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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 4. (1901) · p. Seite 28

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 4. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 liest בבר, wie «andere Kritiker vor ihm. Die Schwierigkeit liegt darin, dass בר als Bezeichnung für einen Läuterungsort oder für ein Läuterungsmittel bei Erzen nicht gebräuchlich ist-, während בור es wohl ist, dass also die läuternde That Gottes kein rechtes Vergleichsnioment in בר findet. Die Septuaginta übersetzt et; xafrapov. darum folgt ihr auch Grätz und einendirt לבר. Nun kommt aber eine Psalmenstelle Ps. 12.7 בסף צרוף בעליל לארץ ZU Hülfe, weil sie die Vorstellung, dass der Raum, in dem geschmolzen wird, eine Vertiefung, eine Grube ist, unterstützt, so dass בבר ..wie die Schmelzgrube״ wo verstanden werden könnte. Ebeuso könnte בבר ein Nonien vom Stamme בבר sein, der ״viel sein“, ״gross sein" bedeutet und wäre בבר פיניך parallel zu בל בדיליך, so dass es mit ״den Haufen deiner Schlacken״ zu übersetzen wäre. Fasst man diese Müglichkeiten zusammen, so beweisen sie zwar die Unsicherheit in der richtigen Deutung des Wortes, aber ebenso auch die Möglichkeit, von einer Einendutiou absehen zu können. Randbemerkungen zu einzelnen Stellen der Pentateuch-Paraphrase des Onkelos. 1) V. B. M. c. XXXIf. (i. Die Worte der Schrift עם גבל ולא הכם paraphrasirt Onkelos sonderbarer Weise mit: ״ .עמא דקבילו אוריתא ולא הביסוDas Volk, welches die Lehre empfangen hatte und doch nicht weise geworden.״ Dem hebräischen Worte 4גבי scheinen die aramäischenWorte דקבילו אוריתא zu ent sprechen. Rabbiner Nathan Adler aus London geht in seinem Commentar auf diese Schwierigkeit׳ ein. Er beruft sieh auf den Gaon R. Elia Wilna, welcher auf den Midrasch hin weist: ג׳ נובלות הן• Danach wäre נבל analog wie נבול תבול aufzufassen, עם נבל würde demgemäss heissen: ״ein Volk, welches dessen milde und überdrüssig ist׳, die Thora zu erlernen um ihre Bestimmungen auszuführen״. Adler polemisirt gegen jene ultra-radicalen Kritiker, welche conjecturiren, Onkelos habe nicht in seinem Texte עם נבל gelesen, sondern עם קבל (seil. תורה.) Diese Conjectnr lässt sich nicht aufrecht erhalten. Das Etymon ״ קבלempfangen‘־ findet sich weder in den Propheten noch gar im Pentateuch. II. B. M. c. XXVI, 5 und c. XXXVI, 12 findet sich das Wort מקבילות in der Bedeutung ״gegenüberstehend“, aber ״ קבלempfangen“ findet sich erst in den Hagiographeu, nie im Pentateuch. Indessen erscheint uns auch der Erklärungsversuch Adlers iin Namen des R. Elia Wilna etwas gewaltsam und gezwungen. נבל giebt Onkelos sonst durch טפשא wieder. In demselben Capitel übersetzt Onkelos ib. 21 die Worte ganz regelrecht mit בע0א טפשא Es lag für ihn kein Anlass vor, ib. 6 anders zu übersetzen. Wir vermutlien daher, dass das Wörtchen טפשא durch ein Versehen des Scribnlus im V. li ausgefallen ist. Bestärkt werden wir in dieser Vermuthung durch den bezeichnenden Umstand, dass die west-aramäischen Paraphrasen, (Targ. Jonathan und Jeruschalmi) wirklich übersetzen: עסא טפשא דקבילו אוריתא ולא הביסו. Bekanntlich ist die ost-aramäische Uebersetznng des Oneklos Grundschrift und Vorlage für die west-aramäische, die sogenannte jerusalemische Pentateuch Paraphrase, gewesen. 