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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1901-01-01 · No. 3. (1901) · p. Seite 23

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 3. (1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 die Deutung des R. Chama b. Chauina auf das Heiligthum in Jerusalem bezieht, das eigentliche Motiv der Deutung nicht mehr erkannt. — Auf die fragliche Stelle in der Mechiltha habe auch ich im Jahre 1884 in diesen Blättern, Jahrgang 13, Seite 83—84, hingewiesen, um zu demonstriren, ״dass die Synagogen in der Talmudzeit darum aut dem freien Felde sich befunden hatten: weil die Städte voll waren von Gö tzen- und Götter bildern. Nach dem da sCliristenthum einer und der Islam andrerseits die Götter aus den Städten vertrieben hatten, wurden die Synagogen innerhalb der Städte erbaut.“ Zu demselben Behufe zitirt auch Blau a. a. O. die Mechiltha, um in fast gleichlautenden Worten die Erbauung der Synagogen auf dem freien Felde ausserhalb der Städte zu inotiviren, ohne dass er auf meinen Artikel hinweist. Nachdem er auf solche Weise einen wesentliehen Punkt meiner Artikel sich zu eigen gemacht hatte, sagt er in einer Anmerkung, in der er von der Beziehung seines Artikels zu dem Köhler’sehen spricht: ״Das ״Jüdische Litteraturblatt“ Jahrgang 1884 bringt auch einen Artikel gegen die Ansicht Löw’s, auf den wir hier nicht reflektiren können.“ — Dass nicht nur in Babylonien sondern auch in Palästina die Synagogen der Götzen- und Götterbilder halber ausserhalb der Städte auf dem freien Felde sich befanden, zeigen die Palästinensischen Agadoth, auf welche ich sowohl in meinen zwei Artikeln im Jahre 1884 als auch in meiner Notiz im Jahrgang 1893 Seite 122 hinweise. Dazu kommt noch Pesikta d. R. Kahana ed. Buber Seite 158a, auf welche Stelle auch Dr. Im. Löw, der Herausgeber der ״gesammelten Schriften“ Löw’s B. 4 Seite 15 Anmerkung 2 hinweist. Beachtenswert!! ist auch, dass in der entschieden palästinensischen Parallele zur Tosephtha, Megilla IV 23 (ed. Zuckermandel S. 227) im Tanchuma zu III B. M. 26,3 ff. ed. Stettin §. 3 Seite 475; ed. Buber §. 4 Seite 110 und daraus im ״Midrasch Agada“ ed. Buber a. 1. Seite 66 es ausdrücklich heisst: בראשונה היו עושין בתי כנסיות בגבהה של עיר. Das heisst, in den vorhadriauischen Zeiten baute man die Synagogen in der Stadt; als aber in den nachhadrianisclien Zeiten die Heiden einen grossen Theil Palästinas in Besitz nahmen, — nach einer Ansicht im Jeruscbalmi, Demai folio 22c soll sogar der grösste Theil Palästina's im Besitze der Heiden gewesen sein, — baute man die Synagogen ausserhalb der Städte auf freiem Felde. Zu den zwölf Autoriten, welche, nach Löw, 1.1. IV, S. 16 im Mittelalter die Erinnerung an die ausserhalb der Städte erbauten Synagogen wach erhalteu, kommt noch eine dreizehnte, Rabbi Samuel ben Nissim Masnutli in seinem Commentar zu Hiob 18,4 ed. Buber Seite 57. Die Stelle im Commentare des R. Chananel, auf den Buber Note 10 verweist, kann ich nicht einsehen, da mir die Wilnaer Ausgabe des Talmuds mit den 100 Connnentaren, unter denen auch der des R. Ch. sich findet, mir nicht zu Gebote steht. Litteraturberichts. Recensionen. Bacher, Prof. Dr. W. Die Agada der palästinensischen Amoräer. III. Band. Die letzten Amoräer des heiligen Landes. Strassburg i. E. Trübner 1899. Gr. 8». XII u. 802 S. Kaum ein Jahrhundert lässt der gelehrte