Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1902-01-01 · No. 1. (1902) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
26 (1902)
Issue
No. 1. (1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/6492408-5990882-5999250--2994-5369649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

8 Beispiel, es habe Jemand bei einem Juden eine tüchtige ״Amme“ bestellt und ihm einen Doppelthaler als Draufgeld gegeben und dieser habe ihm dafür eine kernfeste ״Elle" im Werthe von 12 Groschen gebracht, denn im Jargon heisse amme ״eine Elle!, ist doch gar zu dumm, denn erstens wird eine Amme nicht gekauft, sondern gemiethet, und zweitens ist die Bezeichnung ״amme“ für Elle nicht jargonisch, sondern echt biblisch. Ferner 8011 das Bächlein für ״Judenmissionare“ unentbehrlich sein, damit sie nicht in die Lage jenes Missionars kommen, dem ein vermeintlicher Täufling, (wahrscheinlich ein bezahlter polirischer Jude) versicherte, von morgen ab wolle er endgültig dem ״Teufel“ absagen, womit er den ״Taufenden“ selbst meinte, der in der Jargonsprache ״toiwel“ heisse (eigentlieh: 1״ מובלder Untertauchende“). Auch für solche, die in fernen Ländern ohne genauere Kenntniss der Landesspräche sich aufhalten müssen, sei die Kenntniss des Jargon von ״praktischem kulturellen Werth“. Hier sei es oft der jüdische Schankwirth (randar), der den Verkehr zwischen ihnen und der Anssenwelt vermittelt. Ausgerechnet! — Der Verfasser hätte noch eine Menschenklasse hinzufügen können: die Polizisten und Gendarme, welche mit den polnisch-russischen Landstreichern (vulgo ״Schnorrern“) zivthun haben, würden mit diesem ״Dolmetscher“ sich besser mit den Leuten verständigen können. Dass der Verfasser diese polnisch-russischen Juden im Auge gehabt habe, geht aus der von ihm angeführten Aussprache des Hebräischen vor; es ist die polnische Vokal-Aussprache, deren er sich darin durchweg bedient: ü für u, oi für au u. 8. w. — Wir vermuthen, dass ein solcher polnischer Student ihm bei der Ausarbeitung des Wörterbüchleins behilflich war. Von den vielen meist aus Missverständni88,fal8cherSchreibweise, Verwechselungen etc. entstandenen Fehlern seien nur einige hier herausgehoben. ״Erstgeborener“ heist nicht, wie S. 29 angegeben, bocher, sondern bechor (Verwechselung von בכור mit ״;(כחורAnfang“ heisst nicht ״haschöne“, sondern ״hass’chole“ (״ ,(התחלהsich in Acht nehmen“ nicht ״nisch’r sein“, sondern ״nis’her“; ״das Blasen“ nicht ״truche“, sondern ״truoh“; ״Linsen“ nicht, adochim“, sondern ״adaschim“; ״bei mir" nicht ״atzli“, sondern ״ezli“; ״challe“ heisst nicht ״Teichhebe“, sondern ״Teighebe“; ״choiser sein“ nicht ״getrennt werden“, sondern ״zurückkehren, bereuen“; für ״kowalti“ (S. 62) muss es heissen: ״kibbalti“, für ״mechalle sein schelten‘- mekallel; für ״möter, erlaubt“, muttor; ״schiwe sitzen“ heisst nicht ״Wittwentrauer halten“, sondern ״während der 7 ersten Trauertage (auf niederem Sessel) sitzen“. ״Scheimes“ heisst nicht ״das 2. B. M.“, sondern ״Sch’maus“ und ״Wajikra“ ist nicht ״das 4.“, sondern ״das 3. ß. M.“ Ein ״Gelehrter“ heisst nicht ״talmid chachomim(!)“, sondern ״t. choehom“; ״awere,‘ stammt nicht, wie es S. 51 heisst, von ״erwe, Blutschande“ das ist ein arger Schnitzer, denn ersteres wird mit ב, letzteres mit ו׳ geschrieben, und ״l’fak“ (S. 63) ist nicht ״abgekürzt aus den Anfangsbuchstaben der Worte li-fdak kot’n-‘, sondern l’prat k. (לסרט קטן). Doch genug. Wir haben uns von der Nothwendigkeit dieses Büchleins nicht überzeugen können; es wird höchstens antisemitischen Rednern als Arsenal dienen, um in Volks- Versammlungen mit f a 1 sc h e n jüdischen Redensarten um sich zu werfen und sich dadurch in den Augen des Pöbels das Ansehen eines der jüdischen Sprache Kundigen zu geben. M. K. Proben aus Ehrlich's hebräischem Bibelcommentar. (Verlag M. Poppelauer'8 Buchhandlung in Berlin.) (Fortsetzung.) 