Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 4. (1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 2( 5 setze und!liier ausserordentliche» Abgaben, zu gemessen haben mögen: als welches zu gleicher Zeit die Herausliebuug dieser Familie und ihrer Descendenz aus der subsidiarischen Verhaftung in politischer sowohl als in kirchlicher Rücksicht voraussetzt. Wir versprechen dagegen feierlich, in unserem und unserer Nachkommen Namen, alle Pflichten und Obliegenheiten eines getreuen Bürgers ohne Ausnahme und in gleichem Umfange wie christliche Bürger und Untertlmnen. getreulich zu erfüllen und die Wohlfahrt des Staates mit Gut und Blut zu allen Zeiten zu befördern. Wir erwarten mit Zutrauen und in tiefer Demuth die Erliörung unserer Bitte, da wir glauben durch unsere feierlich(* Erklärung allen nur erdenklichen Schwierigkeiten, die sich unserem Ansuchen und der Aufnahme unter die Zahl der Bürger in den Weg stellen könnten, weggeriiumt zu haben. Wir ersterben etc. Berlin den 20. Januar 1702. Die Kämmt liehen Üescendeuten des . . . Friedländer‘‘. (Dieses Gesuch ist einem Büchlein entnommen, welches im Jahre 1702 unter dem Titel ..Actenstücke, die Reform der jüdischen Kolonieen in den preussisehen Staaten betreffend•1 verfasst herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von David Friedländer erschienen ist. Man sieht, dass es in diesem Gesuche weit weniger um eine Reform der jüdischen Kolonien, als 11m eine directe Förderung der Familie Friedländer zu thun ist.) _ sdilnss Berichtigungen zur Biographie i. M. Wise’s. Von Proffssnr l)r. <*. in Cinnnnnti. SHiIuns. Märchenhaft klingt die Erzählung, dass Wise mehrere Wochen in Deutschland reiste, ehe er sich in Bremen einschiffte. Da er nach seinem eigenen Geständniss mit zwei Dollars in der Tasche in New- York landet(* und ein noch nicht ein Jahr altes Kind mitbrachte, wird er wohl kaum in der Lage gewesen sein, im Interesse seiner Biographie, Leipzig. Breslau Frankfurt. Magdeburg und Berlin zu besuchen. Noch weniger wahrscheinlich ist der Bericht (S. lf>). der uns Wise wie einen alten Freund in Leipzig mit Berthold Auerbach. Fürst und Delitzsch verkehren lässt. Es ist mir sogar zweifelhaft, ob Delitzsch, der 1K4•() nach Erlangen berufen wurde, damals noch in Leipzig lebte. Ganz unmöglich ist aber die Anekdote, dass Auerbach, von Fürst gef lagt■, welche Inschrift er auf Josef II. Monument, das damals errichtet wurde, setzen möchte, erwidert habe: ,,Josef erkannte seine Brüder, sie erkannten ihn aber nicht•־. Das Monument Kaiser Josef II. wurde 1K07 errichtet und dieser Aus- Spruch Auerbachs findet sieh in der Skizze ,.Josef und Benjamin'׳ In dem zweiten Theile, der die historisch hellere Wirksamkeit Wise’s in Cincinnati 18Ö4—1000 umfasst, finden sich ebenfalls arge Uebertreibungen. Die schlimmste ist der Ausspruch: ,,Wenn Amerika vom Antisemitismus verschont!)lieb, so ist das Isaak M. Wise zu verdanken". (S. 1)3.) Weder ist die Thatsache richtig, noch ihre Begriindung. Wir haben auch in Amerika Antisemitisums, wie neulich selbst Emil G. Hirsch zugiebt (Reform Advocate 1000, S. 320) und wenn wir hier keinen Ahlwardt. Schneider oder Guerin eine politische Rolle spielen sehen, so ist dies der grösseren, politischen Reife des amerikanischen Volkes und nicht einem einzelnen Menschen zu verdanken. Die ..Naturalisation־־ des Judenthums, welcher der Verfasser dieses Wunderwerk zuschreibt, hat. in Hamburg seit 1S17 und in Berlin seit 1H4Ö ihre Wirksamkeit ausgeübt, während Holland ganz und England so ziemlich davon unberührt geblichen sind. Doch hüben Holland und Fuglaiul weder einen Stöcker noch einen Murr erzeugt. Es wird ferner gesagt, dass die in Philadelphia IHüO abgehaltene Rabbinerkonferenz, weil von Wise's Gegnern beherrscht, keine bleibenden Folgen gehallt habe (S. 70). Allerdings haben schon im dritten Jahrhundert die Rabbinen einen Raben nicht für rein und eine Taube nicht für unrein zu erklären vermocht (Syn hedrin 00. b). Trotzdem hat die Konferenz von IHOO mit ihrem Beschlüsse, die gerichtliche Ehescheidung als genügend anzuerkennen und die Chaliza zu ignorieren. Erfolg gehabt, während Wise's damals zuerst eiiigebraehter und 1K02 durchgesetzter Vorschlag. Proselyten ohne Besehneidung aufzunelnnen. wohl viel böses Blut machte, aber ein Schlag in s Wasser war. Durch» ns apologetisch und un historisch ist die Benrtheilung von Wise's Stellung zur Konferenz in Cleveland, lHöö (S. 72). Diese Versammlung, welche als Vorbereitung zu einer Synode gedacht war. nahm unter Anderem den folgenden Beschluss an: ,,Die biblischen Gesetze müssen entsprechend den Erklärungen des Talmud ausgelegt und gehandhabt werden." Der Verfasser der Biographie macht dazu die Bemerkung: ..In dieser Behauptung steht nichts, was wir nicht heutzutage unterschreiben könnten.•• Es ist ganz uniiöthig, das Falsche dieser Anschauung zu beweisen. Es genüge darauf hinzuweisen, dass damals nicht nur der radikale, und vielleicht auch von persönlicher Animosität geleitete Einhorn, sondern selbst der gemässigte. persönlich ganz unbetheiligte Philippson dagegen protestierte (S. Sinai, Bd 1,1 ff Allg. Ztg. des Judt. lSno, f>22). dass man den Talmud als infallible Autorität hinstelle. Sehr apologetisch ist auch die Darstellung der letzten Phase von Wise’s theologischer Anschauung, welche so ziemlich mit der karaitischen sich deckt. Für ihn ist das Judent.hum die Thora und die Thora, die Zehngebote. Ich fasse ihn in dieser Richtung als einen Spätling der biuristischen Epoche auf, deren letzten Ausläufer, Herz Homberg, er. wie er mir mittheilte, noch persönlich gekannt hat. Rabbinismus ist Aberglaube, Fanatismus, geistige Beschränktheit; reiner Mosaisnms hingegen ist das absolute, ethisch und intellektuell unwandelbare Judenthum. Darum blieb Wise nicht nur der maimonidischen Anschauung getreu, dass Zauberei nicht als der Dienst einer widergöttlichen Macht, sondern blos als rnlehre verurtheilt werde; er legt die Worte Ex. 22.17 aus: Eine Zauberin sollst Du nicht unterstützen. Der Verfasser der Biographie tlieilt Wise's Anschauungen nicht, aber er fügt entschuldigend hinzu, Wise hätte seine Anschauungen der Konferenz nicht aufgedrängt (8. 77). Dies ist