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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 11. (1900) · p. Seite 84

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 11. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 deutungsvolle Rolle am Hofe dieses Fürsten, wenn auch nur eine kurze Zeit hindurch, zu spielen. Sie hissen sogar ganz unzweideutig die Veranlassung erkennen, welche das Zerwiirfniss zwischen Jannai und Simon herbeiführte. Gleichzeitig erfahren wir auch, wie Simon durch ganz ausserordentliche Veranlassung noch einmal an den Hof Jannai's gerufen wird. Viel• leicht datirt aus den Tagen seines ersten Aufenthaltes am Hofe jener Vorfall, welcher (babli Synhedrin 19 a) von ihm berichtet wird. Der Talmud erzählt nämlich, ein Sklave des Königs Jannai habe einen Mord verübt. Simon ben Schetach, auch damals Synhedrialvorsitzender, habe den Alexander Jannai, als Besitzer des Sklaveu, an Stelle des Angeklagten vor das Synhedrion gerufen und ihn daselbst zur Verantwortung gezogen. Jannai habe sich geweigert, seine Erklärung dem Synhedrion stehend — wie die massgebende Norm es vorschrieb — abzugeben. Simon ben Schetach aber habe dies dem Könige ungesclieut verwiesen und mit Berufung auf die gesetzliche Norm ihn aufgefordert, stehend seine Aussage zu thun. Der stolze König soll darauf mit Selbstbewusstsein entgegnet haben: .,Nicht, wie du es verlangst, sondern, wie deine C'ollegen vorschreiben werden, will ich thun“. Simon wendet sich fragend in dieser Angelegenheit an seine Collegen zur Rechten und Linken. Sie besitzen aber nicht Energie und Gesinnungsstärke genug,, dem übermiithigen Könige Trotz zu bieten, und sie senken feige ihren Blick zu Boden. Geiger:!:), Grät-z**), Jost׳***) und Derenbonrgt) haben diese Begebenheit in eine spätere Zeit verlegt und sie mit. dem Vorfälle identificirt, welchen Joseplms (Ant. XIV, 9, 4, ft) berichtet. Dort wird eine Anklage gegen Herodes. welcher den Ezekias mit seinen Mannen umgebracht hat, erhoben. Hyrkan II., Jannai's Sohn, Vorsitzender des Synhedrions, wird dazu gedrängt, seinen Günstling Herodes vor die Schranken des Gerichtshofes zu laden. Herodes leistet auch dieser Aufforderung Folge, erscheint׳ aber in prächtigen Purpurgewändern, mit herausfordernder Miene und von einer Schaar Bewaffneter umringt, vor dem Synhedrion. Die meisten Richter werden durch dieses beispiellose Vorgehen des Herodes eingeschüchtert, nur Sameas behält Fassung und Mutli, die Richter in einer energischen Rede an ihre Pflicht zu ermahnen und von ihnen unumwunden zu verlangen, im vorliegenden Falle dem Gesetze in seiner ganzen Strenge freien Lauf zu lussen. worauf Hyrkan die Gerichtssitzung vertagt und dem Herodes den Rath zur Flucht ertheilt. Uns scheint der vom Talmud berichtete Vorfall durchaus nicht der Begebenheit analog zu sein, welche Joseplius erzählt. Es scheint uns überhaupt sonderbar, dass der Talmud einen Vorfall aus der viel späteren Zeit des Herodes in die viel frühere Zeit des Alexander Jannai verlegt haben soll. Man sieht nicht ein, weshalb sich hier die Tradition getrübt haben sollte. Herodes ist dem Talmud sehr wohl bekannt und es knüpfen sich im Talmud an seinen Namen ganz bestimmte Züge aus seinem *) Geißer, Urschrift mul Uehersetzungen der Bibel. Breslau 1867. p. 144 Anra. **) Orätz, Geschieht« der Juden III, p. 482, Not« 