Verfasser vor unserem geistigen Auge Revue passiren und 802 »Seiten füllt, was Bacher uns über die letzten Amoräer des heiligen Landes zu sagen hat. Alle Achtung vor dem Umfange und dem Inhalte dieser hochbedeutsamen wissenschaftlichen Leistung, alle Achtung vor der Beharrlichkeit und Ausdauer, vor der Emsigkeit und dem Bienenfleisse, vor den Erfolgen und Ergebnissen dieser litterarischen Grossthat! Es gehört kein gewöhnlicher Muth und keine alltägliche Energie dazu, ein so gross und breit angelegtes Sammelwerk zu planen und auszuführen. Welche Riesensumme an Zeit und Mühe, an Last und Arbeit, an Unermüdlichkeit und Unerschrockenheit muss von einem einzelnen Manne aufgestapelt und anfgeschichtet werden, um diese Arbeit allein zu bewältigen! Uns liegt nur der dritte, das Werk über die Agada der palästinensischen Amoräer abschliessende Theil vor. In eingehendster Weise stellt der Verfasser das Leben, die Lehrthätigkeit, die religiöse, sittliche und socialethische Wirksamkeit von 20 im 4. Jahrhundert lebenden, hervorragenden, palästinensischen Amoräern (8. 1—514) dar. Etwas summarischer, aber immer noch überaus ausführlich und gründlich äussert er sich unter No. XXI und XXII über verschiedene Amoräer des dritten und vierten Jahrhunderts (S. 517—755) und aphoristisch u. fragmentarisch bringen unter No. XXIII (von S. 756—776) seine Ausführungen kurze Angaben über verschiedene Amoräer aus unbekannter Zeit. Auf S. 777—802 enthält Bachers Buch ausführliche Sach- und Namenregister. Leicht hat sich Bacher seine Aufgabe nicht gestellt und oberflächlich hat er sie nicht gelöst. Wie vielseitig und erschöpfend der Verfasser sich in seine schwierige Aufgabe vertieft hat, zeigt schon äusserlich die Anlage und Disposition seines Werkes. Wo es irgendwie angeht, lässt er sich bei seiner Darstellung von etwa folgenden Gesichtspunkten leiten. Er giebt möglichst orientirenden Aufschluss über die biographischen Daten des in Betracht kommenden Amoräers, jede Angabe in gewissenhaftester Weise quellenmässig belegend. Die Denk- und Lehrweise, die positiven Anschauungen und Lehrmeinungen des in Betracht kommenden palästinischen Amoräers werden sorgsam gesammelt, gesichtet und vorgeführt, regelmässig mit genauester Angäbe der Quellen, aus welchen der gelehrte Verfasser geschöpft. Zumeist verfolgt er den Helden seiner Darstellung auf seinem Lebensgange, macht uns mit seinen Lehrmeistern und seinen Zeitgenossen bekannt, widmet, je nach Bedürfnis8, eingehende Mittheilungen über des Amoräers Lehrsätze und Aussprüche auf dem Gebiete der Liturgik, der Exegese, der Homiletik, der Proömien, der Sentenzen, der Gnomen, der Wortdeutungen, sowohl der hebräischen wie der fremdsprachigen, z. B. der griechischen, der Gleichnisse, der charakteristischen Bemerkungen über Wesen und Charakter prägnanter biblischer Personen, der messianischen Anschauungen, der polemischen Bekämpfung und apologetischen Abwehr, so weit sie Grundanschauungen des Judenthums betreffen. Auch die psychologischen Momente, welche geeignete Streif- und Schlaglichter auf die [uns vorgeführten Persönlichkeiten werfen, werden in liebevoller Weise gewürdigt. Welchen Gelehrtenapparat der gelehrte Verfasser zur Eruirung seiner Wissenschaftliehen Ergebnisse in Bewegung gesetzt hat, lässt sich schon rein äusserlich an dem Verhältnisse zwischen dem

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