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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 10. (1901) · p. Seite 78

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 10. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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78 hüben ihn wahrscheinlich zur Einweihung ihres priesterliehen Oberhauptes eingeführt, wenn auch Josephus und Philo darüber nichts berichten, da dieser Ritus auch in der christlichen Kirche für die Ordination ihrer Priester überging. Hillel, dessen Autorität und Competenz allgemeine Geltung hatte, hat vor seinem Tode seinen würdigen Enkel Gamaliel diese Autorität und Competenz summt dem Titel ..Rabban“ verliehen. Eine Reminiscenz von der Einführung dieser Ordination durch Hillel glauben wir in der Mischna Chagiga zu finden (Chagiga 2,2). Diese Mischna nämlich zählt fünf Paare pharisäischer Schulhäupter auf. Es sind: Jose ben Joeser und Josa ben Jochanan; Jos.ua ben Perachja und Nitai aus Arbela; Juda ben Tabai und Simon ben Schetach; Schemaja und Abtaljon; Hillel und Schamai. Alle diese Paare sollen im Synliedrion die höchsten Stellen bekleidet haben, einer als Präsident mit dem Titel Nassi, der andere als Stellvertreter und ״Gerichtsoberster“ (אב בית דין). Jedes dieser Paare aber wäre unter sich selbst im Streite darüber, ob die Hände aufzulegen seien. Der Eine sagt: ja, der Andere sagt: nein, und so bis Hillel und Schamai. Worauf aber das Händeauflegen sich bezieht, ist in der Mischna nicht angedeutet. Nun versteht darunter die Gemara das Händeauflegen eines Privatmannes anf den Kopf eines von ihm dargebrachten Thieropfers, und die Frage beziehe sich auf die Festtage, ob nämlich an solchen dieser Act der Weihe ebenfalls zu vollziehen sei. Diese Erklärung jedoch scheint eine irrige zu sein. Wenn auch für sie der Umstand zu sprechen scheint, dass auch die folgende Mischna diesen Streit, und zwar ausdrücklich im Sinne der Gemara, als zwischen den späteren Schülern Hillel8 und Schamai's bestehend anfuhrt, so mag Letzteres an und für sich richtig sein, aber die Anreiliung dieses Theils der Mischna an jene ist höchst wahrscheinlich eine spätere Einschaltung und Uebertragung aus Traktat Beza, 2, 3, eben infolge des Missverständnisses seitens der Gemara. Und an und für sich betrachtet, ist es denn denkbar, dass während zweier Jahrhunderte, und überhaupt so lange der Opferkultus bestanden hatte, ein Streit zwischen den pharisäischen Koryphäen über so einen Gegenstand bestehen und selbst entstehen konnte, der jedes Grundes entbehrt, — da die Gemara selbst sich abmüht, ihm eine und zwar sehr schwere Basis unterzulegen (Chagiga, 16,(5) — ohne Zweifel also hat jener Streit der späteren Schulen (Beza 2,3) das Missverständniss der Mischna Chagiga 2,2 herbeigeführt, und der Gegenstand in letzterer Stelle ist ein ganz anderer. Nun kann derselbe kein anderer sein, als die Ordination mit den! Titel Rabban. In der Mischna ist es wirklich Hillel, der für das Händeauflegen (Semiclia) d. h. für die hierarchische Reform der Ordination ist, und Schamai ist dagegen. Ob aber dieser Streit unter den vorhergehenden Schulhäuptern bestanden habe, d. 11. ob jemand von ihnen an diese Reform ge• dacht hat. ist sehr unwahrscheinlich. Die Beziehung auf die alten ehrwürdigen Schulhäupter mag wahrscheinlieh erst durch den Streit der Hilleliten und Schamaiten entstanden sein, indem jede Schule eine Stütze für ihre Ansicht in ihnen suchte. Randbemerkungen zur Pentateuch-Ueber8etzung des Onkelos. 1.) III. B. M. c. 18,29 giebt Onkelos die Worte: ונכרתו הנפשות wieder mit וישתיצון נפשתא. Mit Recht weist R. Nathan Adler in seinem Commentar נתינה לגר darauf hin, dass Onkelos überall da, wo von כרת, von himmlischer Ausrottung die Rede ist, נפשות u. נפש mit אנשא wiedergiebt. Nur an obiger Stelle übersetzt er wörtlich: נפשתא. Adler macht diese Bemerkung schon in seiner Glosse zu I. B. M. c. 17,14. ונכרתה הנפש übersetzt Onkelos mit: וישתיצי אנשא ההיא. Dort schon kann sich Adler des Onkelos’ abweichendes Verfahren in III. B. M. c. 18.29 nicht erklären. Er sagt ausdrücklich: והידוש הוא. Uns will das Motiv des Onkelos für die anders geartete Uebersetzung an der beregten Stelle nicht gar so räthselliaft erscheinen. In unserm Capitel werden unnatürliche und widernatürliche Vergehen und Verbrechen gegen die Sittlichkeit, Incest, geschlechtlicher Verkehr mit den nächsten Blutsverwandten, Päderastie geschlechtlicher Umgang mit Thieren, jene grauenhaften, schändlichen geschlechtlichen Verirrungen, welche den verworfenen Ureinwohnern Kanaans zur Last gelegt werden, gebrandmarkt und verpönt.. Durch sexuelle Excesse dieser Art wird das brutal Thierische in der Menschennatur blossgelegt. Das Seelische im Menschen schwindet, giebt seine psychische Qualität und Potenz auf. נפש geht hier zu Grunde und fällt der himmliehen Ausrottung anheim, nicht אנשא. Menschen in ihrer Verthierung, Thiere in Menschengestalt (ä la Sternberg) haben nicht mehr Mannesehre, Menschenwürde zu verlieren, sondern sogar schon die Qualität des נפש. Darum behauptet Onkelos im Geiste der heiligen Schrift hier mit Recht: וישתיצון נפשתא, nicht etwa: אנשא. 2) V. B. M. 21,18 heisst es;ויסרו אתו, nämlich die Eltern den entarteten Sohn. Onkelos übersetzt: ומלפן ״ יתהsie belehren, unterweisen ihn“. Nathan Adler erinnert in seinem Commentar z. St. daran, dass Onkelos dieselben Worte ויסת אתו in c. 22,18 wiedergiebt mit: ״ וילקון יתהsie sollen ihm die (40) Geisseihiebe ertlieilen lassen“, Adler äussert sich 1. c. auf dem Wege der Vermuthuug zum halachischen Motiv des Uebersetzers (S. seine Glosse daselbst). Wir wollen hier noch eine andere Möglichkeit in Betracht ziehen. Onkelos will hier ויסרו אתו geflissentlieh nicht mit וילקה יתה übersetzen, weil nur den Richtern, nicht aber den Eltern die Befugniss zustand, die 40 Geisselhiebe zu ertheilen resp. ertlieilen zu lassen. Dazu kommt vielleicht noch ein pädagogisch ethisches Moment, welches der Uebersetzer feinsinnig einfliessen lässt. Die Eltern führen ihren entarteten Sohn vor die Richter. Da liegt die Frage nahe, ob die Eltern und Ei zieher auch wohl ihrem Kinde gegenüber vollauf ihre Pflicht getlian. Aeusserlich betrachtet: allerdings; denn ויסרו אתו oder noch genauer ״ ומלפן יתהsie haben es belehrt, zurecht gewiesen“, sie haben ihm Strafpredigten gehalten, sie mögen es aber unterlassen haben, zur rechten Zeit und am rechten Orte züchtigend einzugreifen. Sie begnügten sich mit strafenden

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