Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 8. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 8)
- Language
- German
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64 zeithewegenden philosophischen Fragen Stellung nimmt und die Lebensräthsel ihrer Lösung entgegeugefiihrt werden. Dass solche gedankenschwere Heden auf der Kanzel von Zuhörern ungleicher Bildung kein längeres Zeitmaass vertragen und trotz aller Bemühung des Kedners, klar und allgemeinverständlich zu sein, naturgeinäss nicht populär sein können, liegt auf der Hand. Rippner vereinigt in seinen Predigten alle Vorzüge: der Kürze, des Gedankenreichthums, der Klarheit und der Popularität im besten Sinne des Wortes und sie eignen sich darum ganz besonders zum Vorlesen in solchen Gemeinden, die des Predigers entbehren. Die getroffene Auswahl ist eine vorzügliche, schade nur dass zum fünften Buche Mose's nur drei Predigten (sämmtlich zu ראה) vorhanden sind; im 9. Jahrgange unseres ״Predigt-Magazins“ findet sich von ihm auch eine zu ואתחנן,, die Aufnahme verdient hätte. (Sie findet sich auch als zweite in dem von uns i. J. 1894 herausgegebenem Bande: ״Predigten von Dr. Benjamin Rippner“, j. Kauffmann, Frankfurt a. M.) Es ist schwer, und liegt auch nicht in der Absicht dieser Anzeige, einzelne der 130 Predigten und Betrachtungon dieser grossen Sammlung als besonders treffliche herauszuheben: sie sind alle gut, und keiner, ob Prediger oder Laie, ob Lehrer oder Leser, wird das Buch aus der Hand legen, ohne in sich zu verspüren, dass ihm daraus Belehrung, Erhebung und Erbauung zngeströmt ist. Es wird viel Segen verbreiten und dadurch das Andenken des Guten zum dauernden Segen bleiben!*) R, Steinschneider, Professor M., Der Aberglaube, Hamburg, Verlngsan8ta.lt und Druckerei A.-G. (vorm. J. F. Richter) 11)00, Gr. 8", 34 S. Der grösste Bibliograph der Gegenwart, Professor Dr. Moritz Steinschneider, hielt im Verein junger Kaufleute in Berlin im Jahre 18ö3 einen Vortrag, der nunmehr für den Abdruck erweitert in der vorliegenden Broschüre der Leseweit zugänglich gemacht wird, ln einem Alter, in welchem Andere längst sich der Ruhe hingeben, sehen wir diesen bewunderungswürdigen, unermüdlich-fleissigen Nestor der jüdischen Gelehrsamkeit mit Jugendfrische beschäftigt, Schönes und Nützliches aus dem Schacht der Wissenschaft fördern und die jüdische Litteratur bereichern. Das Thema dieses Vortrages ist an und für sich ein sehr interessantes. Allein den Aberglauben geschichtlich zu erörtern, und seinen Begriff in einem Vortrage zu entwickeln, ist unmöglich (8. 24). Wohl aber kann es Aufgabe eines Vorträges sein, den Aberglauben, sein Wesen und seine Bedeutung, näher zu betrachten. Und diese Aufgabe erfüllt Professor I)r. Steinschneider in diesem Vortrage voll und ganz. ״Aberglaube und Vorurtheil haben das mit einander gemein“, heisst es (S. 2H), ״dass sie einen Zusammenhang voraussetzen, wo in der Wirklichkeit keiner ist.“ Einige Zeilen weiter ruft der Verfasser aus: Der Aberglaube ist der wirkliche ״ewige Jude“, der, in der Welt herumirrend, nicht sterben kann; das Vorurtheil ist ״ewig jung“ wie seine Mutter, die Phantasie, es wird ja alle Tage neu gehuren. Aberglaube kurirt man durch Aufklärung über die Natur der Dinge, Vorurtheil durch Aufklärung über uns selbst und die Natur unseres Verstandes; da aber Sclhstkenntuiss das Schwerste ist, so wird das Vorurtheil noch lange Bestehen, wenn der Aberglaube überwunden ist“ iS. 27). So erörtert der Verfasser in geistreicherWeise und ansprechender Diktion das allgemein iutercssirende *) Von sinncntstcllcndf n Druckfehlern sind nns licsonders aufgcfullen 11ml zu lierichtigen; 8. 