Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 12. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Neigungen, der psychischen und physischen Beschaffenheit, der geistigen Anlagen und Fälligkeiten des Schülers, hätten wir erwartet, in dieser Hinsicht das Judenthum init seiner Anerkennung der persönlichen Freiheit, da jeder Mensch in dem Ehenhilde Gottes geschaffen ist, dem Heidonthum mit seiner Verleugnung dieses Princips gegeniihergestellt zu sehen. In dem Abschnitt ״praktische Pädagogik“ giebt uns Verf. in leicht fasslicher und übersichtlicher Weise ein zusammenhängendes Bild von der häuslichen Erziehung und von der Erziehung in der Schule; das Kapitel über die Hochschulen gehört nach unserer Auffassung nicht zur praktischen Pädagogik. Mit einem kurzen Abriss aus derOeschiehte der geistigen Entwickelung der Lehranstalten, in welchem der Verf. zwar nichts Neues vorhringt, jedoch es verstanden hat, den Stoff geschickt zu gruppieren, schliesst die Arbeit. Die Schrift liest sich gut und die lebendige Darstellung eines schon an sich interessanten Stoffes wird nicht verleiden, dem Büchlein viele Freunde zu erwerben. Seligkowit/.-Cöthen. Popprtaucr. Dr.Moritz. Die jüdische Tradition I (וכמבוא התלייוי־ Hoilieufolgo der jüdischen Lehrer uud Weisen von Urbeginn der jüdischen Lehre bis 1(150 zusannnengestellt. Berlin 1900. M. Poppelauei•. Das hebräisch geschriebene Büchlein ist von Dr. S. Hemfeld als Jugendarbeit des sid. Verfassers zum vierzigjährigen Jubiläum der Verlagsbuchhandlung desselben herausgegeben und mit einer deutschen und hebräischen Einleitung versehen worden. Das Büchlein stellt sieh die doppelte Aufgabe: 1. die an das Wort der Weisen (Abotli 1,1.1 angekniipfte Kette der Traditionen und Traditionalisten die Geschichte des ■ludcnthumes bis zum Zeitalter des K'mo (Moses Jsserlesi, also bis zum vollständigen Ausbau der l’ehorlieferungs-Codices dSchulchan Arucli) durchziehen zu lassen, und 2. Lehrenden und Lernenden der religiösen Litteratnr des Judenthums einen Leitfaden zu bieten. Der erst,(• Tlieil der Schrift, umfassend die Richter, Propheten, die Männer der grossen Synagoge, die Lehrer der Mischnah (Tannaiten) und des Talmud (Ainoräer), die Saboräer, Geonim, ('ommeutatoren, Coditicatoren und Lcxicographen dient überwiegend dem traditionshistorischen Zwecke. Der zweite Tlieil der Schrift, umfassend die Tossaphoth iSupercommentaro׳ unter Anführung der Mitarbeite!• besonders unter den Geonim, die Exegeten, Kthiker, Grammatiker, Dichter religiöser Poesie (Pajtanim) und keligionsphilosophcn, Casuisten und Kabbalisten; sowie die neuzeitlichen Rabbiner, welche in talmudiscb-rabbinischer Casuislik, in der Responsen-Litteratur und Kabbala wirkten, dient vorzugsweise litterarhistorischeu und bibliographischen Zwecken. A11 Maimonides Einleitung zum Seder Sera'fm und Ahravanaels Kritik über diese Einleitung im Commentar Nachlath Almth zu den Sprüchen der Väter schliessen sich die Erörterungen des sei. Dr. M. Poppelauer an, der in diesem litterarischen Nachlasse bewiesen hatte, dass er in Theorie und Praxis ein gewiegter Kenner der jüdischen Bibliographie war. Sonst war der im Jahre 1880 Verstorbene schon durch seinen Kalender als Kenner und Anlüinger der Traditionen des Jndenthums bekannt, der mit hoher Bildung liebenswürdige Bescheidenheit, mit aufriclitiger Frömmigkeit Duldung und weise Mässigung verband. 111 seiner Buchhandlung verkehrten Theologen aller RiehtUllgou gern*). — Dr. S. Nascher. IM0! Bedeutung des מגן דוד Die neuerdings aufgotauohto Frage über die Beden * Dasselbe ist hei seinem Schwiegersohn, dem jetzigen Inhaber der Firma, der der l’uichhandlung mul dem Verlage eine grössere Ausdehnung gegeben, der!