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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 11. (1900) · p. Seite 87

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 11. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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87 kJärung an, dass der Charakter des Fasttages solche Gebete zulasse. Einen gleichen Tenor enthalten auch die für das Neilaligebet des Versöhnungstages angegebenen Verse, was Toseph. (ib. 40a, Stichw. בנעילה) nicht bemerkt zu haben scheinen. Dass die letzten Verse nur auf das Neilaligebet des Versöhnungstages beschränkt werden, finden Toseph. a. a. 0. nach Taan. 20b auffallend; entweder ist thatsächlich דיומא לכיפורי ein späterer Zusatz oder daraus zu erklären, dass z. Z. des Talmuds ein wirkliches Neilaligebet eben, wie heut, nur noch am Versöhnungstage abgehalten wurde. Beaclitenswertli bleibt es immerhin, dass die bez. Verse des Ne'ilahgebete« nach einer Ueberlieferung einer Baraitlia entnommen sind; da jedoch sonst weder in der Mischnah noch in unsrer Tosephta dieser Verse gedacht wird, so darf man wohl annehmen, dass diese Baraitha (מתניתא) einen ganz anderen Charakter hat, als man gewöhnlich darunter versteht. Die betr. Verse für das Neilaligebet sind übrigens Ps. 128, 4—0 entnominell und lehnen sich recht schön an den Tenor des Priestersegens an. Auch das sei (bez. der Entlelinung aus einer מהניתא) hervorgehoben. (Forts, folgt. Littei'aturbericht. Zur neuern rabbiniaelieu I,itteratur. Von Rabbiner I)r. (י old falin*). Vor einigen Wochen erhielt ich die neueste, 1899 bei Isak Funk in Wilna erschienene Ausgabe des ״Noda Bijeliuda“ R.-G.-A. des Rabbi Jeclieskel Landau s. A., gestorben am 17. Ijar 5553 29. April 1893 als Oberrabbiner der isr. Gemeinde zu Prag. Das Werk selbst ist ein einfacher Neudruck der 1880 hei Isak Goldniann in Warschau erschienenon Stereotypausgabe. Diesem Neudrucke sind jedoch sieben Beilagen beigegeben, welche ihm einen besonderen Werth verleihen. Der Redakteur dieser Beilagen ist Ben- Zijon Eisenstadt. Die erste werthvolle Beilage ist der ,,Rabbinatsbrief“, oder das Berufungssehreiben der Prager Gemeinde, datiert vom 20 Kioslew 5515— 1754 mit Anmerkungen von B.-Z. E. Dieses Schreiben soll, wie E. fiugiebt, zuerst von dem sei. Prof. Dr. D. Kaufmann nach einem Manuseripte im Besitze des Rabbiners Dr. Porges in Leipzig veröffentlicht worden sein; wo? sagt E. nicht. In dem!Schreiben werden die Vertreter der Prager isr. Gemeinde auch: יפיפי טעם genannt. E. sagt, dieser Ausdruck habe keinen Sinn und will dafür וטובי טעם lesen. Ich finde den Ausdruck ganz correct als eine Anspielung auf Psalm 45,3 und Hohelied 7,2; beide Verse werden in der Agada auf die Lehrer, Führer und Leiter der Gemeinde Israel gedeutet. Gemeint sind wohl im gegebenen Falle diejenigen Leiter der Prager isr. Gemeinde, welche Zutritt zu den höheren und höchsten Beamten- und Hofkreisen hatten, um nöthigenfalls im Interesse der Gemeinde und auch in dem der gesummten Judenheit erfolgreiche ״Schritte“ thun zu können. Die zweite Beilage enthält mehrere Gutachten, welche Landau an K. Eleasar Flekeles s. A. gerichtet und in des Letzteren R.-G.