26. Gen. 15,6 מי מלל לאברהם. Die übliche Uebersetzung; ״Wer hätte dem Abraham gesagt, Sara wird Kinder säugen, denn ich habe ihm einen Sohn geboren u.s.w.“ sagt Herrn E. nicht zu. Er liest mit der LXX מי ימלל (das י׳ dittographirt), zieht לאברהם zum folgenden Satz und כי ist hier nicht Begründung (״denn“), sondern setzt den staunenden Ausruf fort (״dass“): ״Wer würde je gesagt hahen, Sara wird dem Abraham noch Kinder säugen und dass ich ihm in seinem Alter einen Sohn geboren!“ 27. רובה קשת E. hält קשת, dessen Form dem mischnischen ״Gammol“ entspricht, für eine spätere Randglosse zur Erklärung des seltenen רובה. 28. 23,5. Das לו am Schluss des Verses 5 gehört zum Anfang des folgenden Verses שמעני (lu) זלו wie in Vers 13. (das sagt schon Geiger in seiner ״Urschrift“) Dasselbe gilt ■ von dem לו zum Schluss des Verses 14. 29. 27,28. ומשמני. E. weist darauf hin, dass Onkelos sowohl wie die LXX das 'ם falsch verstanden hätten, es sei nicht, wie bei מטל partitiv, sondern praeformativ, da das Hauptwort hier nicht שמן, sondern משמן (mischman) sei. 30. 27, 46. Was E. hier über das kleine ק in קצתי sagt, ist bereits von Luzzatto schon ausführlich im Mischtaddel dargelegt. 31. 28, 5. אם יעקב ועשו. Raschi weiss sich nicht zu erklären, was diese Worte an dieser Stelle besagen wollen. E. meint, dass die heilige Schrift damit Rebecka’s Bevorzugung des Jacob tadeln wollte. Gerade am Schluss der ganzen Erzählung, da Isaak auf Rebecka’s Rath den Jacob mit seinem Segen zum Schutz vor Esan’s Rache zu den Verwandten der Rebecka sendet, werden mit Absicht die schwerwiegenden Worte zu ihrem Namen hinzugefügt: ״der Rebecka, die die Mutter Jacob’s und Esau’s war“,, und beide mit gleicher Liebe umfassen sollte. 32. 33, 38. שלם ist hier weder ein Städtename (wie Raschbam meint), noch bedeutet es (nach Raschi) unver- 8el1rt), sondern ״Jacob kam friedlich gesinnt nach der Stadt Sichem’8 (wie das שלמים im folgendeu Capitel 35,21). 33. 34,7. בישראל. Hier ist der Erzähler — bemerkt E. kurz, aber richtig — aus der Rolle gefallen, denn ein Volk ״Israel“ gab es damals noch nicht. 34. 49,10. עד כי יבוא שילה. E. hält שילה für שלח; weil Jehuda zu Tamar gesagt hatte (38, 11): ״Bleibe als Wittwe im Vaterhauso, bis Sc heia gross geworden“ (und die Schwagerehe an dir vollzieht), dieser aber nicht gekommen sei, sei es eine sprüchwörtliche Redensart geworden, ״bis Schela kommen wird“, d. h. ״niemals“, also לעולם (= ad calendas graecas). M. R. (Wird fortgesetzt.) Briefkasten der Redaction. Herrn H. K. in St. Die Bücher verdienen eine eingehendere Recension, die ihnen auch zu Theil werden wird. — HH. Rabbiner C. in E. und B. in K. Wo bleiben die Ver- und Besprechungen? — Herrn K. in K. Die gewünschte Nummer war nicht zn finden wir haben in dem ganzen Jahrgang den betreffenden Artikel nicht gefunden. Inhalt der No. 1. Wissenschaftliche Aufsätze: Der Pentateuchcommentar des Naehmanides. Von Dr. M. Rabiner. — Das hebräische Volk in seinem Verhältniss zur bildenden Kunst und znr Wissenschaft. Von Dr. B. Seligkowitz-Cötiieu. — Bemerkungen zum ״Midrasch Schir-husch-Schirim sutta- Von Dr. Goldfahn. Utteraturbericht. Kecensionen: Tänzer, Dr. A., Die Religions- Philosophie Josef Albo’s nach seinem Werke ״Ikkurim“. Von Dr. B. Beligkowitz-Cöthen. — Einstädter, Deutsche Ueber- Setzung zum hebr Gebetbuch. Von Dr. M. R. — Bischoff, Jüdischdeutscher Dolmetscher. Von Dr. M. R. — Proben aus Ehrliulis hebräischem Bibelcommentar. (Fortsetzung.) Von Dr. M. R. Briefkasten der Redactlon. Verantwortlicher Reducteur: Rabbiner Dr. M. Rahm er, Magdeburg. Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.