Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 5. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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38 der vom Hohenpriester Chilldja zu Aufsehern über die unter Josija’s Regierung vorgenommene Tempelrestaurirung eingesetzten und als treu und gewissenhaft bezeichneten Leviten (Chron. II. 34,12). Auch nach dem Exile werden unter Esra (8,9) und Nehemia (10,6) zwei Obadjah’s in hervorragender Stellung genannt. Alle talmudisch-haggadischen Quellen stimmen darin überein, dass der Prophet Obadjah mit dem Erstgenannten identisch sei. Man vergleiche Synhedrin 39b: א״ר יצחק מפני מה וכה עובדיה לנביאות מפני שהחביא מאה נביאים במערה שנ׳ וכר ״Durch welches Verdienst gelangte Obadjah zur Prophetie? Als Lohn dafür, dass er 100 Propheten verbarg und vom Untergang errettete u. 8. w.“ Fast mit denselben Worten drückt es Hieronymus aus: Hic (sc. Abdias) igitur, quia centum prophetas aluerat, accepit gratiam prophetalem. Damit erledigt sich auch das Bedenken des Ibn Esra (in seinem Commentar zu Obadjah 1. 1), warum Obadjah nicht (Reg.l.c.) ,.Prophet“ genannt wird; weil er die prophetische Begabung erst 8 p ä t e r als Lohn für seine rettend eThat erhielt. Ferner wird daselbst (Synli.l. c.) die Frage aufgeworfen: מ׳ש עובדיה ״ לאדוםWarum ward Obadjah gerade berufen, über Edom die Strafrede zu halten?“ und die Antwort ertheiit: אמר הקב״ה יבוא עובדיה הדר בין שני רשעים ולא לימד ממעשיהם וינבא על עשו הרשע שיר בין שני צדיקים ולא לימד ממעשיהם ״Gerade Obadjah, der bei dem Frevlerpaare (Aliab und Isebel) geweilt und von ihren Untliaten nichts lernte, war von Gott bestimmt, über den Frevler Esau (- Edom), der bei dem tugendhaften Ehepaare (Isaak und Rebecka) geweilt und von dessen Tugenden nichts ablernte, das Strafgericht zu halten.“ In Anknüpfung hieran wird hierauf im Namen R. Meir's (ebendaselbst) berichtet: עובדיה גר אדומי היה ותינו דאמרי ״obadjah אינשי מיניה וביה אבא ניזיל ביה נרגא selbst war ein Idumäer, der zum Judenthum übertrat — und so bewährt sich das Sprüchwort: Die Bäume des Waldes selbst liefern den Stiel der Axt, womit sie umgehauen werden.“ (Anwendung: Aus Edom selbst stammte der Prophet, der das Strafgericht über Edom verkündete.) Dieser alten hebräischeu Tradition giebt auch Hieronymus Ausdruck mit den Worten: ״Hunc ajunt Hebraei, qui sub rege Samariae Achab et impiissima Izabel pavit centum prophetas in specubus“ — er fügt aber noch hinzu: ״qui non curvaveruut genu Baal et de septem millibus erant, quos Elias arguitur ignorasse“. Woher hat H. diesen Zusatz, dass die 100 Propheten zu denen gehörten, welche ihre Knie nicht vor dem Baal gebeugt und von den 7000 waren, die Elia ignorirt zu haben beschuldigt wird? Das hat ihm jedenfalls sein jüdischer Lehrer mündlich mitgetheilt. Eine Spur hiervon hat sich im Midrasch Tanchuma*) erhalten. Daselbst heisst es (Abschnitt Toledot S. 138 ed. Buber): והיה שארית יעקב, אלו ׳שארית שא״ל הקב״ה לאליה והשארתי בישראל שבעת אלפים *) Aus diesem mit wenigen