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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 12. (1901) · p. Seite 90

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 12. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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90 des Hebräischen und Chaldäischen sehr kundigen Gelehrten zu verschaffen (utriusque linguäe peritissimum), der es ihm ins Hebräische vorübersetzte, was er dann Bofort seinem Schreiber lateinisch in die Feder dictirte (et quidquid ille mihi hebraicis verbis expressit, hoc ego accito notario sermonibus latinis exposui. Praqf. in Tobiam) — Zur Uebersetzung von Daniel und Esra hatte er sich entschlossen, selbst chaldäisch zu lernen (״inter Hebraeos coepi rursum esse discipulus chaldaicus“ — praef. in Dan.) — In der praef. II in Para- ÜP erzählt er, dass er es sich sehr angelegen sein liess, in Gesellschaft ״cum eruditissimis Hebraeorum“ Palästina zu bereisen. — Man sieht also, dass Hieronymus eine ganze Reihe bedeutender jüd. Gelehrten seine Lehrer nennen konnte. Mit Eigennamen bezeichnet Hieronymus nur einen von ihnen: Baranina — denn ßarrabanus ist nur eine allgemeine Bezeichnung für einen ״jüd. Gelehrten“ בר רבנן —, das würde aber nicht ausschliessen, dass ein anderer derselben Bereehja geheissen habe, zumal wenn dieser Name in einer der hieronymianischen Schriften, wenn auch etwas corrmnpirt oder als ״alia lectio“, vorkäme. Dieses ist nun in der Tliat der Fall. In einem seiner (‘raten exegetischen Werke, im Comment, in Ecclesiasten, führt H. als Referenten einer agadischen Tradition zu C. IV v. 13 ״Baracibam vel Baruchiam“ an. Martianay, der kritische Herausgeber der opera Hieronymi bemerkt: Die Herausgeber Erasmus und Marianus haben Barueheam; sed in cunctis (exempl. mss.) illud nomen scriptum legi vel Baruchiam, vel Barackivam, aut Barachibam. Er fährt fort: Vetustissimus omnium Codex Corb. prima manu scriptum restinebat Barachibam, quod emendator imperitus mutavit in Barachiam. (Vallarsi hält Baraciba für identisch mit Rabbi Akiba: obwohl in den Talmuden und Midraschim R. Akiba, zwar oft ohne Rabbi-Titel als Akiba, aber niemals als Bar Akiba aufgeführt wird.) Rappoport hätte also hiernach nicht ״ohne jede Begründung“ oder ״weil er schlecht gelesen“, wie Bacher ihm vorwirft, Bereehja für H.’s Lehrer gehalten, 80ndern er hat entweder in den Ausgaben von Erasmus und Marianus an dieser Stelle nur den Namen Baruchea, oder in den Ausgaben von Martianay und Vallarsi neben Barachiba die LA. Barucliia vorgefunden, und da an den Tannaiten Rabbi Akiba, der fast 250 Jahre vor Hieronymus’ Niederlassung in Palästina lebte, nicht zu denken war, so führte ihn die Lautähnlichkeit und die ungefähre Gleichzeitigkeit des Aufenthalts Beider in Palästina auf den Amoräer Bereehja. Das wäre Alles richtig, wenn Hieronymus an der betreffenden Stelle den Baraciba (oder Barucliia) als seinen Lehrer bezeichnet hätte; das ist aber nicht der Fall. Rappoport hat den Namen nicht ״schlecht gelesen“, sondern er hat die ganze Stelle nur flüchtig gelesen, und Bacher hat sie garnicht eingesehen, sonst wäre es ihm nicht entgangen, dass Hieronymus daselbst nicht sagt, er Labe die von ihm angeführte Erklärung aus dem Munde des Baraciba (oder Baruchia) selbst vernommen, dieser