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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 9. (1901) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 9. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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־68 wir ihm den nicht; wir t hei len Israel in zwei Lager, wo wir sie doch durch des Prinzip versöhnen könnten.“ Hier sehen wir die beiden Grundzüge der Frankel' sehen Richtung: Festhalten an dem Judentlinin, wie es auf Offenbarung und Geschichte sich aufbaut. Entwickelung nur im Geiste dieses positiv-historischen Jiideuthuins — Auf ha neu. nicht Niederreissen; sodann Rücksicht auf die Gemeinde. Achtung vor dein, was im Herzen des Volkes lebt und demselben lieh und theuer geworden ist. vor Allem kein Zwiespalt in den Gemeinden, kein Spalten in zwei Lager, versöhn lieh wirken, vermitteln zwischen den Parteien ohne das Prinzip aufzuheben, die Gemeindeeinheit und den Frieden wahren. Diesem S \ ’ >. dieser vermittelnden Richtung die wissenschaftliche Begründung zu gehen, gründete er um diese Zeit (1844) ..die Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums“. von der;5 Jahrgiinge erschienen sind; aus ihr entwickelte sich dann (Oktober 1851) .,die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums־־ die F. bis Ende 1868 selbst redigirte. (fortgeführt von 1861• bis 1887 von Prof. Dr. Griitz und seit 1898 von Prof. l)r. I). Kaufmann und M. Braun und seit dom vor;2 Jahren erfolgten Tode des erstem von letzterem allein). Sie ist nicht nur eine reichhaltige Fundgrube gediegener Beitrage zur Kcnntniss der jüdischen Geschichte und Litteratur. sondern wandte sich (unter Frankels Redaction) auch den praktischen Zeitfragen des Gemeinde und Schullebens zu.—■ Es war ein merkwürdiges Zusammentreffen, dass Frankel den zweiten Jahrgang (lc58) dieser ,,Monatsschrift“ mit einer .,Jahrosschau־־ erötfnete, in der er seine mächtige Stimm(‘ für Errichtung eines Rabbinerseminars erhob. Er sagte darin u. A : ״Woher sollen <lie künftigen Wuhhiner ihre theologische Bildung nehmen? Wird nicht daran gegangen, junge Kahhiner heran/.uhilden, welche Zukunft steht Israels lleiligthiim bevor? An wen werden sieh Israels Gemeinden halten? Wer wird die Schätze des Glauben* wahren, wer die grosse Krrungensehaft der Väter vertreten? — ״Schöpfung eines Seminars!“ so mahnet dringend der trostlose Zustand der Gegenwart, rufen mit Donnerstimme die Duhingeschiedcncn, die an (ilauhen und!,ehre ihr!.eben setzten, um sie. noch dem tausendsten (iesehlechte zu überliefern, mahnt der in Keuerllainmen gegebene Bund, durch den Israel für immer bestehen soll. lCine Stätte der Lehre, eine Stätte für Bildung zur Lehre — welche Zukunft erwartet uns sonst!“ Diesel־ von Dresden ausgehende Mahnruf fiel gerade in dieselbe Zeit, da in Breslau die Männer, welche das Kuratorium der grossartigen ,,Commerzienrath Jonas Frankel'sehen Stiftungen“ bildeten, im Stillen mit den ernsten Vorarbeiten beschäftigt waren, wie die bedeutendste jener Stiftungen, die eines ״Seminars zur Heranbildung von Rabbinern und Lehrern“ am praktischsten in’s lieben gerufen werden könne, welcher Mann wohl am geeignetsten sei und den wahrhaften Beruf habe, an die Spitze einer solchen Anstalt gestellt zu werden. Während dieser Erwägungen erschien jener ״Mahnruf“. Der Manu war gefunden, ״desseu hervorragende Eigenschaften — wie es im Bericht des Kuratoriums heisst - in seltener Vereinigung ihn zum Leiter einer solchen Anstalt so zu sagen prädestiniren mussten, an dessen Festigkeit und opferfähiger Hingebung an das grosse Werk nicht gezweifelt werden durfte — und der königlich sächsische Oberrabbiner. der den Ruf an die Gemeinde zu Berlin vor Jahren ausgeschlagen, nahm unsere Vocation als Direktor des Seminars zur Heranbildung von Rabbinern find Lehrern in Breslau an.