Aendernngen wiedergegeben im Julkut II No. 62 und Nu. 653 ואלו הן אותן שנתפרשו (Reg 1, 19,18) זנו׳ בימי גדעון ובו' אותם שכרעו (Jaik.;(שהופרשו על ברכיהם לשתות וט׳ היו משתחוים לעץ, א״ל הקב״ה בשלוש מאות איש המלקקים אושיע דמאותן שלא השתחוו עמדו אלוף (Jud.7.7) -־אתכם עליהם הוא אומר והשארתי בישראל שבעת ״Der אלפים כל הברכים אשר לא כרעו לבעל Rest Jacobs, von dem Micha (5,6) spricht, das sind die 7000, die zu Elia’s Zeit ihre Knie vor Baal nicht gebeugt, und das sind diejenigen, die in den Tagen Gideons nicht niederknieten, um (aus dem Bach) zu trinken, denn die Andern, die niederknieten, bewiesen dadurch, dass sie auch vor Götzen zu knien gewöhnt waren; von jenen 300 Nichtniederknieenden stammten die 7000, von denen es heisst, dass sie ihre Knie vor Baal nicht gebeugt“. Bei Hieronymus fehlt das Mittelglied, der Hinweis auf die 300 unter Gideon; seine Bemerkung, dass Elia beschuldigt wird, die 7G00Nichtgötzendiene11den (oder richtiger: die 100 Propheten in den Höhlen) unbeachtet gelassen haben, bezieht sich wohl auf die missmuthige Aeusserung des Elias am Horeb (Reg. 1. 19,10): ״Die Kinder Israel (d.h. alle, wo blieben die 7000 Getreuen?) haben Deinen Bund verlassen, Deine Propheten haben sie getötet, ich allein blieb übrig“.—Waren die 100 in den Höhlen nicht auch übrig geblieben? — Hieronymus berichtet auch, dass noch zu seiner Zeit das Grab des Propheten Obadjah zu Sebaste (späterer Name von Samaria) Gegenstand der Verehrung gewesen sei, ״sepulcrumque ejus usque hodiecum mausoleo Elisaei prophetae et Baptistae Johannis in Sebaste veneratione habetur“. 2. Ibid. חזון Dass hier nicht wie zu Anfang Nahum und sonst oft (Je8 c. 13. 15. 17. 19. 21. 22. 23.) משא steht, veranlasst Hieronymus zu einer feinen Unter- Scheidung, die wir bei den jüdischen Commentatoren nirgends gefunden haben: י ימשא,onus oder pondus,“ werde nur bei fremden Nationen gebraucht, wie in Nahum: משא 2ינוה (und in Jesajas 13,1, bei Babel, 15,1. Moab, 17,1. Damaskus, 19,1. Mizraim, 21,1. 11. 13, 22,1. 23.1.); Edom (d.i. Esau) wäre aber stammverwandt, filius Isaac et frater Jacob, unde et terra illius non datur in possessionem Israel, nec dimittitur bellare contra eam, et adversus fratrem armari prohibetur. Er kommt im Prooemium zu Nahum nochmals darauf zurück, worauf er auch hier mit den Worten: ״secundum regulam et distinctionem, quam in Nahum scripsimus“ verweist. Doch, wie gesagt, diese regula und distinctio finden wir in den jüdischen Quellen nicht, vielmehr im Midrasch (Beresch. rabba c. 44 und zum H. L. 3,3) die Bemerkung:,עשרה לשונות נקראת נבואה: חןוץ *) Der jedenfalls spätere, erklärende Zusatz 'דמאותן 1כ ענודו אלן fehlt an beiden Julkntetellen; er will die Härte, die in den frühren Worten איתי שנתפרשו liegt, abschwächen: das והן אות) sei nicht wörtlich zu nehmen, als ob cs wirklich dieselben gewesen, die zu Gideons Zeit nicht niederknieten und abgesondert von den Andern aufgestellt wurden, sondern deren Abkömmlinge. (Vgl. auch den Commentator des Julkut, ותיק JV1 z• St.)