Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 7. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492408-5990879-5999240--2934-5369600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
53 wacht weiss und daran glaubt, dass er dem Arme göttlicher Gerechtigkeit sich nicht entziehen könne. Er sagt sich nach der Bibel: ״Selbst im Grabe stehe ich vor Gott; auch die Nacht ist bei ihm nicht dunkel“! Durch solchen Glauben und solche Religiosität ist er gerettet, — und nur so wird er gerettet! Aus Hieronymus’ Commentar zu Jona. Von I)r. M. Ruh nier. 1. Cap. 1, v. 1. יונה בן אמתי. Nachdem Hieronymus im Prooemium den Namen und die Schicksale des Pliropheten allegorisch gedeutet (Jona columba spiritus sanctus; sein dreitägiger Aufenthalt im Fischleib und die Errettung aus demselben ״praefigurat Domini resurrectionem“). sucht er im Folgenden die Geschiehtlichkeit Jona s ans biblischen Stellen und jüdischen Traditionen nachzuweisen. Er weist zunächst auf die Stelle II. Könige 14,25 hin, wonach Jona, der Sohn Amitai’s, aus der im Gebiete Sebulun gelegenen Stadt Gath-Cheplier unter Jerobeam [I. (830— 7(59) als treuer Diener Gottes gewirkt habe. Hieran knüpft er eine hebräische Tradition, welche Jona identisch mit dem von Elijah ins Leben zurückgerufenen Sohn der Wittwe zu Sarepta sein lässt. Seine Worte lauten: Tradunt autem fiebraei, hunc esse filium viduae Sareptenae, quem Helias propheta mortuum suscitavit. — Diese Tradition hat sich im Talmud und in den Midraschim er• halten; cfr. Jeruscli. Succa (ed. Krotoschin p. 55). auch Gen.rab. c.98 zu Gen. 49,13. Die Beweisführung R. Levi’s daselbst, dass Jona b. Amitai vom Stamme Ascher gewesen und das Citat aus I. Könige 17,9 קום רך צרפתה hat zur Voraussetzung, dass die Wittwe zu Sarepta die Mutter des Propheten war; aus R. Jochanans Worten (das.) *)אמו מאשר ואביו מוסלוץ geht dies ganz klar hervor. In den Pirke d' R. Elieser c. 33 zu Anfang heisst es ausdrücklich von dieser Wittwe .אמו של יונה היתה ף* Während die jüdischen Quellen für die Abstammung des Propheten keinen andern Beweis als den geographischen haben, ist uns durch Hieronymus ein sehr schöner, offenbar hagadischer Beweis durch die Deutung des Namen des Propheten erhalten. Er führt nämlich die obige hebräische Tradition noch weiter aus mit den Worten: ,,matre postea dicente ad eum (seil. Eliam): Nunc coguovi quia vir Dei •) Weil Gntli-Chefer in Sebulun, und Sarepta im Gebiete Aschers lag. (Cfr. Gen. ralika 1. c.) **) lm Jalk. II. No. 660 werden ebenfalls die verschiedenen Ansichten nach den genannten Quellen gebracht; interessant ist hierbei, wie die Stelle, aus den l’irke d’ K. Elieser mit den Worten צרפית אלמנה היה p אמתי p תני ד אליעזר יונה eingefügt wird, als ob's die Ansicht des Tana R. Elieser (b. Hyrkanos) wiire, während in den l’.d'R.E. ausdrücklich R.Sehimeon als Autor der seihen angeführt wird, wie es auch Jalk. II. No. 209 richtig heisst. Ebenso bat der Jalk. II. No. 223 s. f. die Tradition, dass der l’ropbctenjünger, den Elisa zu Jehu nach liamoth gileud gesandt (II. Kim. 9,1), Jona gewesen sei ושלח את יונה בן אמתי ומשח את יהוא