Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 10. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mo. 10. -1901. Jüdisches Jahrg. XXV- Litteratur-Blatt. Vera nt wort licht‘»• Redacteur: Rabbiner l)r. H. Hilhllicr in Magdeburg. Zur HHnu'lituni׳ JiitltMillmin tim] Jmlfji IxMiviU'mlen Htt''mrK<i1<11׳ Kr- «*cho!1»t1ng«־tt auf «Irin <.»'1־יז־ו!י «h r 1*11110• »01*1110 ס.י1011*[ס*וס«ו. Kthm>grnj>hi<*. Tlu•״• 11*KÜ\ Orionttilhi, I\xp1׳om•. I(«>u1i10tik. 1-iturKik 1111«) lk1t<i7iy*4»vik. Verlag und Expedition: Slcufric«! Cfimhacli in Berlin W. 57. Hüohor «l»*r oiusH»IN*!i1ron!.ittrratnr, «Irren!lo*|*r<M‘hu11u In «fiesem Hintte irowiinsclit wir«!, ««!wie Briefe und Mannskrl|«U‘ «in«) an «lie He «1 a e t i o n , liuuTat(1 11. Hodnxot) an die K x |»e * d i l i n 11 f r n n c » ein/.tisenden. Rahmer's ״Jüdischei Utteratur-Ulatt“ erscheint monatlich im rmfnngp eine׳« iriin/.on ItoKais u. kostet lief ailen Hueliliundlun^en (oder hei direktem Be/.iiKe durch Hi«*pfrird Ooiiharh in Ik'illn \\. f>7) vierteljährlich eine Mark. — Id«' .\t>onne1>tcn der in dcmsellKMi Verlape erscheinenden ״Israelitischen Wochenschrift“ thV<h1ete1tr M. A. Klausner), \\t!«•lie fad allen l*«»st»!1MaUcn und Hiielduindliin^en vierteljidiriieh 3.— H. kostet, erhalten das ,,Jüdische Litt^ratnr-Hlatt" ali Qrstis-lkdlap«‘ Inserate werden mit 30 Pfg. die vierpespahene Zeile Intim 11׳ mH und sind an die Kxpedition in Berlin zu senden. Abdruck einzelner Artikel nur mit der Angabe! ,,Aus Rahmer’e JQd. Litteratur>Blatt*‘ gestattet. lieber den Einfluss der Bibel auf hervorragende Repräsentanten der englischen Litteratur. Von verschiedenen Seiten ist bereits darauf bingewiesen worden, dass während der letzten zwei oder drei Jahrhunderte die ethischen Lehren der Bibel mehr als je zuvor in der englischen (ieschiohte der wohlhabenden, gebildeten und einflussreichen Klasse der englischen Nation als Muster zur praktischen Aus- Übung derselben gedient hätten. Diese erfreuliche Tliatsache wird gewöhnlich dem Umstande zugeschrieben, dass nämlich die verschiedenen während der besagten Zeitepoehe erschienenen englischen Uebersetzungen der Bibel den Inhalt, des Originals in klarer und verstündlicher Sprache erschlossen, und zum Gemeingut der gesamiuten englischen Nation gemacht haben. Doch äusserst wenig Aufmerksamkeit wurde bisher einer anderen beachtenswerthen Tliatsache gewidmet, welche ihre Entstehung ebenfalls den fraglichen Versionen zu verdanken hat. Diese besteht darin, dass mittels der letzteren einige der hervorragendsten Repräsentanten der englischen Poesie. des englischen Dramas, der englischen Novelle und der englischen Redekunst höchst vortheilliaft beeinflusst wurden, und somit die gesanunte englische Litteratur mit neuen Ideen, neuen Bildern und neuem Material vielfach bereichern konnten. Einige Beispiele dürften für die Leser dieses Blattes von Interesse sein. In erster Reihe sind unter den englischen Klassikern natürlich Shakespeare und Milton zu nennen.. Die Hauptwerke des Letzteren, welche biblische Bilder und biblische Ausdrücke enthalten, sind: ״Das ver- Jorene Paradies1־ und ״Samson Agonistes“. Der aufmerksame Leser dieser litteraiischen Schöpfungen wird sofort die biblische Quelle erkennen, von der der Verfasser nicht nur den Stoff, sondern auch Inhalt und Form entnommen hat. Was Shakespeare anlangt, so schreibt einer seiner besten Biographen — Bischof Word8wovth —, dass kein anderes, nicht speciell tlieologisch« s Buch in der ganzen englischer: Litteratur so viele biblische Wendungen, biblische Bilder und biblische Gedanken aufzuweisen habe, als die dramatischen gtücke von Shakespeare. Wäre daher Letzterer nicht mit der Bibel intim bekannt, gewesen, so würde gar manche Stelle in dessen Werken, deren schöne Ausdrucksweise wir so oft bewundern, niemals geschrieben und volksthümlich gemacht worden sein. Bunyan. der Verfasser des bekannten Buches ״Pilgrim s Progress־‘, verdankt die Entstehung des letzteren seiner Vertrautheit mit der Bibel, deren Inhalt er darin oft und mit grossem Nutzen verwerthete. Byron's ״Hebrew Melodies“ und dessen ״Cain“, welche biblische Stoffe so rührend schön besingen, sind rühmliehst un<l genügend bekannt, und diesen kann man auch sein Gedicht ״Darkness“ hinzufügen, bei dessen Abfassung der Prophet Jereinia dem Dichter vor Augen gesell webt haben muss. Tn neuerer Zeit haben die berühmten englischen Dichter Browning und Ten 11 yso 11 verschiedene biblische Stoffe in ihren Poesien benutzt, und der beliebte Novellist Thackeray hat in seiner vorzügliebsten Novelle ״Vanity Fair“ die Lebensgeschichte des Propheten Samuel in einer Weise bearbeitet, dass der betreffende Abschnitt der beste. rüh1־endste und interessanteste im ganzen Buche ist. Von Burke, Daniel Webster und John Briglit, den drei grössten Parlamentsrednern, die England je 1 besessen, wird erzählt, dass sie jedesmal einige Kapitel aus dem Buche Jesaja lasen, ehe sie ins Parlament gingen, um daselbst ihre feurigen und denkwürdigen Reden zu halten. — South, ein berühmter und höchst, gefeierter englischer Geistlicher, der gegen Ende des 17. Jahrhunderts in England gelebt und in seinem kirchlichen Amte gewirkt hat. schreibt über die Bibel wie folgt: ״Wo finden wir eine solche begeisterte Rhetorik und eine solche grossartige Poesie, wie man sie im alten Testament antrifft? Ebenso ist das Pathos dann unbeschreiblich rührend und ergreifend, und besonders tritt dieses in den Klageliedern des Propheten Jereinia scharf und murkirt hervor; jedes Wort darin klingt fast wie die Stimme eines brechenden Herzens;* Dr. Samuel Johnson, ein berühmter Gelehrter und Litterat des 18. Jahrhunderts, befand sich einst in einer Gesellschaft von Freidenkern, die sich oft rühmten, das alte Testament niemals gelesen zu haben, weil sie von vornherein eine zu geringe Meinung davon hatten. Bei dieser Gelegenheit wurde nun Dr.