Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 12. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
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92 die der Amoräer Berechja*) zur Zeit eines Regenmangels öffentlich gehalten hat (cfr. Jeruschalmi Taanith p. 65b): ״Brüder, — also begann er — seht doch, wie wir’s treiben? Ist es nicht ganz so, als ob der Prophet Micha 11ns zurechtweisend zuriefe: ״Für das Böse, das wir einer dem andern zufügen, verlangen wir Gutes; der Fürst fragt nach Bestechung, der Richter fordert Belohnung, der Vornehme spricht für die Gier seiner Seele, und dadurch verwickeln sich alle“ in ein dickes Geflecht von Sünden. Und wer zerreisst es? ״Der Beste unter ihnen gleicht den Dornen, der Redlichste den stachligen Hecken“, am ״Tage deiner Hoffenden“, da wir auf Befreiung hofften, ״kam die Heimsuchung“, Heuschreckenplage, nun möge ״aus ihrem Weinen“ die Rettung kommen; so weinet denn! — und sie weinten und der Regen fiel hernieder“**). 28. Ibid. 5. אל תאמינו ברע וכר. Diesen und den folgenden Vers erklärt H. in echt hagadischer Weise durch kurze Anführung biblischer Beispiele. ״Nolite credere amico, ut Achitopliel, quiconsurrexitadversum David. ״Et nolite confidere in duce“ — ut viri Sichern in Abimelech; ipsi eniiri eum fecerunt regen! et oppressi sunt. ״Ab ea, quae dormit in sinu tuo custodi claustra oris tui“ — ne patiaris quod Samsona Dalila perpessus est. ״Quia tilius contumeliam facit patri“ — Absalom videlicet David, non solum regnum, ,sed et concubinas patris incesto coitu maculavit. ״Nurus contra socrum suam“ — ut uxor Esau consurrexit contra Rebcccam.***) Diese Deutung der Verse findet sich in den hagadischen Quellen nicht, die Beispiele sind auch zu naheliegend. Dagegen werden von R. Jeliuda b. Necheuija, dem Metliurgeman des Resch Lakisch, im Tract. Cliagiga 77 diese Satztheile in ethischer Weise gedeutet אל תאמינו ברל׳ אץ ו־ל אלא יצר הרע שנ׳ כי יצר לב אדם רע סנעידיו, ואץ אלוף אלא ההב״ה שר אלוף נעורי אתה. R. Jehuda liest seiner Deutung zulieb רע st. רע; und אלוף ist ihm nach dem Citat aus Jerem. 3,4 ״der Freund“, während H. es mit ״dux“ übersetzt, wie die LXX 1f)Y0ü[1ev6; nach Genes. 36,15 u. ff., die Pesch, und das Targ. haben קרוב ״Verwandter, Nächster Freund“, was der hagadischen Deutung näher kommt. 29. Ibid. 11. Bis zu diesem Verse, bemerkt H., sprach der Prophet aus der Seele des Volkes heraus, von Vers 11 an wird Gott zu Jerusalem d. h. zu Israel sprechend eingeführt. 0״ Hierusalem, venerunt dies ut aedificentur maceriae tuae (יום לבנות נדר*ך), quae erant Babylonica vastitate destructae, »in die illa Jonge *) Ueber diesen llerechja siehe den vorstehenden Artikel. •*) Cfr. Knschiz.St., woesfür חמום ירושלמי heissen muss תלמוד ירוש׳. ***) Gegen Schluss seines Commenturs zu diesem Verse (6) erklärt er denselben auch ehristologiseh, u. A. animam habere socrum sanctum spiritum, ijui apud Hebrneos genere dicitur feminino (רוח). Das ist nicht ganz richtig; רוח ist gen. communis. Als niascul. kommt es vor IJiob 41,8 Kohel. 