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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 9. (1901) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 9. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 Docli Frankel war nicht (1er Mann. <ler auf den erworbenen und wohlverdienten Lorbeeren ausruhe 11 mochte. Wie Alexander von Humboldt im 70. Lebensjahre an die Abfassung seines ..Kosmos“, so ging Frankel in demselben hohen Lebensalter an das schwierige Werk, die Commentirung des jerusalemischen Talmuds; aber nicht gleich Humboldt war es ihm vom Schicksal beschiedon. das Riesenwerk zu vollenden. Im Jahre 1874 erschien der erste Theil seiner mit einem Dopppel- Ooinmentare versehenen Ausgabe dieses schwierigen Talmuds, das den Anforderungen talmudischer Gelehrsamkeit wie moderner Wissenschaftlichkeit gleich sehr gerecht wurde. Freitag, den 12. Februar 1875. hatte er die letzten Sätze zur Einleitung für den zweiten Theil dieses Riesenwerkes, das der Trost und die Lust seines Alters war, geschrieben - da überraschte ihn der Tod und wand ihm das Werkzeug seiner Timten, die Feder, aus der Hand. A111 Sabbath den 8. Adar, (13. Februar 1875). einen Tag nach dem tradirten Todestage unseres grossen Lehrers Mose— Friede mit ihm! — verschied Frankel. Er hatte Freitag Abends noch dem Gottesdienst in der Seminarsynagoge beigewohnt. In der Nacht wurde er — wie in der letzten Zeit öfter — von Beklemmungen befallen, so dass der Arzt geholt werden musste, der den Zustand ob des hohen Alters des Patienten für gefährlich erklärte. Im Laufe des Sabbath-Vormittags wurde noch ein Arzt zugezogen. Frankel blieb bei vollem Bewusstsein und klagte nicht über Schmerzen. Nachmittags gegen 2 Uhr umdunkelte sich sein Auge, er glaubte den Sabbatlmusgang nahe und begann das Abendgebet zu sprechen; nach Beendigung desselben forderte er den um ihn weilenden Schüler auf, ,,Hawdoloh zu machen.“ was dieser, um den Patienten durch Widerspruch nicht zu erregen, auch that, natürlich ohne .,Licht.“ ״Sie haben ja den Segen übers Licht nicht gesprochen?“ sagte der Patient, sprach darauf vernehmlich die Worte ב׳א׳י׳ א׳ט׳ה׳ בו1א מאורי האש und — war nicht mehr. So erlosch die ״Leuchte Israels“, so ging Frankel Licht und Segen spendend durch sein Lehren und Leben, den Segensspruch über das Licht auf den Lippen, ein zum ewigen Licht! Am 16. Februar 1875, Nachmittags um 2 Uhr, fand das Leichenbegängniss statt, zu dem sich der grösste Theil der von ihm ordinirten Schüler von Nah und Fern eingefunden hatte. Die Anwesenheit so vieler Rabbiner machte diese Trauerfeier zu einer imposanten. Sie wurde durch einen Trauergottesdienst in der Seminarsyuagoge eingeleitet, in welcher der einfache schwarze Sarg vor dem Allerheiligsten aufgestellt war. Drei Rabbiner — 2 Schüler (Dr. Perles-München und Dr. Schwarz-Karlsruhe) und sein Nachfolger im Dresdner Obervn bbinute (Dr Landau) — hielten hier ergreifende Trauerreden. Auf dem Friedhofe sprachen noch vier Rabbiner (DDr. Joel - Breslau. Güdemann ־ Wien, Rahmer-Magdeburg und Treuenfels-Stettin), sodann wurde seine sterbliche Hülle in dem Familienerbbegräbnisse in Breslau der Grabstätte seiner ihm in die Ewigkeit vorangegaugenen Gattin (Rosa geb. Meyer) beigesetzt■. Die einfache Aufschrift auf seinem Leichenstein lautet: נ e אדוננו מורנו ורבנו, מנהיג וראש הישיבה ומאבנים ,nt בבית מררש הרבנים אבי ד דק ק דרעזדען והמדינה, מה- וי זכריה בן.