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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 10. (1901) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 10. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Jolinsou von den Anwesenden ersucht, er möchte ihnen eine seiner neuesten litten! rischen Schöpfungen vorlesen, wovon sie sich einen grossen geistigen Genuss versprachen. Dieser erfüllte ihren Wunsch und las ihnen das Buch Ruth vor. und sie waren von dessen Inhalt, von dem ländlichen Stilleben, das darin so unnachahinbar anmuthig und schön geschildert■ wird, so entzückt, dass sie ihr Wohlgefallen daran laut und einstimmig erklärten Nicht wenig beschämt waren sie aber, als sie vom Vorleser erfuhren, dass das Gelesene einen geringen Theil des von ihnen so sehr verschmähten alten Testamentes bildete. Thomas Carlyle, der allgemein als einer der bedeutendsten englischen Gelehrten und Litteratcn der neueren Zeit angesehen wird, war eines Abends zu Gaste in einer englischen Familie, wo es Sitte war, dass der Hausherr vor dem Schlafengehen im Beisein aller Anwesenden im Hause ein Capitel aus der Bibel vorlas. An jenem Abende nun wurde Carlyle ersucht, die Stelle des Hausherrn zu übernehmen und etwas aus der Bibel vorzulesen. Und indem er dem geäusserten Wunsche nachkam, schlug er zufällig das Buch Hiob auf, und vom Inhalte desselben besonders mitgerissen, las er. ohne es zu merken, das ganze Buch von Anfang bis Ende durch. Der erst vor wenigen Jahren in London verstorbene Dean Stanley, ein hoher Würdenträger der englischen Kirche und Verfasser eines bedeutenden Werkes, das ״The Jewish Cliurch“ betitelt ist, rühmt darin den gemessenen Ernst und das erschütternde Pathos, die das alte Testament vor jedem andern Buche auszeichnen, und weist zugleich auf den Humor hin, der darin hie und da hervortritt. Besonders scheint ihm Simson ein höchst drolliger Charakter zu sein, ein Mann, der seine lustigen Schwänke und Ränke treibt, wo sich ihm nur dazu eine Gelegenheit bietet. Unvergleichlich schön und witzig — meint Stanley — ist das Wortspiel, dessen dieser in seinem Siegesausrufe sich bedient: . בלחי החמור חמור חמרתים, בלחי החמור הכיתי אלף איש: Mit dem Kinnbacken eines Esels hab ich einer Menge Von gar dummen Eseln den Garaus gemacht; Durch den Kinnbacken eines Esels sind im Gedränge Tausende gefallen wie in einer Schlacht. I)r. J. Chutzner. Aus Hieronymus’ Commentar zu Micha. Von I)r. M. Kahmer. 1. Cap. I, V. 3. ״ .ה־ יוצא ממקומו ררדDominus egredietur de loco suo“. Um den Anthropomorphismus, der in diesem Satze liegt, abzuschwächen, erklärt H. die Ortsveränderung als einen innern Vorgang, als eine Wandlung der geistigen Natur: Gott verlässt seine Milde und Barmherzigkeit und übt sein strenges Richteramt. Das sei ein Herabsteigen der göttlichen Majestät. Qui enim mitis est et benignus, et cujus natura clementia est, vestri causa cogitur, personam quam non habet crudelitatis assumere; descensioDei est etmajestatis ejus decurus etc.“ So erklärt es auch Raschi z. St. יוצא ממקומו מכסא הרחמים לכסא הדין. Merkwürdig ist es, dass es im Jalkut z. St. gerade umgekehrt heisst: ממקומו, ממרת הדק למדת רחמים לישראל(* 2. 1, 4. ״ .ונמסו הה־ ים תחתיו והעמקיםEt consumenfür 8ive tabescent montes et valles sub eo. quos prin- 0 i pes intelligamus et p o p u 1 o s“ Dass man unter ״Bergen“ die im Leben Hochstehenden, die Hochmüthigen, und unter ..Thälern“ die Niedrigeu im Volke, die grosse Menge, verstand, ist eine bei den jüdischen Exegeten geläufige Metapher. Schon zu den Worten בבתי ארץ im vorhergehenden Verse erklärte Raschi 0ל הרמים וגסי הרוח und Ibn Esra führt (das) eine ähnliche Ansicht an: וי״א כי במתי ארץ רמז לשליטים וככה ונמסו ההרים dass unter den .,Höhen der Erde“ und den ״Bergen“ die Herrscher verstanden sein. Dem Hieronymus am ähnlichsten erklärt Abarbanel: ונמס! ההרים כלומר שיושחתו ויבוטלו הנבוהים והרמים וכר וכנגד שאר העם וההמון שהסשפלים במדרגותיהם אמר העמל,ים יתבקעי (Wir kommen auf die hagadische Anwendung dieser Metapher**) zu Cap. VI. 1 des Nähern zurück.) 3. I, 4). ומי במות יהודה. Während H. in der Uebersetzung dem massoret. Texte folgt (״et quae excelsa Judae“) übersetzt er die Stelle im Commentar (zu V. 1) ״etquodest peccatum domus Judae“, derLXXfolgend, als stände im Hebräischen ומי חטאת בית יהודה, was allerdings dem Parallelismus des Vordersatzes mehr entspricht. Auch das Targ. scheint diese LA. vor sich gehabt zu haben, denn es übersetzt: והיכא הטו דבית יתדה, und ähnlich die Peschittho. 4. I, 10—15. Die mannigfachen Wortspiele und Parauomasien in diesen Versen erklärt R. soweit er es im Stande ist, nach dem liebr. Text, resp. wie er es von seinen jüdischen Lehrern vernommen, (secundum Hebraicum ut potuimus et ut nobis visum est, certe nt ab Hebraeis audivimus). Bei einigen Wörtern zieht er auch die LXX und Symmachus zu Rathe. Bemerkenswertli ist hierbei jedoch, dass seine in den Commentarii gegebene Uebersetzung von der in der Vulgata vielfach ab weicht. Wir lassen hier einige Beispiele folgen: Zu שפיר bemerkt er, quod Syrö Hebraeoque sermone dicitur pulclira, er will darunter Samaria verstanden wissen, quippe in pulcherrimo Judaeae et uberrimo sita loco. Während hiernach in denVulgata- Ausgaben יושבת שפיר mit ״habitatio pulchra“ wiedergegeben ist, heisst es in der den Commentarien beigegebenen Uebersetzung ״habitatio Saphir***)“; ebenso wird das folgende ישבת צאנן in der Vulgata mit ״quae habitat in exitu“, in den Comm. mit, ,quae habitat S e n n a n “ *) Das ל*שראל scheint ein späterer Zusatz zur Erklärung des Widerspruches, den man darin fand, dass in den folgenden Versen dieses Kapitels das göttliche Strafgericht angekündigt wird. Richtiger ist darum Raschi's Lesart. •*) Wenn H. jedoch zu ננע עד שעי־ עמי (v. 9.) ,,portas, inquit, tetigit, quas au res intelligimus“, meint, dass unter ״Pforte“ die ״Ohren“ gemeint seien, so ist diese Metapher in jüd. Quellen unbekannt; es sei denn dass H. hierbei an Koheleth 12,4 gedacht hat. ***) Den Städtenamen שמיר Jos. 16,48, giebt der Lucianus und Euseb. im Onomast. 8. v. mit 2a<petp d. i. שפיר wieder.

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