Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 8. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
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63 selbst zugegeben, dass נוטפות, aus dem Aramäischen abgeleitet, die Bedeutung von ,.glimmen, Rauch ver- Ursachen“ haben soll, (dem hebräischen כבו entsprechend, welches das Targum mit טפו übersetzt, kann es nur ״verlöschen“ bedeuten; man vergleiche das Targum zu Sam. I. 3,3; Levit 6,5; Arnos 9,1 u. a. m.), so entspricht es doch dem Sinne nach noch immer nicht dem תכוינה an der betreffenden Talmudstelle, wo es ja die Bedeutung von ״verbrennen“ haben 8011, (״dessen Lippen werden verbrannt werden“). Richtiger scheint uns. dass Raw, in dessen Namen jene Agada referirt wird, das Wort עובר als Metathesis von בוער genommen hat. Aehnlich wird ja das Zeitwort העביר beim Molochgötzendienst (Levit 18,21; Könige II, 1,43) von Vielen als Umsetzung von הבעיר erklärt (cfr. Geiger, Urschrift S. 305). Der Hinweis des Jesaja-Pick auf den Aruch bezieht sich nicht auf No. VI. des Artikels *טו, sondern auf No. I ibid., woselbst obige Talmudstelle mit geringen Textabweichungen angeführt wird und Aruch erklärend hinzufügt:ואם יעבור שלא וכר יכוה וי בעד. Hier hat offenbar der Aruch an die Umdeutung des עובר in בוער gedacht und darauf wollte R Jesaja mit seiner Notiz aufmerksam machen.) •> Ibidem pag. 73. Zu Taanith 23a bemerkt Blau im Namen Brills: ״Die Wundevgeschichte des Choni 11a- Meaggel, wie er den Regen' bewirkte, ist hier ausführlicher, als in der Mischna erzählt. Als es blos zu tröpfeln begann, sagten seine Schüler zu ihm: ראינוך ולא נמות וכו שאין גשמים יורדין אלא להתיר את שבועתך Nach Raclii's Interpretation bedeuten die Worte der Schüler : Wir richten unser Auge ganz auf dich, damit wir nicht sterben. Dies lässt sich jedoch in das Wort ראינוך nicht hineinpressen und passt auch zum nachfolgenden Satze nicht. Höchst wahrscheinlich haben wir es hier mit einem uralten Schreibfehler zu thuu; statt ראינוך ist zu lesen ראינום ..'Vir sehen den Regen (גשמים), wir sollen nur nicht sterben; es will uns scheinen, dass es nur deshalb regne, um dich von deinem Schwure zu entbinden, aber nicht, um Segen zu bringen uud die Menschen vom Hungertode zu retten Durch diese kleine Aenderung gewinnt die Stelle einen befriedigengen Sinn“. Diese Conjectur erscheint plausibel; aber sie hilft nicht über alle Schwierigkeiten hinweg. Denn am Schlüsse unserer Talmudstelle heisst es ebenfalls: ראינוך ולא נמות ובו׳ שאין גשמים יורדין אלא לאבד העולם Hier wäre die Conjectur ראינום nicht situationsgemäss. Demnach scheint ראינוך kein Schreibfehler, sondern die ursprüngliche Leseart zu sein; es sollte vielleicht damit das Ueberwältigende. Imponirende. Dämonische im Wesen des Choni angedeutet sein, welcher den Willen seines Schöpfers und Meisters gleichsam meistert. Dazu passt auch die Kritik, welche R. Schimeon ben Schetach an dem Vorgehen Choni’s übt. Kreslau, im Mai 11101. 