Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 12. (1901) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 12. (1901)
Date
1901-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6492408-5990879-5999248--2975-5369636
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

No. 12. -1901. Jüdisches Jahrg. XXV. Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung aller Jadenthum und Jaden betreffenden Mtterarlschen Er* •chelnuogen auf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte, Ktlmographle, Theotagte, Orlentalla, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Siegfried Oroiibaeli in Berlin W. 57. Bücher der etuachlftglgen Lltteratur, deren Besprechung ln diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte sind an die R e d a 011 o n, Inserate u. Beilagen an die Ezpe• dition franco einzusenden. Rakmar'• ״JBtflseliM Uttsratsr-Blatt״ erscheint monatliok im tlmfange eines ganzen Bogens u. kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge duroh Siegfried Cronbach in Berlin W. 57) vierteljährlich •ins Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden t,lsraalltliofe•■ WoohMMfcrlft** (Redacteur M. A. Klausner), welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 3.— ■. kostet, erhalten das ,,Jüdische Litteratur-Blatt" als Qrktla-Beilage. — Inserats werdeu mit 30 Pf|. die viergespallene Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin su senden. Abdruck einzelner Artikel nur mH der Angabe! ״Aue Rahmer’• Jfld. Litteratur-Blatt“ gestattet. War der Agadist Berechja der jüdische Lehrer des Hieronymus? Der Amoräer Berechja, der in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts in Palästina lebte und zu den fruchtbarsten Agadisten gehörte, wird von S. L. Rap poport für den Lehrer des Hieronymus im Hebräischen gehalten, der dem Kirchenvater beim Uebersetzen und Commentiren der bibli- Bchen Bücher behiilflich war und ihm die zahlreichen jüdischen Erklärungen und traditionellen Deutungen mitgetheilt hat. Diese Ansicht spricht Rappoport in einem hebräisch geschriebenen Briefe an S. D. Luzzutto*) aus, in welchem er über den Unterschied der talmudischen Forschungsweise bei den babylonischen und palästinensischen Talmudgeiehrten sich des Weitern ergeht and besonders nachweist, dass bei den Letzteren ein regeres Interesse für gründliche Bibolerforschung, Vertrautheit mit den aramäischen und griechischen Bibel- Übersetzungen, sowie mit grammatischen und masso retischen Regeln u. a. m. vorhanden war. Bei dieser Gelegenheit flicht nun Rappoport den Satz ein: ״Hier lernte auch Hieronymus die hebräische Sprache bei einem jüdischen Lehrer, der nach meinem Dafürhalten Rabbi Berechja war, dessen Name so häufig in den Midraschim vorkommt.“ Gegen diese Ansicht spricht sich Prof. Bacher in seiner ״Agada der palästinensischen Amoräer“ (Bd. III, p. 352) wie folgt aus: ״Nach Rappoports ohne jede Begründung hingestellter Vermuthung war Berechja der Lehrer des Hieronymus im Hebräischen. Jedoch war er, als Hieronymus nach dem heiligen Lande kam**), wahrscheinlich gar nicht mehr am Leben.“ In einer Anmerkung***) fügt B. noch hinzu: ״Sollte Rapp, den von Hieronymus erwähnten Namen seines jüdischen Lehrers Baranina (מ* חנינא) schlecht gelesen haben, etwa Baracia?“* •) Diese Briefe sind unter dem Titel אגרות שי״ר von Eisig Gräber in Przemysl (1886) herausgegeben und erstrecken sich über den Zeitraum 1888—1860. Obiger Brief ist ans dem Jahre 1886 und befindet sich im Heft II, 8. 80. ••) Das war i. J. 886. ***) In derselben muss es in dem Citat aus R.'s Brief statt יחודח lieisseu: יהודי. Rappoport sowohl wie Bacher scheinen angenommen zu haben, Hieronymus habe nur einen jüdischen Lehrer gehabt. Das ist eine irrthümliche Voraussetzung. Ich habe schon in dem ersten Theile meiner ״Hebr. Traditionen etc. in den Quaestiones in Genesin“ (Breslau 1861) in einer besonderen Abhandlung: ״Hieronymus und seine jüdischen Lehrer“ (S. 8) nachgewiesen, dass H. mehrere jüd. Lehrer gehabt habe. Schon in seiner Abhandlung über die Seraphim (Epist. 18 ad Damasum, geschrieben 381 während seines Aufenthalts in der südöstlich von Antiochia belegenen Wüste Chalcis) spricht er von einem jüdischen Lehrer, der der hebräischen Sprache und Schriftauslegung so sehr kundig war, ״dass er bei den jüdischen Schriftgelehrten für einen »Chaldäer« gegolten habe“ (qui inter scrihas eorum Chaldacus existimetur.“) ״Von ihm — schreibt Grützmacher in seiner neuesten Biographie des Hieronymas — liess er sich auch über die traditionelle jüdische Exegese belehren, von ihm erfuhr er unter ] Anderem, dass die Rabbiner die jesajanische Vision als Prophetie auf die Zerstörung Jerusalems unter Nebukadnezar und die 12 Flügel der Seraphim auf die 12 jüdischen Könige von Usia bis zur Zerstörung deuteten“. Er nennt später einen ״Barrabanus aus Tiberias“ seinen Lehrer*), ferner einen ״Lyddaeus quidam praeceptor“, von dem er auch an einer andern Stelle sagt: audivi Lyddae quendam de Hebraeis, qui ״sapiens“ apud eos et ״Seoieporoj{“ vooabatur (das wäre חכם ותנא**) Auch in seiner Nachbarschaft in der nächsten Umgebung von Bethlehem hat er einen jüdischen Lehrer gehabt, der meist des Nachts zu ihm kam und hebr. Bücher aus der Synagoge mitbrachte. Er nennt ihn deshalb ״noctumum praeceptorem“***) ZurUebersetzung des apokryph. Buches Tobias, das ihm in chaldäischer Sprache vorlag, weisH er sich einen *) Von ihm sagt er in der praef. II in Paralip.: De Tiberiade quendam legis doctorem, qui apud Hebraeos admirationi habebatar, asRumpsi, et contuli cam eo a vertice, ut ajunt, usque ad extremum nrgnem etc. **) Diesen Lyddenisschen Lehrer lähmt er ganz besonders: ״Lyddueum praeceptorem, qui apud Hebraeos primus pntabatur. **•) In der ep. ad Pammach. Veni rursum Hierosoiymam et Bethlehem quo labore, qao pretio Bnrrabanum noetnrnam habni lectorem! Vergl. auch ep. 126 ad Damusum .... deferens non nauca volumiua, quae de Synagoge quasi lecturus acceperat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.