Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 11. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 wohl aber die sonst im Heiligtlimu gebräuchliche Benedeiung, die Taan. 16b (vgl. auch Tos. ib. 1,11.12.13. Midr. V. z. St. 11,4 Ende) ausdrücklich besprochen wird, gesprochen habe כרוך הי׳ אלהי ישראל מן resp.בשכמלו העולם ועד העולם כרוך־ גואל ישראל, denn schon aus Beracl1.63a (M. ib.IX,5) geht hervor, dass die erste Benedeiung nur beim Schlüsse eines Segensspruches gesprochen wurde, d. h. wenn der ,,Yorbeter“ mit בלוד schloss. Aber auch בשכמלו ist m. E. nicht gesprochen worden, weil das Volk beim Priestersegen den Gottesnamen gar nicht hörte, wie oben mitgetheilt worden27). Zu einer nicht genau zu Hxirenden Zeit — nicht etwa, um das Volk vom Betrachten der Priester, während diese den Segen sprechen, abzulenken — ward es gebräuchlich, während die Priester die einzelnen Worte des Segens sprachen. Bibelverse zu citiren, die zu den betreffenden Segensworten äusserlieh und auch innerlieh in Beziehung standen. Anfangs jedoch wurde nur ein Vers bei jedem Segenstheile gesagt, und zwar geschah dies nach Rah Josef zwischen den einzelnen Theilen des Segens2*), nach Rab Schescheth beim Aussprechen des Gottesnamens (Sota 40a). Diesen Angaben entsprechend, ist auch die Frage strittig, ob cliese Verse nur im Tempel, wo das Tetragramm gesprochen und nicht gehört werden sollte, oder auch in den Provinzen (בגבולין) gesprochen werden sollte. R. Chi ja bar Abba bemerkt nämlich, wer diese Verse in den Provinzen recitire, verstehe den Grund ihrer Einführung nicht (.כל האופורן בגבולין אינו אלא טועה), worauf R. Chanina bar Papa sie auch vom Gebrauche im Tempel ausschliesst, weil die Aufmerksamkeit des Gesegneten voll und ganz auf die Segensworte gerichtet sein müsste. R. Acha bar Chanina, wohl des Letzteren Sohn, fixirt sie jedoch, wohl mit Rücksicht auf den bereits bestehenden Gebrauch, auch für die Provinzen mit der Begründung, dass sie eine Zustimmung und gewissennassen ein Dank des Gesegneten seien. Thatsächlich ist min, wie weiterhin durch Belege erhärtet wird, der Gebrauch, die Verse zu sagen von manchen Gelehrten nachträglich auf gegeben worden. Dass er erst in der talmudischen Zeit entstand, darf man wohl daraus schliessen, dass weder in der Mischna noch in der Toseplitha etwas von diesen Versen gesagt ist. — Es scheint nun, dass dieser Gebrauch sich ursprünglich auf einen angeblich gleichen im Tempel (d. h. Jerusalem) stützte, was daraus hervorgehen dürfte, dass der jerus. Talmud (Beracli. 1,1 p. 2c) bei Behandlung diesesThema’s bemerkt, die betreffenden Verse müssten beim Priestersegen gesprochen werden29). So hat auch ״) Kb sei hier übrigens avif die unermüdliche, für mnemotechnische Zwecke recht interessante Zahlenherechnung hingewiesen, von der auch im Muchs. Vitry an dieser Steile gebraucht wird, wo (S. 97 § 126) angegeben wird, dass der Zahlenwerth des Tetrugramms und des zur Aussprache heut gebrauchten אדני gleich dein von 91) אמן) ist. י“) Die Angabe, dass die betr. Verse zwischen den einzelnen Theilen des Segens gesprochen wurden, wehrt der Vermuthuug, als hätten schon damals die Priester, wie heute, das letzte Wort des betr. Theiles erst durch einen Gesang eingeleitet, während dessen die bez. Verse hatten recitirt werden sollen. די Die steile lautet: א״ר הונא זה שרואה את הכהנים בבית הכנסת בברכה ראשונה צריך לוםר♦ Auch das Machs. Vitry schliesst sich dem Wortlaute des Jerusch, an, wie man sofort ersehen kann, llurwilz hat zwar in seiner Ausgabe des M. V. der gen. Talmud die älteste Form dieser