1)1־. Immanuel Deutsch. Nachschrift zur obigen Redaktions-Nachbemerkung. Als wir obigeNotiz in unseremSommeraufenthaltsort niederschrieben, lag uns der Aruch haschalem von Kohut nicht vor. Heimgekehrt schlugen wir diesen nach und fanden, dass Kohut in der Anmerkung 10 zu טף I ebenfalls, schon bemerkt: עובר נמו בוער. Wenn er jedoch hinzufügt או י״ל כי ושיעורו מור עובר •ימות אס עבר, (moriri) 80 ,מור נופל על לשון רומי ist das nicht nur weit hergeholt, sondern entspricht dem תכוינה durchaus nicht. Ebenso müssen wir Kohut's Erklärung, dass מר, welches Raschi an der betreffenden Talmudstelle (Sabbath 30b), mit מרירות (ebenso Aruch z. St.) erklärt, dem lateinischen ״mores“ entspreche, zurückweisen; dieses wird mit מרות und nicht mit מרירות wiedergegeben. Das מרירות מחמת אימה in Rachi ist dem kurz darauf im Talmud z.St. folgenden בדיחותא entgegengestellt ״ernste (nicht heitere) Lehrgegenstände“; wir sprechen ja auch von ״bitterem Ernst“. Z. Frankel’s Geburtstag. Auf dem Grabstein des sei. Directors Frankel ist, wie man uns schrieb, als Geburtstag Simchas Thora 5561 angegeben (wörtlich: נולד ביום שמחת תורה תקס׳יא), Andrerseits wird als bürgerliches Datum der 1. October 1801 angegeben. Wenn das Jahr 1801 feststeht, 80 ist תקס״א jedenfalls ein Irrthum, denn der October 1801 fiel in תקס״ב. Aber auch sonst entpricht das hebräische Datum nicht dem bürgerliehen, denn Simchas Thora 5662 fiel auf den 30. September 1801. Steht also Simchas Thora als Geburtstag fest — und an diesem Festtage beging Fr. ihn in Breslau*) alljährlich im Kreise seiner Schüler und Freunde — dann war der 30. September sein Geburtstag. R. Litteratnrbericht. Recensionen. Uippner Dl‘. Benjamin, weil. Rabbiner in Glogan, Predigten, Betrachtungen und ausgewählte Gebete. Aus seinem Nachlass zu einem Andachtsbuch für die Synagoge und das israelitische Haus zusammengestellt von Rabbiner Dr. B. Jacob, 1901. Verlag von M. Zülzer A Co., Berlin, Leipzigerstrasse 59. (XV und 671 S. gr. 8). Es ist nicht nur ein schönes Denkmal der Pietät, der Liebe und Freundschaft, das die Gattin und ein jüngerer Freund des leider allzufrüh Dahingeschiedenen dem Andenken des sei. Rippner durch Veröffentlichung dieses reichhaltigen Buches aus seinem Nachlass errichtet haben, sondern dasselbe ist eine wirkliche Bereicherung unserer homiletischen Litteratur. Während die Predigten der Begründer derselben, Salomon's, Kley’s u. A., mehr durch Länge und Breite als durch Tiefe sich auszeichneten, und auch noch Mannheimers, Sachs’, Holdheim’s, Geiger’s und llerzfeld’s Predigten trotz ihres tiefem Gehalts und Ideenreichthumsan dem Fehler einer zu grossen Ausdehnung litten, warmit Jellinek, dem fruchtbaren Midrascht'orscher, eine neue Bahn beschritten. Sei ne Predigten zeichnen sich schon äusserlieh durch eine concisere, strammere Fassung, und innerlieh durch eine reichere Verwendung und geistvolle Deutung von Midraschim aus, die geschickt mit den sozialen Zeit- und Tagesfragen verknüpft sind. Doch während bei ihm die historische und allegorische Deutungsweise prävalirt, hat der philosophisch geschulte Joel seinen Reden einen gediegenen gedankentiefen Inhalt in gedrungener Kürze zu geben verstanden, in denen der jüdische Geist zu den * Auch in Dresden galt dieser Ti!« als sein Geburtstag; mit ltezug hierauf dichtete Kmil Lehmann das in der ״Israelitischen- Wochenschrift“ 1871 No.42 abgedruckte Kestlied zu Krankels Ceburtstug; auch Zung in seinem Gratuiationsbrief (daselbst S. :141) nimmt darauf ltezug.