Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 12. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 er habe dahin zu wirken gewusst, dass jedes Synliedrialmitglied, welches sicli Illössen gab und seinen Standpunkt nicht aus der Schrift zu rechtfertigen vermochte, gehalten sein sollte, aus der Mitte des Synhedrions au8zuacheiden. Die allsgeschiedenen Sadducäer habe Simon stets durch neu hinzutretende Pharisäer ergänzt. Nach und nach sei es ihm geglückt, alle Sadduciier aus dem Synliedrion zu entfernen und a.111 2H. Tebeth habe das ursprünglich sadducäisehe Synliedrion sich aus lauter Pharisäern recrutirt. Jedenfalls ersieht man daraus, dass Alexander Ja 1111ai nicht zu allen Zeiten ein entschiedener Anhänger der Sadduciier war. Vielmehr scheint er in' den ersten Jahren seiner Regierung einen Ausgleich zwischen beiden Parteien angestrebt und sich deshalb zu mancherlei Uoncessionen an die Pharisäer verstanden zu haben. Freilich wurde er später ein abgesagter Feind der Pharisäer, welche er durch grausame und blutige Verfolgung grossentheils zur Flucht aus dem Reiche zwang. Namentlich scheint Alexandrien viele dieser Flüchtlinge aufgenommen zu haben. Josua ben Perachja und Juda ben Tabbai hielten sich jedenfalls damals in Alexandrien auf. Auch Simon ben Scbetacb darf in jenen Tagen nicht am Hofe Jannai s weilen. Den Zorn des leidenschaftlichen Königs fürchtend, sucht er sich einen heimlichen Versteck, lebt kümmerlich vom Ertrage seines lländewerks im Umgänge mit treu ergebenen Jüngern, welche aus Liebe und Begeisterung für das (iesetzesstudium selbst in die rauhe Wildniss und öde Einsamkeit ihrem Meister willig folgen. Bei dieser Gelegenheit berichtet unsere Quelle einen Vorfall aus dem Leben Simon ben Schetaehs. welcher das glänzendste Liebt auf die ethische Reinheit seines Charakters zu werfen wohl geeignet ist. Um sich den beschwerlichen Flachsliandel, von welchem Simon in jenen Tagen sieb kümmerlich nährte, zu erleichtern und so mehr Müsse für •las Studium des (Gesetzes zu gewinnen, schickte Simon ben Scbetacb (‘inst — so erzählt unsere Quelle*! seine Jünger mit dem Aufträge aus. ihm (‘inen Esel zu kaufen. Die Schüler erstanden (*inen solchen bei einem Araber. Als sie den Kauf abgeschlossen hatten, merkten sie zu ihrer Ueberraschung einen Edelstein am Halse dieses Esels. Ereudetrunlcen berichteten sie ihrem Lehrer den glücklichen Fund, welcher ihnen beim Ankäufe des Lastthieres in die Hände gefallen war. ..Hat der Araber vom Edelsteine am Halse seines Thiercs wohl Kenntniss gehabt?״ — unterbrach sie Simon. Da di(‘ Schüler diese Frage verneinen mussten, nothigte er sie. den Edelstein dem Verkäufer zurückzustcllcn und der Araber pries den Gott Simon ben Schetaeh s. - Ihm waren jedoch noch viele glückliche Tage zugedacht. Nach dem Tode Alexander Jannai s beginnt die Glanzepoche seiner Wirksamkeit. Von seiner pha risii erfreu nd liehen Schwester Salome Alexandra au den Hof gerufen, gelangt■ (!1־ wieder zu Macht und Ansehen. Seine einflussreiche Stellung wird vielleicht am Besten charakterisirt. wenn eine unserer Quellen bei der Schilderung jener Tage ganz ungescheut mit (!ן•׳! Worten beginnt.