-A. תשובה מאהבה abgedruckt waren. Die dritte Beilage giebt eine Charakteristik Laiulau’s *) Vom ס׳ תשובת הנוצרים des K. Hinjumin ben Mose aus Rom, das von mir für die ״Mekize Nfrdamini“ bearbeitet worden und im ״Sammelbunde“ des letzten Jahrganges dieses Vereins erschienen ist, sind keine Scpuratabziige gemacht worden; es stehen nur deshalb auch keine zur Verfügung. G. in zwei Auszügen aus der Grabrede am 18. Ijar und aus der Gedenkrede in der Klaus-Synagoge am 26. Ijar 5553 — 1793 gehalten von R. Eleasar Flekeles und abgedruckt in des Letzteren ״עולת חדש Die vierte Beilage; אנשי שם enthält ein alphabetisches Verzeichniss der 340 Correspondenten, welche in den beiden Serien des ״Noda Bijehuda“ genannt werden. Das Verzeichniss ist, was der Verfasser, dem angeblich nur drei Tage Zeit zur Ausarbeitung gegeben worden waren, selbst zugiebt, sehr flüchtig bearbeitet worden. Es hätte in der Weise ansgearbeitet werden müssen, wie das von Prof. Dr. Bacher unter dem Titel: ״Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts־‘ in ungarischer Sprache zu den R.-G.-A. ״Chatham Sofer“ von R. Moses Sofer 1893 erscliienene der Correspondenten Sofers, tun für die Geschichte der Juden der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und für die des ersten Jahrzehntes des neunzehnten ein sehr wesentliches Hülfsmittel zu bieten. Ohne auf das Verzeichniss genauer einzugehen, erlaube ich mir nachstehende Bemerkungen. Der unter No. 44 genannte Itzik, Rabbiner von Paks, und der unter No. 171 genannte Isak, Rabbiner von Paks, sind natürlich identisch, der Familienname von Krishaber (richtiger Kriegshaber) nach dem Stammsitze der Familie. Ueber ihn und seinen Streit mit Ahron Chorin ist zu vergleichen ״Löw’s Schriften“ Band II, Seite 26U—267. Kriegshaber erhält von R. Samuel Landau eine derbe Rüge, weil er gewagt hatte, den unter Nr. 306 genannten Hirsch, Rabbiner von (ט״וי d. i. Temesvär), einen Liebling und gewesenen Hausgenossen des R. Jeclieskel Landau, zu verdächtigen. Ebenso ist der No. 62 genannte Binjamin Wolf Rappoport mit dem No. 97 genannten Wolf identisch. Rappoport, ein Verwandter (ש״ב) Jeclieskel Landau s, war Rabbiner in Papa, Verfasser des Werkes עדות לישראל zum Traktate Makkotli, 1839 in Presburg gedruckt. Umgekehrt ist der im Noda Bijehuda, erste Serie, Ebcn-haeser No. 87 und 88, genannte Wolf meines Erachtens nicht identisch mit dem im Verzeichnisse No. 89 genannten Wolf Tritsch d. i. Triesch (Mähren). Der Familienname des Letzteren war Lichtenstern. Er verfasste קדושת ישראל, Novellen zu den Traktaten Kethuboth, Kidd. und Gittin 2 Bände (Brünn 1788; Wien 18291 und war Rabbiner in Trencsen. Den Verfasser des Correspondenten-Verzeichnisses mag zur Idontificirung des R. Wolf (in Pilz mit R. Wolf Triesch der Umstand veranlasst haben, dass der im Verzeichnisse No. 34 genannte R. Eleasar Rabbiner in Pilz und (später) in Triesch war. Der letztgenannte, dessen Familienname Löw war, fungirte auch als Rabbiner des Pilsener und Klattauer Kreises in Böhmen, kam dann nach Liptö-Szeut- Miklos, das er Streitigkeiten halber nach zehnjährigem Aufenthalt verlioss und nach Abauj-Szäntö als Rabbiner ging. Eine kurze Notiz über ihn findet sich in Löw’s ״Ben-Cananja“ 2. Jahrgang 1859, Seite 414 415. Als man R. Eleasar Löw, der zahlreiche talnnidische Werke verfasst, unter denen sein: ״Schemen Rokeach“ (Ben-Jakob 8. v. No. 911 und 912) am bekanntesten ist, fragte, wie er von Liptö-Szent-Miklös, das damals eine sehr hervorragende Gemeinde gewesen war, mich Abauj-Sziintö gehen konnte, antwortete er: ״Wir lesen in der heiligen Schrift (Genesis 16,8) der Engel habe Hagar gefragt: »Woher kommst du? und wohin gehst du?« Darauf antwortete Hagar: »Vor Sara, meiner Gebieterin, fliehe ich.« Das ist aber bloss eine Antwort auf die erste Frage: woher sie komme? Wo bleibt die Antwort auf die zweite Frage: wohin gehst dn? Diese Frage ist jedoch leicht zu lösen. Es kommt oft im Leben bloss darauf an, dass wir aus einer unangenehmen Lage herauskommen, mag dann kommen, was da will. Hagar antwortet daher dem Engel, die Hauptsache sei, dass ich meine Gebieterin Sara los werde; wohin ich komme —

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