mithin sein Lehrer gewesen sei, sondern er sagt nur, dass sein jüdischer Lehrer ihm mitgetheilt habe, Baraciba (retp. Beruchia) habe den betr. Vers so und so erklärt. Er schreibt wörtlich: Hebraeus meus, cujus saepe facio mentionem, cum Ecclesiasten mecum legeret, haec Baracib&m (al. Baruchiam), quem unum vel maxime admirantur, super praesenti loco tradidisse testatus est etc. Das heisst doch: ״Mein Hebräer, dessen ich oft Erwähnung thue, hat mir, als er mit mir den ״Prediger“ las, bezeugt, dass Baraciba (resp. Baruchia), welchen sie (die Juden) als einzig in seiner Art überaus bewundern, über diese Stelle Folgendes überliefert habe.“ Sein Hebräer, d. h. sein jüdischer Lehrer (der Eigenname ist hier nicht genannt, es kann Bar Chanina, oder der Barrabbanus aus Lydda oder Tiberias gewesen sein) referirte ihm — wie die übliche Formel im Talmud lautet: בשם ר׳ — Namens des Bar-Akiba (oder des Bereehja, oder Bar-Chija?) die folgende Erklärung. Da er ihn als ganz besonders hervorrageuden und von den Juden als ״einzigen“ (יחיד בדורו) hochverehrten Gesetzeserklärer bezeichnet, so dürfte es doch wohl Rabbi Akiba*) gewesen sein, den Hieronymus auch an anderen Stellen sehr rühmend erwähnt.**) Was nun die tradirte Erklärung selbst anbetrifft, so handelt es sich um das Verständniss der beiden Verse 13 und 14 des 4. Kap. von Koheleth: טיב ילד מסכן וחכם ממלך זקן וכסיל אשר לא ידע לד,זהי־ עוד: כי מבית הסורים יצא למלוך, כי גם במלכותו נולד רש: Hieronymus übersetzt dieselben wie folgt: 13. Melior est puer pauper et sapiens, quam rex senex et stultus, qui nescit (al. nescivit) providere in posterum. 14. Quoniain de domo vinctorum egreditur in regem (al. ut regnet), quia etiam in regno ejus natus est pauper. Nachdem er auch die etwas abweichende Ueber- Setzung des Symmachus in lateinischer Sprache wiedergegeben, lässt er nun die folgende von seinem Hebräer ihm Namens des R Akiba mitgetheilte Erklärung folgen: ״Melior est interior homo, qui post quartum decimum puberbatis annurn in nobis exoritur, exteriore homine, qui de matris alvo natus est, qui nescit recedere a vitio, et qui de domo vinctorum, de utero videlicet materno, ad hoc exivit, ut regnaret in vitiis. Qui etiam in potestate sua pauper effectus est, mala omnia perpetrando.“ Diese agadische Erklärung ist im Midr. rabba zu Koheleth (und mit einigen Textabweichungen im Jalkut z. St. II, 571), erhalten, aber an beiden Stellen ohne Angabe des Autors. Sie lautet daselbst: 'טוב ילד וכי זה יצר טום ודמה נכן־־־א שמו ילד כי אין מזדווג לאים אלא־סבן י״ג שנה ולמעלה, ילמד, נקרא שמו מסכן שאין הבל שומע־ן לו, ולמה גמרא שמו חכם שהיא מלמד את הבריות לדרך ישרה, ממלך זק וכסיל זה יצר הרע, ולמה קורא אותו מלך, שהדל שומעין לו, ולמה קורא אותו זקן שהוא מזדווג לו מילדותו ועי זקנתו, ולמה רורא אותו כסיל, שהיא מלמד לאדם יח־ך רעה. אשר לא ידע לד,זהר עוד, שאינו יודע כמה צער וכמה יסורין באין עליו והוא אינו נזהר בהם, כי מב:ת הסורים יצא למלוד דדוא מכשכש לברייתא כמן ביני ם־יאתא, כי נם במלכותו נולד רש במלכות יצר טוב נולד רשיתו על יצר הרע: ״Unter dem armen aber weisen Kinde sei der *) Dass Barakiba und Rabbi Akiba für gleichwerthig gehalten wurde, geht aus Kpiphanius, liaerrs. 16 und 83, hervor. **) In der Epistel 121 ad Algasiam (,!uaestio 10) und im Coinmeutar zu Jesaja c. 8.

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