1,(1. Dass er seine, nicht allzu grossen hebr. Kenntnisse gar oft zu seinen christologischen Deutungen verwendet, darf nicht Wunder nehmen; er findet sogar den Namen ״Jesu“ in dem hebr. ישעי• So ülwrsetzt er liier (V. T) die Worte ״ אוחילה לאלהי ישעיexultabo ad dominum, salvutorem nieum, sive Jesuu! meum“. fiet lex« sive »praeceptum« (יום ההוא ירחק חק) et est sensus, nequaquam Babyloniorum imperio ׳ subjacebis. ln die illa venient ad te etc.“ (V. 12 und 13). Diese Hoffnung, sagt H., hegen die Juden noch heute. ״Hoc sibi Judaei usque hodie pollicentur, et in eo loco, in quo nos exposuimus »in die illa longe fiet lex« — sicut nobis visum est et sicut prudentiores eorum disseruut — aliqui frivole mentiuntur et ajunt: in die illa . . . scripturas sanctas legis et prophetarum, quae nunc tenentur a nobis, tolli de manibus nostris, et tradi populo Judaeorum“. Diese Deutung des ירחק חק, dass die heiligen Schriften von den bisherigen (christlichen) Besitzern entfernt und an Israel ausgeliefert würden, bezeichnet H. selbst als von etlichen Unvernünftigen ausgehend; sie findet sich in der That nicht in den jüd. Schriften. Zu den ״prudentiores“, die diese Stelle im inessianischen Sinne erklären, gehört das Targ. mit seiner paraphrasirenden Uebersetzung: בעדנא ההיא יתבנץ כנשתא דישראל ,בעדנא ההיא יתבטלן גוירת עממיא: בעדנא ההיא יתבנשון גלותא דמן אתור וכר. Raschi giebt in der zweiten Erklärung zu Vers 12 den Sinn also wieder: הנביא מבשרו לישראל שיש יום כמום ומוכן לבנות נדרות חרבותיהן יום ההוא ירחק ויבטל מעליכם חק גזירת האומות: — Aehnlich Ibn Esra zu Vers 11. 30. Ibid. 12. Das zweite מצור in diesem Verse übersetzen die LXX 4716 Töpou als stünde מצויר. Das giebt dem H. Veranlassung, seine Ueberlegenheit im Hebräischen zu zeigen: Sciamus in Hebraico scriptum esse מציר, qnod verbum, si in praepositionem מ et nomen צור dividatur, de Tyr0 intelligitur, sin autem unus sermo sit, munitionem sonat. Er beruft sich nun darauf, dass alle alten griechischen Uebersetzer (er meint Aquila, Symmachus und Theodotio) nicht wie die LXX ״de Tyro“ übersetzen, sondern denique omnes 7t£ptoxi)v xal 7t£pt<ppaY|ia xal rcoXiopxtav ״munitionem et ambitum muratae urbis“ transtulerunt.—Dass auch eine andere Vocalisirung des ,מ) מ und מ) damit zusammenhängt, weiss H. nicht. — Ebenso bemerkt er zu לא החזיק זלעד (in V. 18, das die LXX mit et; papxuptov i. e. in testimonium übersetzen): pro quo in Hebraeo positum est לעד, et tarn ultra (80 übersetzt es H.), quam sempiternum (Sym.) et testimonium intelligi potest — ohne auf die ihm wohl noch unbekannte Unterscheidung durch die Vocalisation לעד hinzuweisen. Randbemerkungen zur Pentateuch-Uebersetzung des Onkelos. 1. 1. b. m. c. xii, 5. ואת תפש אשר עשו. in Uebereinstimmung mit dem Midrasch giebt Onkelos diese steile wieder mit: ת נפשתא דשעבידו באוריתא\ Nathan Adler geht in seinem ״Nethina la-Ger“ ausführlich auf die Frage ein, was Onkelos wohl veranlasst haben dürfte, die Erkläiung des Midrasch zu acceptiren. Adlers Erklärungsversuch 1. St. ist aber aggadischer Natur und hat wohl nur homiletischen Werth. Für die freie Paraphrase des Oukelos — so will es uns scheinen —