17. ***) Jost, Geschichte des Jndenthums und seiner Sekten p. 262. t) Derenbourg, essai otc. p. 146—148. Leben*). Herodes war ferner als Ausländer und wegen seiner Gewaltakte beim jüdischen Volke nichts weniger als populär und sicherlich ungleich mehr verhasst, als alle Makkabäerfürsten. Warum hält das Volk den Vorfall aus seinen Tagen nicht fest? Warum sollte die Tradition das Naheliegende in nebelhafte Ferne gerückt und diesen Vorfall auf ganz ungeeignete Weise entstellt, ganz ungeeigneten Zeiten und Verhältnissen angepasst haben? Ist denn Sehernaja dem Talmud weniger bekannt als Simon ben Schetach? Ueberhaupt können wir uns eher den umgekehrten Fall denken, dass man Vorgänge aus einer früheren Zeit in eine spätere verlegt, weil es psychologisch begründet zu sein scheint, dass man unter dem Eindrücke stets neuer Leiden den letzten Despoten und Gewaltherrscher gern auch für die Ungerechtigkeiten seiner Vorgänger verantwortlich macht. Allein selbst zugegeben, dieser vom Talmud auf Simon ben Schetach bezogene Vorfall habe nicht zu seiner Zeit׳ gespielt, so sieht man noch immer nicht ein, welche Analogie unser Fall zu dem von Josephus berichteten bieten soll. Denn die Bemerkungen, welche schon Landau**) gegen die Identiticirung unseres Falles mit dem von Josephus erzählten geltend gemacht hat, scheinen uns in der Tliat ganz zutreffend und richtig zu sein. 1) .,Wozu hätte man — fragt er mit Recht — (in unserem Falle) deu Hyrkan gerufen, war er ja Vorsitzender in dieser Angelegenheit?'1 2) ,,Spielt dort Herodes die Hauptrolle und liier Jannai.“ 8) ״Passt das ganze Benehmen, das hier von Jannai erzählt wird, durchaus nicht auf den bescheidenen Hyrkan; die beiden Begebenheiten hätten weiter nichts Aehnliches, als das von einem צבדא die Rede ist, der vor dem Synhedrium stand.“ (Schluss folgt) Der Priestersegen in seiner liturgischen Entwickelung dargestellt von Ilr. B. Koen igsherger, Rabbiner in l'lesclien. III. Um das Volk wirksam vom Anblicken der Priester zurückzuhalten ־'"), kam in. E. der Gebrauch auf, während der einzelnen Tlieile des Priestersegens verschiedene Verse zu recitiren. Den Entwickeluugsgang dieses Gebrauchs wollen wir im Folgenden darzulegen versuchen, vorher jedoch noch einige Worte über die Dreitheilung des Priestersegens sagen. Da es im Tempel nicht Brauch war, auf einen gehörten Segens- Spruch ״Amen!“ zu sagen, sondern man nur beim Vernehmen des nach seiner Schreibung ausgesprochenen Gottesnamens ביצכמל״ו zu sprechen, war der Begriff einer Dreitheilung überhaupt nicht angängig. Erst als man aufhörte, beim Priestersegen den Gottesnamen nach *) Vgl. Kuba baihra 8 b, Kidduschin 70 b. **) Frankel, Monatsschrift, II. Jahrgang 186:1, p. 208 Notiz c. a1*) Selbst wenn die Synagoge nicht nach Osten gebaut ist, sollen die Priester ihr Antlitz dem Vorbeter (resp. der Gemeinde) 7.11 wenden. Dazu bemerkt Gumbinner (מ״א *n Or. Chaj. 128,10 Note 16), dass er in Constantinopel in einer nach Norden gerichteten Synagoge gewesen wäre und dort (wie auch an anderen Orten, wo es sehr viele Priester gab) habe ein Theil der Priester an der Nord-, der andere an der Südseite gestanden. Anderwärts sei zwar die Lade im Osten, das Betpult des Vorbeters aber nach einer anderen Richtung, sodass die Priester nicht dem Vorbeter zugewendet stehen.

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