׳ ..In den Tagen Simon ben * .!rnisi'lailini llalia uezia II, •"> ן>. Sc. Scbetaeb’s und der Königin Salamzah"*), also Simon noch früher namhaft macht, als die Königin. Es ist dies zugleich ein deutliches Zeichen, dass seine Wirksamkeit als segensreiche selbst bei den späteren Generationell noch in lebendigem Andenken stand. Seine erste und angelegentlichste Sorge wird jetzt wohl die Reorganisation des Synhedrions ausgemacht haben. Das Synliedrion. wenn es überhaupt während der letzten Regierungsjahre Jannais bestand, kann damals nur aus Sadducäern sich zusammengesetzt haben. Simon wird daher zunächst seine Sorge darauf verwendet haben, ein nur aus tüchtigen Pharisäern bestehendes Synliedrion wieder hcrzustollen. Daher sehen wir ihn auch in diesen Tagen (*in schmeichelhaftes Schreiben an den wegen seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit hochberühmten, zur Zeit in Alexandrien weilenden Juda ben Tabbai richten, ein Schreiben, welches den dringenden Wunsch nussprieht. Juda an der Spitze der Synhedrialverwalt ung zu sehen. .,Von mir Jerusalem, der heiligen Stadt, au dich. Alexandria, die kleine — lautet wörtlich das uns noch erhaltene Schreiben**) — wie lauge noch soll mein Gemahl in deinen Mauern weilen, während ich verlassen hin?״ Juda ben Tabbai leistet der Aufforderung Folge und es beginnt nun unter der energievollen Leitung der beiden Synliedrialhiiupter Simon ben ,Scbetacb und Juda ben Tabbai eine Rcstuuratioiiscpoclic. in welcher weitgehende An- Ordnungen und bedeutungsvolle Bestimmungen Gesetzeskraft erreichen, so!lass man ohne Uebertreibung sagen kann, dass die weiter(* Entwicklung und Ausbildüng des Gesetzesstudiums im Geiste dieser Männer dem späteren Juden!Iiume seinen Bestand gesichert hat. Unsere Quellen lassen es zweifelhaft***), wer. von den beiden Synbedrialliäupterii die Stelle des Nasi!נשיא) und wer die an Rang etwas niedriger stellende Stelle des Ab-het-din (אב כית דין) eingenommen habe. Doch spricht Alles zu Gunsten der Annahme Frankels*t), Juda ben Tabbai sei in der ersten Zeit ihres gemeinscliaftliclien Zusammenwirkens Nasi gewesen. Das Sendschreiben, welches Simon ben Sehetacli an Juda richtete, deutet schon darauf bin. dass Juda, um als Nasi au die Spitze des Synhedrions zu treten, von Alexandrien nach Jerusalem gegangen sein werde. Der Talmud seihst־!׳! sieht sieh aus Anlass eines speeiellen Falles genöthigt. Juda ben Tabbai in den ersten Jahren seines Wirkens mit Simon ben Sehetacli Nasi sein zu lassen ..So wahr ich auf Erlösung helfe — lassen verschiedene unserer Quellen den Juda ben Tabhai ausrufen — ich liahe einen des falschen Zeugnisses überwiesenen Zeugen hinriehten lassen, um ein Exempel zu statuiren den Sadducäern gegenüber und sie anderen Sinnes werden zu lassen, da sie behaupten, dass mau die des falschen Zeugnisses überführten Zeugen nur dann hinrichten! dürfe, wenn die Strafe au dem unschuldig An- * Midrasch vajikra i'aldiali r. XXXV HDtt* p ^0' שמעול ושלמצה המלכה י*) .Icruschalmi Svidirdiia VI. i! |>. J:ic, jerusrli. (‘I1a>;ig:1l1 II, *2 j>. 7Td; v״l. (l;1<'<<'<n 1»:«Wli Solali 17, das dun Krief an .losua ben 1‘araeJija ^erlebte! *ein lasst, und Krankel l>nrkc ha-.Misehna!1.;M. *** Jeruselmlmi Chnt'ii'alt II, 2 p. 77d, baldi (‘lia^i^ali |1. I <'׳,<>. *r) Krankel, Harke ha Miselma p. 20. '!־ Kaltli p. 1«'» I».