מהו ■ר יעקב ה ■*וי נו^ד ביום שמחת תורה הקס״ב ונפמר ביום ש יק ה׳ אדר ראשון הי•* ה לפק ת׳ 3• צ׳ ב׳ הי. Wirschlie88en mit den Worten des sel.Dr.Kaufmann: ״Die Geschichte der religiösen Bewegung im Judenthuin der Neuzeit wird Frankel den Ehrennamen geben: ״Friedensfürst.“ Er war ein Mann der goldenen Mitte, vom Geiste der Friedensliebe und Versöhnlichkeit geleitet und beseelt. Aussöhnung des Glaubens mit dem Leben. Fortschritt innerhalb des Glaubens, Erhaltung und Veredlung, Regeneration des Judenthums aus und durch sich selbst.; das war -seine Losung der ..gemässigten Reform“. — Er lebt in seinen zahlreichen Werken und Schülern fort! זכר צדיק לברכה! Ueber שבת הגדול. Von Kabbiner Dr. Goldfahn. Schluss. Beachtenswerth ist die Deutung, welche Josef heu Samuel Tob-Elem, der Verfasser der Synagogengesilnge für Schabbatli Haggadol. dem Ausdrucke ״Sch. Hag.“ beilegt, worauf ich bereits im Jahre 1886 (״Littbl.“ p.l66a)kurz hingewiesen habe. Die Dichter der Kerobhoth, namentlich derjenigen für die besonderen Sabbathe, geben in den einleitenden Absätzen Andeutungen, welche Bedeutung sie dem betreffenden Sabbathe beilegen, welche agadische oder sonstige Deutung, ihrer Ansicht nach, der synagogalen Anordnung zu Grunde gelegen habe bezw. welcher Gedanke zum Ausdrucke gelangen sollte. Der Dichter der Keroblia für den Sabbath Parascliath Para z. B. schliesst sich der Ansicht an, wonach (Pesikta dr. Kahana ed. S.Buber Seite 40b — 41a nebst Paral.) die Para aduma ein Symbol der Leiden und der Eutsiindigung Israels sei und der Name des Priesters Elasar in ..El asar“1) umgedeutet wird, und giebt diesem Gedanken in den drei einleitenden Absätzen Ausdruck. Dasselbe thut Josef ben Samuel Tob-Elem (== Bon fils), der Verfasser der Keroblia für ״Sch. Hag.“ Er fasst die zwei Worte der Bezeichnung: ״Schabbatli Haggadol“ dem Sinne nach nicht im attributiven, sondern im objectiven Verhältnisse, ״der gepriesene2) Schabbatli“ Lob und Preis des Schabbatli, dessen ״seelenerquickenden Heiles“ die Israeliten noch vor ihrer Befreiung aus Aegypten3) sich erfreuten ') Was S. Bnber 1.1. Anni. 20611.20* uichterkannt hat te, und trotz meiner brieflichen Gegenbemerkung wiederholt er seine irrige Meinung in seiner Kdition des Tanchuinn 27 § חקה Anni 276; Eriedmann l’esikta liubbati (,Seite 66h Anni. 109; und I.uria IVsikta Kabbnti ed. Warschau (Anni. 28. geben die. richtige Erklärung, nur dass Eriediuann übersehen liut, dass nicht nur der Jalkut Behimeoni I. 1;. 769 sondern auch Manuskript Oxfort die richtige Leseart: עוזר 'הכהן Sa bietet. Die Deutung hat eine polemisch upologetische Spitze gegen Hebräerbrief 9, 13; 13. 11, und die Behaup- Ding der Kirchenväter, dass die ״rothe Kuh“ ein Vorbild Jesu, der ausserhalb der Stadt gekreuzigt worden, sei. Vergleiche Grätz Monatsschrift 1879 Seite 18. *) Vergleiche hierzu meine Bemerkung ״l.itterntnrblatt“ Jahrgang 21, 1892 (Beite 169b) und Note 11, die talmudischen Deutungen zu Neli. 8,6 •י) Arnheim, Jozeroth a. 1. Seite 189 Aum. 8' ist hiernach zu berichtigen.

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