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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 8. (1901) · p. Seite 61

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 8. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 61 (sequence 5)
Language
German
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61 clamoris mei audisti vocem meam. Er scheint nicht gemerkt zu haben, dass die LXX für סופתי gelesen haben ו^תי^, wodurch aber das darauffolgende 'קול überflüssig erscheint. Die LXX haben in diesem Verse noch 2 Abweichungen vom massoretischen Text, die von Hieronymus unbeachtet blieben; sie lasen בצרה (Iv ü-M’j/ec) und fügten hinter 'TT noch 71אל hinzu, wie zum Schluss von V. 7. Auch in V. 5 haben sie איך (ipa) statt אך gelesen. Tlieodotion hat ebenfalls nach dieser Leseart übersetzt, er fasste es auch als Fragepartikel 71w{. Hieronymus scheint es hier weniger um die Verschiedenheit der Lesarten zu thun zu sein, als darum, dass der Prophet nicht als Zweifler hingestellt werde, non ex ambigentis incerto, sed ex fiducia comprobantis; darum hat er übersetzt: verumtamen rursum videbo templum sanctum tuum. Er folgt darin — diesmal ohne ihn zu nennen — dem Symmachus, der (nach der Hexapla) übersetzt: ״lawi; raiXiv rajo;ß>i1J)(1> rcpo; vaöv aytov aoa Im folgenden Verse (6) übersetzt Hieronymus ״ סוף חבוש לראשיpeiagus operuit caput meurn“, er nahm ים סוף סוף (wie Deut. 1.1). auch das Targum übersetzt hier ימא ד0וף und ebenso Aquila ipuO׳p4 (sc. fl'oeXaaaa das rothe Meer). Der Midrasch (Pirke d'R. Elieser a. a. 0.) fasst! es ebenfalls in diesem Sinne: הראהו שבילי ים סיף שני סוף חבוש לראשי. Symmachus hat allgemein aTC£pavTG;. und dem entspricht das pelagus des Hieronymus. — Die LXX, welche es mit io־/dxry übersetzen, haben offenbar סוף gelesen und verbinden das Wort mit dem vorstehenden Satze, während sie die nachfolgenden Worte zum nächsten Verse ziehen, was aber keinen erträglichen Sinn giebt. 9. Cap. 111. v. 4. מהלך יום אחד וכ״ אי־בעים יום. Während Hieronymus ganz richtig übersetzt: Etcoepit Jonas introire in civitatem itinere diei unius. et clamavit et dixit: Adlme quadraginta dies et Ninive subverteretur — erklärt er im Connnentar in echt hagadischer Weise. Jona habe, gleichsam um seine renmüthige (Besinnung durcli eine That zu bekunden, den göttliche)) Befehl mit solcher Eilfertigkeit ausgeführt, dass er die grosse, drei Tagereisen erfordernde Stadt, an einem Tage durchreiste: ..at ille praecepit et superioris naufragii memor. viam tri um dieruni unius diei festinatione complevit. Hieronymus ist sich aber dessen bewusst, dass dies nicht der ,.ei)1 fache“ Sinn des Satzes sei: qui ita simpliciter intelligunt. quod in tertia tantum parte urbis praedicaverit et ad reliquos confestim praedicationis seruio pervenerit. In den jüdischen Quellen ist — unseres Wissens — diese hagadische Deutung nicht erhalten; wir erfahren sie nur durch Hieronymus. Betreffs der ארבעים יום findet sich hier in der Septuaginta-Uebersetzung ein alter Fehler, auf den schon Hieronymus aufmerksam macht. Sie übersetzen nämlich: ״'Et׳. Tpet; %epa1. als stünde שלשת ימים TO, wogegen Hieronymus ganz energisch seine Stimme erhebt: Trinius uuinerus, qui ponitur a LXX, non convenit poenitentiae, et satis miror, cur ita translatum sit, cum in Hebraeo nec litterarnm. nec syliabarum, nec accentuum. nec verbis sit ulla cominunitas. Tres enim dicitur salos (שלש) et quadraginta arbaim (ארבעים)■ Zweifellos ist dieser alte Abschreibefehler durch das kurz vorher stehende שלשת ימים entstanden. Merkwürdiger Weise findet sich der umgekehrte Fehler im Midrasch (Jalk. z. St.); da heisst es: (והיה קולו (של יונה נשמע מהלך ארבעים יום, es muss da offenbar heissen מהלד שלשת ימים. Was Hieronymus mit den Worten ״non convenit poenitentiae“ meint, erklärt er später selbst: Porro quadragenarius numerus convenit peccatoribus. et jejunio et orationi et sacco et lacrymis et perseverantiae deprecandi. Er führt zum Beweise Mose’s und Elia’s (Reg. I, 19,8) 40tägiges Fasten an. Im Midrasch (cfr. Jalk. z. St.) heisst es: 'רנחם ה' וב ארבעים יום האריך אפו נגד ארבעים יום ששלח ליונה לנינוה. 10. Cap. III. V. 8. האדם והבהמה. Hieronymus meint, dass הבהמה nicht wörtlich zu nehmen, sondern eine Be- Zeichnung für die vernunftlosen Menschen sei: Quod et rationabiles, et irrationabiles, et prudentesae simplices agant peonitentiam juxta illud quod et alibi dicitur: Homines et jumenta salvabis domine. —Auch zu den Schlussworten des 4. Oapitels יבהמה רבה fügt er erklärend hinzu: ״Et jumenta multa". Multus est enim in Ninive numerus jumentorum et irrationabilium hominum, qui comparantur jumentis insipientibus et assimilantur eis. Man vergleiche hierzu Ps. 49, 13 u. 21. Diese Deutung ist im Midrasch nicht selten. 11. Ibid. V. 10 ״ .את מעשיהםEt vidit Deus opera eorum — von verba audivit, quae solebat Israel saepe promittere: omnia quaecunque dixerit Dominus faciemus — sed opera conspexit, quia mavult poenitentiam peccatoris quam mortem, libenter mutavit sententiam, quia vidit opera commutata. Dass bei der wahren Busse nicht die Worte der Reue, sondern die zuin Bessern veränderten Thaten das wesentlichste Moment bilden, wird iu den jüdischen Quellen des Oettern betont. (Cfr. Rosch haschana 21 שינוי מעשה unter Hinweis auf obige Stelle in Jona; auch Tract. Taanith 15 אלא תשובה ומעשים טובים וג׳ שלא נאמר באנשי נינוה וירא אלד את שקם ואת תעניתם אלא וירא האלהי׳ את מעשיהם כי שבו וב,. 12. Cap. IV, 1. Hieronymus lässt den missvergnügten Propheten klagen: ״Ego solus electus smn de fanto numero prophetarum, qui per alioruin salutem ruinam meo populo nunciarem." Non igitur contristatur. ut quidam putant, quod gentium multitudo salvetur. sed quod pereat Israel. (Vergl. hierzu das oben zu C. 1.2 sub No. 2 Gesagte). 13. IV. (!. P^'p• Ueber die Angriffe, die Hieronymus wegen seiner von der LXX abweichenden Uebersetzung »lieses Wortes erfahren*), haben wir bereits im ersten Theile unserer Arbeit ״Die hebr. Traditionen in Genisin״ p. 73 berichtet. Hieronymus uiotivirt seine Ueber- *) ln 11er afrikanischen Stadt Ora Tripolifs kam es deshalb in der Kirche z.11 einem Skandal )׳ej׳en den Hisehof, der das Wort nach Hieronvmns übersetzte. AnKiistinns musste den Streit schlichten.

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