13, Z 18 v. u. statt: ״Abr. thrilte den ltiss“ i. /.. 1. ״A, heilte (1. R.“ — S. 37, Z. 4 v. o. zu lesen: ״natürlicher". Das. 7.. 32 v. o.: ״Ci reis“. — 8. 63 letzte Zeile: ״weiter“ (st. ״wieder“). — S. 214 vorletzte Zeile: ״ich vertraue' (st. ״ich traurc“) n. a. tu. Thema. Möge es dem vielseitigen Altmeister der Wissenschaft, der in diesem Jahre das 84. Semester seiner Vorlesungen an dem Veitel-Heine-Ephraim-Stift in Berlin beendet, vergönnt sein, in Geistesfrische ans dem reichen Born seines Wissens noch manche erquickliche Gabe der jüdischen Lesewelt zu spenden. Stanislau, im Juli 1901. ־ Hermann Kaltau. Da» Bürgerliche Gesetzbuch mit gemeinverstäncl• liehen Erläuterungen von dein Danziger Landgerichtsdirector Heinrich Rosenthal (Verlag von Gustav Röthe in Graudenz) liegt — zwei .Lahre nach dem Erscheinen der ersten Aufläge — bereits in fünfter erheblich vermehrter Auf- Lage (31.—40. Tausend) vor. Dieser ungewöhnliche buchhändlerische Erfolg ist wohl der beste Beweis der praktischen Brauchbarkeit des Buches, das auch durch seinen, im Vergleich zu anderen kommentirten Ansgaben, ausserordentlich massigen Preis (in Leinwand mit Goldtitel 5 Mk.) in Wahrheit eine volksthümliche Ausgabe des Gesetzbuches ist. Viele juristische Fachzeitschriften und fast alle angesehetien Organe der Tagespresse Deutschlands sprechen sich in anerkennendster Weise über das Werk aus. Die ״Frankfurter Zeitung" z. B. schliesst eine eingehende Besprechung mit den Worten: ״Soweit die Popularisirung des Bürgerlichen Gesetzbuches erreichbar, dürfte sie durch diese Arbeit erreicht sein." Aelinlich lauten die anderen Beurtheilungen, in denen auch die vortreffliche Ausstattung des Buches in Druck und Papier hervorgehoben wird. Die neue Auflage enthält insbesondere eine Neubearbeitung des Hypothekenrechts mit- * zahlreichen Beispielen und Formularen, um auf diese Weise den Inhalt dieses besonders schwierigen Gesetzps-Abschnitts, der als das Recht des Grundkredit-Verkehrs für weite Volkskreise von hesonders grosser praktischer Bedeutung ist, anschaulich zu machen. Es wäre zu wünschen, dass der Herr Verfasser — ein ehemaliger Glaubensgenosse — in der demnächstigen Auflage auch den Abschnitt über Testamente mit einigen Beispielen und Formularen versehe. Hierdurch würde das Werk noch mehr an Popularität gewinnen._ r. Litterarischer Anzeiger. Billig zu verkaufenI MaohQnrim (Festgebete der Israeliten) v.m ■VlaUlloUl 1111 J)r- M. Sachs. — 9 Theile in 5 Banden. 1868. — Gebunden nur 6 Mark. ,, dieselben Sechste Auilage, (wie neu) in 6 Blinden, geh. 6 Mark. ״ dieselben für lioscli haselmna und Jom kippur, in 2 Bünden (wie neu) 8 Mark. Näheres durch die Red. d. Bl. in Magdeburg (Bliieherstr. 3). Inhalt der No. 8. Wissenschaftliche Aufsätze: Zur Mystik in der talmudischen Litteratu r. Vou I)r. B. Seligkowitz Coethen. — Aus Hieronymus' t'ommentar zu Jona. (Schluss.) Von Dr. M. Rahincr. — Geber ״Schabb, hngudol“. Von Rabbiner Dr. Goldfabn. — Zur Erklärung zweier Talmud-Stellen. Von Dr. Immanuel Deutsch. — Z. Frankel« Geburtstag. Von Dr. M. Kahmer, Nachtrag zur Kedactionsbemerkung S. 63 von Dr. lt, Litteraturberlcht. Recensiouen: Kippncr's Predigten, Betruchtungeu und uusgow'iihltc Gebete etc. von Rabbiner Dr. B. Jacob. — Steinschneiders, Der Aberglaube. Von Hermann Kahu:1. — Das Bürgerliche Gesetzbuch vou Lundgerichtsruth Heinrieh Roseuthal,_ Verantwortlicher Hcductenr: Rabbiner Dr. M. liahnier, Magdeburg. Druck von Leistner & Drewfs, Magdeburg.