׳'all. Uedv tung des verschlungenen Doppeldreiecks in und auf Sj11־agogen, sowie auf manchen Tempel- und Thora-Ornamenten ist schon im IX. Jahrgänge des ״Jüd. Litteraturblatts“ (1880, No. 7, S. 28) gestellt, und in den darauf folgenden Nummern (ü, 10, 14, 15 und Jahrgang 1881, No. 2) verschiedentlich beantwortet worden. Da diese Jahrgänge vergriffen sind, kommen wir einem mehrfach ausgesprochenen Wunsch aus dem Leserkreise dieses Blattes nach und geben aus den betreffenden Antworten das Wesentliche hier wieder: Salomon X issen-Breslau meinte: den Magiern und Mystikern des Mittelalters diente das gleichseitige Dreieck in vierfach variirter Form (a. Spitze nach oben — b. Seite nach oben o. Spitze nach oben nebst Mittellinie — d. Seite nach oben und Mittellinie! zur Bezeichnung der vier Elemente: Feuer, Wasser, Luft uud Erde. Zwei in der Weise des ״Magen-David“ in einander geschobene gleichseitige Dreiecke enthalten die Zeichen sännntlieher 4 Elemente uud sind somit ein Sinnbild des Kosmos, des organisch in einander greifenden Weltganzen. Leopohl Löw in seinen ״Beiträgen zur jiid. Alterthumsi künde“. 1. Graphische Requisition S. 21 ii verweist mach Fürst; auf das Pentagramm und die betreffende Stelle in Göthe’s ״Faust“, woselbst Mephisto es als ״Drudenfuss“ bezeichnet. Vom Drudenfuss sagt Grimm 1 Wörterbuch II, 5415), dass es verschiedentlich an Geriithsehaften, Fussgetsell, Wiege, Schwelle etc. angeracht, auch bei der Thür als Schild aufgehängt wurde, um die Drude zu verscheuchen. Löw erinnert hierbei an die Sitte (od. l'nsitte), dass mau bei jiid. Wöchnerinnen in vielen Gegenden das ״Schild Davids“ an den Wänden des Wochenbettzimmers aufgezeiehnet findet!mit allerhand kabbalistischen Gottes- und Engelnamen). Jecheskel Levi-Bcuthen,!im Bikkoreth ha-Talmud) führt die Bedeutung des Sechsecks auf die Seehszahl bei den Pythagoräern zurück; bezüglich der Bezeichnung als Schild Davids meinte er, dass sie aus der Triangel-Form entstanden sei, denn je ein ד und 1 gehe ein Dreieck. Löwy-Gr.-Kanizsa bleibt beim jüdischen Ursprünge und erblickt in dem ursprünglichen Fünfeck die Form eines Schildes (in der oberen Spitze den Kopf, in den beiden Seitenstücken die Arme und in den unteren zwei Spitzen die beiden Schenkel). (Die dreieckige FormdesSchildes war bereits dem Midrasch bekannt), (('fr. Sehoehar tob ed. Buber zu Ps. 1,1 und Jalkut zu Ps. 84 s. f.). Am richtigsten scheint die von M. L. Kechcles-Krakau im Jahrgang 1881, :No. 2, S. 7) gegebene Erklärung, die an den bekannten Midrasch (Boreschith rabba c.;19) anknüpft, wonach die Denkmiinen, die König David geprägt hatte, auf der einen Seite einen Stab und eine Hirtentusche, und auf der andern einen Thurm hatte. Im Doppeldreieck findet man die im Midrasch angegebenen Insignien wieder: in den senkrechten Strichen der Mitte der Figur das Zeichen des Stabes, in dem nach Unten herabhängenden Dreieck die Form einer llirtentasche und in der nach aufwärts stehenden Spitze die Gestalt eines Thurines. Da die Messiasidee zur Zeit jenes Midrasch vorherrschend war, und mau jede Beziehung zum Hause David festzuhalten und cultuell zu verwertheil suchte — man denke au den schon in den Segenssprüchen zur Haftara verkommenden Schlusssatz ב״אי׳י‘ מק חד— so fand man in der Einführung des gleichnamigen Emblemen in den jüdischen Cultus das geeignetste Mittel, dem Königshause David ein ewiges Denkmal zu setzen. Inhalt! >ie Uegierungszeit der Königin Salome. (Forts.) — Kritik und Tradition. VIII. — Die Bedeutung des ״Magen David“. Litteraturbericht: Zur neuern rabliin. Litteratur. (Sebluss) — l'lein en t z, Josephus jiid. Altcrthiiiuer. — Lew i t, die Pädagogik I im jiid. Alterthumo. — Poppe I aner, di•‘ jüdische Tradition. Verantwortlicher Kcduetcur: liuhhinrr Dr. M. Ku 11 mer, Magdeburg. Druck von Leistncr & Drewfs, Magdeburg.