Verszusammen- Stellung bewahrt. A. a. 0. heisst es, dass man (beim Morgengebete) beim ersten Theile des Priestersegens Ps. 103,20, beim zweiten ib. 21 und beim dritten ib. 22 sagte; im Mussapligebete 1) Ps. 134,1, 2) ib. 2 und 3) ib. V. 3. Gab es vier (Gebete, vgl. M. Taanith IV,1) — d. i Morgen-, Mussaph-, Minchah- und Neilahgebet — so wiederholte man beim dritten (Minchah) die Sprüche des ersten und beim vierten (Neilali) die des zweiten. — Eine weitere Behandlung dieses Capitels zeigt uns bab. Sota 39b (Num. rabb. XI,4 stimmt hiermit überein, hat jedoch einige aramäische Worte in das Hebräische übertragen80), wo (für das Morgengebet) die auch im Jeruschalmi angegebenen Verse genannt werden, für das Mnssaph des Sabbaths91), ebenso wie im Jer. Ps 134, 1 und 2. Für den Dritten wird nicht, wie im Jer.. Ps. 134, 3, sondern 135, 21 angegeben, und zwar, weil nur solche Verse gesprochen werden sollen, die eine Lobpreisung Gottes, nicht eine Segnung des Menschen verkünden, trotzdem es nahe gelegen, Ps. 134 im Ganzen zu citiren. Man sieht hieraus deutlich, wie der alte im jerus. Talmud angegebene Brauch kritisch untersucht und corrigirt wurde. Eine weitere Ent- Wickelung dieses Brauches zeigt sich darin, dass der babyl. Talmud auch für das Minchahgebet des Fasttages (vgl. hierzu noch Tosepli. a. a. 0. Stichw. 32במנחתא) besondere Verse kennt. Es sind dies: Jer. 14,7—9. Auffällig bleibt es, dass der Talmud hier ohne Weiteres Verse zulässt, die keine direkte Lobpreisung Gottes, sondern ein besonderes Bittgebet sind, was er vorher bemängelte. Wir sehen schon hier die Entwickelung in der Auffassung des Priestersegens, dass man, wie wir noch weiter sehen werden, immer mehr solcher Bittgebete einschloss. Denselben Gedanken sprechen übrigens, wie ich sehe, auch Tosepli. Sota 39b (Stichw. אם) aus und geben, wie auch ich vermuthete, als Er- (Note 108 mul 110) auch auf (len Jer. hingewiesen, fiililt siel) über (lureli (len Zusatz, (1er dem babyl. Talmud entnommen ist, veranlasst) zu behaupten, dass das ganze l'itat ans dem Habli stammt und dass dem Verfasser in diesem eine andere Lesart Vorgelegen, als uns. Man sieht jedoch daraus, (lass sich hinter dem thatsiiehlieh aus dem Habli stammenden Zusatz die Abbreviatur '=) ת ״ תיכפהZusatz“) findet, sofort, (lass das Vorhergehende mit dem Zusatz ursprünglich nicht zusnmmeustnnd, und zwar aus dem Grunde, weil es einer anderen Quelle als dieser, nämlich dem Jeruschalmi, angchört. Und wenn sich hinter dem ursprünglichen stücke die Angabe: הכי הוא באלו נאמרין בסוטה findet, so gehört sie entweder hinter den Zusatz oder ist vom Abschreiber falsch nach dem Gedäclituiss angegeben, falls sie nicht überhaupt zum Folgenden gehört. — Ich darf es hier wohl aussprechen, dass der sonst grossartigen Bearbeitung des M. V. durch den gelehrten Kabbiner H. liurwitz נ״י einiger Abbruch dadurch gethan wird, dass die ״Zusätze nicht durch kleineren Druck kenntlich gemacht worden sind. 3") Alfasi (רי״ף) zu Meg. IV (p. 19 a) nennt ohne specielle Zeitangabe nur die für das Morgengebet angegebenen Verse, — Im bab. Talmud lauten die einleitenden Worte בזמן שהכהנים מברבין את העם מה הן אומריז, bei A1fa«i: העם בשעת ברכת הבהנים מה הם אומרים, >m זו״1ג. rabb.:בזמןשהכהניםמברכין ♦העם מה הציבור אומרים במוספי דשבתא(״ .. Vielleicht hat hier שבתא die allgemeine Bedeutung ״Feiertug“, wie Lev. 23, 11, 16, 16. Im Jer. fehlt der Zusutz ♦דשכתא ״) Hurwitz, M. V. (Note 110) verweist noch auf *תים' רי״ך und ריטב״א zu Taan. IV Auf. (26 a). Vgl. übrigens auch "הנה מיימוניות (Note 1 und 2) zu Maimon. Hilch. Tefill. XIV.