״ Am 6. und 7. Juni 18;'»4 fand die erste Aufnahmeprüfung (Schreiber dieses wurde am ersten Tage geprüft und als ..Hörer des jüdisch-theologischen Seminars" immatriculirt). am 10. August 1854 — den 1(1. Aw — die Erötfnungsfeier find die Einführung Frankels in sein hohes Lehramt durch das Kuratorium statt, l'ns ist jener weihevolle Vorgang noch lebendig im Gedächtniss. Nach einer Ansprache des Kurators, Sanitätsraths Dr. J. Levy. best ieg Frankel das Katheder, sprach den Segensspruch שהחינר, bezeiclmete das Erlebniss als ein historisches, allgemeines, das nicht einen kleinen Kreise, einer Stadt, einer Provinz, einem Lande angehöre, sondern Eigenthum des ganzen Judenthums werden solle, ״dessen Geist hier gepflegt, in dessen Geist hier gelehrt werden solle.“ ״Aus den vielseitigen religiösen Kämpfe״ und Bewegungen eines Menscheiiiilters war— um mit .)»st (Gesell, d. Jiidenlh. III, 380} zu reden — eine Schöpfung hervorgegnugen, deren Dauer ge• sicher!, welche als der würdige Schlussstein des vielseitigen Streitens auf dein Gebiete der Religion zu betrachten ist; Das Breslauer jiid.■theologische Seminar. l׳",s ist die gereifte Frucht der Be- Strebungen nahezu dreier .Jahrzehnte," Wir übergehen hier die emsige Thätigkeit Frankels als Direktor, sein Lernen und sein Lehren vom frühen Morgen bis spät in die Nacht; seine liebevolle Fürsorge für seine Schüler, die t;1־ wie seine Kinder liebte wir sehen ihn noch am späten Abend am Krankenlager eines derselben, vier Treppen hoch in einer Dachkammer wohnend, erscheinen, ihm Mutli zusprechend und für seine ansreichende Pflege sorgend. Nach 8 Jahren, am 8. April 1862, fand die Entlassung der drei ersten an diesem Seminar herangebildeten Rabbiner — Güdemann, Perles, Rahmer — in feierlicher Weise statt. Wie die Hoffnungen, welche Frankel und alle aufrichtigen Freunde des Judenthums an diese Anstalt knüpften, sich glänzend erfüllten, davon giebt bereits die zum 25jährige11 Jubiläum des Seminars (August 1879) im Aufträge des Kuratoriums veröffentlichte Jubelschrift, worin über die 25jährige Wirksamkeit dieser Anstalt Berichte erstattet wird, beredtes Zeugniss. Danach hatte das Seminar bis dahin 882 Schüler gehabt, deren Heimath und Wirkungskreis zeigt, dass die Bedeutung des Seminars -— wie Frankel vorausgesehen — eine weit über die Greuzeu Deutschlands hinausreiehende, auf zahlreiche Länder dies- und jenseits des Ozeans sich erstreckende und vermöge der wissenschaftlichen Leistungen seiner Lehrer und Schüler auf das gesummte Judenthum befruchtend eimvirkende geworden ist. Wir wenden uns nun der ausschliesslich der PHege der jüdischen Wissenschaft zugewandten Thätigkeit des Rabbinerseminar-Directors zu, die wir im engen Rahmen des uns zugemesseneu Raumes nur kurz skizziren können. In Breslau brach für Frankel eine Wissenschaftliehe Thätigkeit an, die nur durch die strenge, unentwegte Ordnung seiner Lebenseinrichtung bewältigt werden konnte. 45^904

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