbeitende menschliche Vernunft, nicht zugelassen, denn das hinderte der Begriff Religion. Zur Metaphysik aber bildete sie sich ebenfalls nicht aus, weil dies die Veranlassung, die die Philosophie herbeigeholt hatte, nicht erforderte“. Wir fragen uns, war denn etwa die Religion nur bei den Juden ein Hinderniss? Hatte nicht vielmehr die ganze mittelalterliche Scholastik lediglich die Aufgabe, die objektivo Wahrheit der kirchlichen Dogma’s durch scharfsinnige Reflexionen zu erweisen? Und die jüdische Religionspliilosophie sollte sich nicht zur Metaphysik emporgehoben haben! Sonderbar! Bestand doch bekanntlich ein Hauptverdienst der jüdischen Religionsphilosophie darin, dass sie gerade die metaphysischen Begriffe einer positiven Religion( zum Hauptthema ihrer philosophischen Denkthätigkeit machte. Wir erinnern nur an die von jüdischen Religionsphilosophen erörterten metaphysischen Probleme, die au die Attributenlehre, Einheit Gottes, philosophischen Gottesbegriff, Schöpfung aus Nichts anknüpfen, ferner an das ganze Gebiet der rationalen Psycliologie. Wagt doch Mainionides selbst (More 1, 73): ״Es giebt metaphysische Gegenstände, in welchen die drei Confessionen, Juden, Christen und Mohamedaner, übereinstimmen . . . .“ (Schluss folgt.) EinstMter, Heinrich, Lehrer an der israelitischen Volksschule zu Frankfurt a. M., deutsche Uebersetzung zum hebräischen Gebetbuch. Für den Schlügebrauch bearbeitet. Frankfurt a. M., J. Kaufmann 1901. (97 S.) ״Für den Schulgebraueh bearbeitet“ heisst es auf dem Titel, und in der Gebrauchsanweisung, die der Verfasser im ״Vorwort“ giebt, heisst es: ״Die Uebersetzung 8011 dem Schüler die Möglichkeit bieten, das erlernte Pensum zu Hause zu wiederholen und seinem Gedächtnisse einzuprägeu“ — wenn es nur diesem Zwecke dienen 8011, dann hätte sich der Verfasser die ganze Arbeit sparen können, denn Gebete-Uebersetzungen, auch wörtliche, giebt es mehr als genug, aber sie werden vom tüchtigen Lehrer als sogenannte ״Eselsbrücken“ betrachtet nnd sind deshalb verpönt. Der Verfasser sagt sehr richtig: ״Soll der Unterrieht fruchtbringend sein, so muss sich der Schüler einen gewissen Schatz von Vokabeln erwerben, der ihm in V'erbindung mit seinen grammatischen Kenntnissen befähigt, jedes Wort, das sich — sei es unverändert oder in anderer Form — wiederholt, als alten Bekannten wiederzuerkennen.“ Wie 8011 sich denn aber der Schüler den Vokabelschatz erwerben? Aus dieser Gebetbuchübersetzung doch nie und nimmer; er muss zu einem ״Vokabularium“ greifen, in welchem er auch die nöthigen grammatischen Vorkenntnisse vorfinden muss, wie dies in unserer ״Tefilla kezara“ (I. u. II. Cnrs.) methodisch durchgeführt ist. ln der obern Klasse, in welcher dem Schüler das vollständige Gebet• buch in die Hand gegeben werden muss, da mag die deutsche Uebersetzung des Verfasser’s am Platze sein, da wird sie gute Dienste leisten. Was die Uebersetzung selbst anlangt, so hat der Verfasser in der Theorie das Richtige erkannt, dass'sie mögliehst wörtlich, einfach und knapp sein müsse, ohne erklärende Redewendungen und Phrasen (vergl. das ״Vorwort“), in der Ausführung befolgt er aber diese Regel nicht immer. Er streut unnöthigerweise Flickworte ein, übersetzt zuweilen ungenau, pleonastisch, und hie und da sogar ungrammatisch. Es seien einige Beispiele angeführt. In No. 1. ואני Auch (richte) ich“, in No. 2. ״ אזי(schon) damal8“, ״ ואין שניund kein Zweiter (ist mit) ihm . . .“ ולא ״ איראund nichts fürchte ich“ (8t. nicht). וישם לך und gründe dir Frieden.“ ״ חסדים טוביםgütige Wohlthaten.“ — ונורא הוא S. 7 ״furchtbar (hoch steht) er über allen Göttern.“ S. 9. ״ אז אירוסdann werde ich vollkommen sein“ 8t. makel- 108). S. 10. ״ ויחלצםund macht sie frei.“ — שנח יהיו ..im Schlaf werden sie“(?). S. 15: ״Gross ist Gott und sehr herühmt“ (8t. gerühmt). S. 23. ״Binde sie zum Zeichen an deine Hand“ (st. um d. H.) S. 24 ״ אש»‘ אתם זוניםso dass ihr . . (?) S. 29 ״ מאתךBegnadige uns vor dir“. 8. 38. ״ גדלוfeiert mit mir das Ewigen Grösse.“ (Ist das wärtlieh?) S. 41 ״u. lege in unser Herz seine Liebe, seine Furcht“(?) S. 47: ״ קרבה אל נפשי נאלחnahe meiner Selo, erlöse sie“(?) S. 69: ״ מסובליםmögen gedeihen“(?) 8. 71! עקרת ״ חביתDie Entwurzelte des Hauses“. — Da der Verfasser auch alle Opfergebete treu übersetzt, ist es inconsequent, dass er איזהו מקוטן und פטום הקטורת uniibersetzt lässt. M. u. Blsclioff, E. Jüdisch-deutscher Dolmetscher. Ein praktisches Jargon-Wort erblich nebst kurzer Grammatik und Gesprächen, Erzählungen, Redensarten etc. — Dritte neubearbeitete Auflage. — Th. Grieben « (L. Fernau), Leipzig 1901. 90 S. (Preis cart. 1,20 Mk ) Der Verfasser, dem wir ein gutes, im Verlage von .1. Kauffmann in Frankfurt a. M., vor 2 Jahren erschienenes Buch: ״Geschichte der Talmud-Uobersetzungen“ verdanken, gesteht selbst in der Einleitung zum obigen ״Dolmetscher“, dass er keine wissenschaftlichen Zwecke verfolgt, sondern lediglich praktische. Das NielitwissenHohaftlicho liegt auf der Hand, denn das Büchlein wimmelt von Fehlern, von dom praktischen Worth desselben konnten wir uns aber durchaus nicht überzeugen. Der Verfasser meint, es sei unentbehrlich für alle die (Christen^, welche mit dom niedern jüdischen Ilandelsstande in engerer geschäftlicher Verbindung stehen, damit sie von diesen nicht über’s Ohr gehauen werden ׳— das von ihm angeführte

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