2) V. B. M. c. XXXVI, 12. Der letzte Vers de» Pentateuchs bringt die Worte ולכל המורא הגמל, Onkelos übersetzt sie ילכל חזינא ר3א. Das Wort מורא findet sich im V. B. M. noch an zwei Stellen, c. IV, 34 und c. XXVI. 8, an erster Stelle in der Mehrzahl, an zweiter in der Einzahl. Die Uebersetznng des Onkelos lautet an erster: ובחזונץ רברבין und an zweiter: ובחוינא רבא. Die Annahme liegt nahe. Onkelos habe an diesen drei Stellen die Lesart מראה vor sich gehabt. Adler weist in seinem Commentar נתעה לגר die Ansicht, dass Onkelos einen anderen Text der Schrift vor sich gehabt habe, natürlich ab. Er meint. Onkelos leite das Etymon מורא nicht von der Wurzel ירא ab, sondern von der Wurzel ראה, es sei nach Auffassung des Onkelos analog dem Paradigma mit Eliminirung des dritten Wurzelconsonanten gebildet und habe an diesen drei Stellen wirklich die Bedeutung von חזונא מראה Ob dieser Erklärungsversuch befriedigt und nicht vielmehr weit hergeholt ist•? Dagegen spricht schon die Thatsache, dass Onkelos an zwei anderen Stellen die Worte ganz sinngemäss wiedergiebt. 1. B. M c. IX,2 übersetzt Onkelos ומוראכם ganz unserer Erwartung gemäss mit ודהלתבון, und v. b. m. e. X1,2f> giebt er mit ואימחכון wieder. Warum ist׳ sich Onkelos an diesen zwei Stellen der richtigen Ableitung des Wortes bewusst im Gegensatze zu den drei andern oben eitirten? Darum meinen wir, Onkelos habe stets das Wort ganz richtig von der Wurzel ירא abgeleitet Es ist jedoch bekannt, dass Onkelos von der Wiedergabe des einfachen Wortes Abstand nimmt und zur Paraphrase schreitet, wo Anthropomorphismen und Anthropopathien in Frage kommen. Ein solcher Anlass schien ihm an den;1 von uns eitirten Stellen vorzuKegen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie die Allmacht und Allgüte Gottes hervorheben. Die Aussage ובמורא גדול von Gott schien ihm aber gegen diese Tendenz zu verstossen. In diesem Zusammenliange hatte es für Onkelos. welcher sich auf das Gefühl und die Anschauung des Volkes sehr wohl verstand, etwas Störendes, die ״Furchtbarkeit" Gottes prononcirt zu betonen. Der allmächtige Gott Israels sollte nicht als ein furchtbares und gefürchtetes Wesen gebrandmarkt. werden. Um dieser Anthropopathie zu begegnen. mochte Onkelos mit vollem Bewusstsein מורא hier nicht mit דחלהא oder א'0תא wiedergeben, sondern abweichend vom einfachen Sinne mit חזונא, Bestimmend mag bei dieser Paraphrasiruug der ähnliche Klang von מורא und מראה eingewirkt haben.*) l)r. Immanuel Deut sc 11. *' Onkelos folgend erklärt darum atieh der Verf. der l’essuehlliigudu: ובמוראים נתלים זו נלד •שכינה, (Ued.j Nachträge za meinem Artikel: Die Synagogen in der Talmudzeit*) Bemerkenswerth scheint mir noch, dass Kahbi Chauiiia, der Autor des Spruches Sabb. 11 Ha, Baba kama 32, auf den ich im ״Jüd. Litteraturblatt“ Jahrgang 22, 18H3 S. 122 hingewiesen, der Vater des R Chama b. Chanina ist, des Autors der Deutung zu 4. B. M. 24,5; bab. Beraohoth *) ln vor. Nr. wolle man berichtigen: Seite 22b, Zeile 23. v. ״. set/.e; (ColonI nach: ״Wasser“; Zeile 20 v. o. lies 80 statt 08; Z. 31 v. o.: 1101t st. halt; Z. 3 v. 11.: (2i) st. I. Die Edition Friedinann’s bat eine von den bisherigen Ausgaben des Seder Eliuliu abweichende Oapiteleintheilung, der die Zahlen der bisherigen Eintheilung in

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