ברמות גלעד, aus Neder Olam c. 18 geschöpft. es tu, et verbum Dei in ore tno est veritas, et ob hanc causam etiam ipsum puerum sic vocatum. Amati enim in nostra lingua veritatem sonat, et eo quod verum Helias locutus est, ille qui suscitatus est, filius esse dicitur veritatis“. Weil die Mutter nach der Wiederbelebung ihres Sohnes zum Propheten Elia die Worte gesagt hatte (I. Kön. 17,25): כי ,TOT .T לתה איש אלהים אתה ודבר ה׳ בפיר אמת, darum habe sie den Wiederbelebten ״ בן אמתיSohn der Wahrheit“ d. h. dessen, der das wahre Wort Gottes im Munde führte“. Es ist auffallend, dass diese so echt im Geiste des Midrasch gegebene Namensdeutung, die Hieronymus von seinem jüdischen Lehrer gehört, in den jüdischen Quellen sich unseres Wissens nicht erhalten hat. Der vielbelesene Don Isac Abarbanel, der sich sonst in seinem Commentar keine der liagadischen Erklärungen entgehen lässt — er stellt sämmtliche oben angeführte z. St. (Jona 1,1) zusammen — hat für בן אמתי nicht die durch Hieronymus uns erhaltene jüdisch-traditionelle,*) sondern die ganz allgemein geiiaitene Erklärung: p ומפני שנתאמתו דבריו לב! נקי־א אמתי. Hiernach müsste doch jeder Prophet so heissen, und gerade auf Jona, dessen Strafandrohung über Ninive sich ja nicht bewahrheitet hat. passt diese Bezeichnung am allerwenigsten. o. I, 2■ הום לד אל נינוה♦ Hieronymus giebt als Grund dieser Sendung des Propheten Folgendes an: ״In condemnationem Israelis Jonas ad gentes inittitur; quod Ninive agente poenitentiam, illi in mulitia perseverent“ 1 — Israels Schuld und Verdammungswürdigkeit sollte dadurch noch erhöht werden, dass gezeigt würde, selbst das heidnische Ninive habe Busse gethan und sei dadurch gerettet worden; Israel aber verharre hartnäckig in seiner Bosheit. In jüdischen Quellen (Mechilta 1. Absclin., Jalk. zu Jona 1, Synliedrin jerusch, c. XI, H 7) wird gerade dieses ethische Moment als Beweggrund zur Flucht des Propheten angegeben; er wollte nicht zur Vermehrung der Schuld und der daraus folgenden Bestrafung Israels durch seine Strufankiingung über die Niniviten beitragen, denn er wusste, dass letztere, um das Unheil vou sich abzuwenden, sofort zuin Heilmittel der Reue und Busse greifen würden. .שהגוים קרובי חשובה הם(** שלא לחייב את ישראל Durch Hieronymus’ Erklärung findet diese Stelle, d. 11. die logische Folgerung der zweiten Begründung שיא יחייב aus der ersten 'שהנוים וב erst ihr rechtes Verständniss: durch die leicht angeregte Bussfertigkeit der Niniviten wird ein Stein mehr auf das hartnäckige Israel geworfen. Das wollte der Prophet nicht und floh lieber. Man vergl. Raschi z. St. (Jona 1.3): ימה ראה יונה שלא רצה לילך אל נינוה,־׳ אדר הגיים קר־ובי תשיבה הם. אם אומר *) Es ixt dies um so auffallender, als Abarbanel den Coiiunentar den Hieronymus keuut und zuweilen eitirt. Faxt will ex unx bedünkeu, dax» er die betr, Stelle in Hieronymus wohl eilige sehen, aber nur flüchtig gelesen, und du« ״ml eum“ nicht auf den Propheten Elias, sondern auf Jona bezogen bube. **) Meeh. u.». o.קרובים לתשובה הן, Mau vtTtfl. daselbst auch den Ausspruch: יזנה תבע כבור הבן ,Der Prophet trat für die Ehre Israels ein“.