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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 11. (1900) · p. Seite 83

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 11. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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83 selbst erzählt*), räumt Alexandra, unbekümmert um die Pharisäer, den Sadducäern, die ihr eine Deputation mit Aristobul an der Spitze entsenden, die meisten Festungen des Landes ein, wo sie vor der Wuth der Pharisäer gesichert sorglos leben können. In Sachen der auswärtigen Politik verfährt Salome mit entschiedener Selbständigkeit. Unbekümmert um Pharisäer und Sadducäer stellt sie in ihrem Reiche ein wohlgerüstetes Heer auf, welches feindliche Nachbarn mit gebieterischer Nothweudigkeit von etwaigen Eroberungsgelüsten fern hielt. Ja, diese Nachbarn verstanden sich sogar gern dazu, mit der mächtigen judäischen Königin Geiseln zu wechseln, um sich auf diese Weise vor Feindseligkeiten von dieser Seite zu sichern. Unbekümmert um die Pharisäer schickt Alexandra ihren kriegslustigen Sohn Aristobul zu einer Expedition gegen Damaskus aus (die einzige kriegerische Action unter dieser Königin), von welcher Letzterer erfolglos und ohne sich mit kriegerischem Ruhme zu bedecken, zurückkehrte. Wenn der Armenierfürst Tigranes, welcher bereits Ptolemais belagert, auch der Alexandra gefährlieh zu werden droht, weiss sie diese Gefahr ganz unabhängig von den Pharisäern durch Geschenke und Verträge von sich und ihrem Reiche abzuwenden. Auch die Hohe priester würde wird sie wohl aus eigenem Antriebe ihrem ältesten Sohne Hyrkan übertragen haben**). Ja, das jüdische Reich muss in diesen Tagen erleichtert und wie von einem schweren Alpdruck befreit aufgeathmet haben und es hat sicherlich mit Jubel und Entzücken die liebliche, aber ihm längst ungewohnte Erscheinung ruhiger und friedlicher Tage begrüsst. Denn seit den Tagen Johann Hyrkan’s war das Schwert, welches die äusseren Feinde zu bekämpfen hatte, nicht in die Scheide gesteckt worden, während das Innere des Landes einen entsetzlichen Tummelplatz abgeben musste, auf welchem die wild entfesselten Parteileidenschäften der gegen einander erbitterten Sadducäer und Pharisäer in freiester Zügellosigkeit tobten und wütheten. Nun war Friede über das schon seit Jahren arg heimgesuchte judäische Land gebreitet und gleichsam als wollte selbst die Natur ihre Freude darob zu erkennen geben, segnete sie in diesen Jahren den Boden mit einer Triebkraft und Furchtbarkeit, welche noch den späteren Generation unvergesslich blieb. In sagenhafter Verklärung rühmen unsere Quellen***), in den Tagen Simon ben Sclietach's und der Königin Salamzah (Salome) habe günstiger Regen in den Nächten des vierten und siebenten Tages die Felder befrnchtet, so dass Weizenkörner die Grösse von Nieren erreichten, Gerstenkörner so gross wie Olivenkerne wurden und Linsen so gross wie Golddenare. Die Gesetzlehrer — heisst es weiter — bewahrten diese ungewöhnlich grossen Getreidekörner, um den späteren Geschlechtern zu zeigen, wohin die Sünde führt. Man kann sich wohl denken, dass unter diesen Verhältnissen sich der Wohlstand und Reichthum des Volkes gemehrt haben werde. Das Volk hatte alle Veranlassung mit seiner Königin zufrieden zu sein und die Segnungen des Friedens zu preisen. Hatte Salome Alexandra die Sympathien des *) Ant. XIII, 16, 3. K. J. I, 6, 3. **) Vgl. über Alle» Ant. XIII, 16, 1—6. B. J. 1, 6. 1—6. •**, Bubli Tuuiiit 23 u, Midrasch Vajikra rabbah c. XXXV. Volkes, welche wie wir oben (p. 82) erwähnt haben, sie schnell genug zu gewinnen wusste, schon deshalb verdient, weil sie die Unabhängigkeit des Reiches nach Aussen zu wahren und den Sturm der Parteileidenschäften im Innern zum Schweigen zu bringen wusste, 80 war das Volk seiner Königin noch um so mehr zu Dank verpflichtet, wenn es sich die Thatsaohe zum Bewusstsein brachte, dass seine Vertreter, die Pharisäer, jetzt Sitz und Stimme im Regierungsrathe der Königin hatten und dass unter den Auspicien der tonangebenden Persönlichkeiten dieser Partei, unter den Synhedrialhäuptern Simon ben Schetach und Juda ben Tabbai, eine Reaktion sich vorbereitete, welche einzig und allein die Wohlfahrt des Volkes bezweckte, welche es als ihre Aufgabe erachtete, gesicherte Rechtszustände dauernd zu begründen und für Gesetz und Gerechtigkeit selbst mit den höchsten Gütern und ganz unbedingt einzustehen. Eine Nation, welche die Fäden ihres Geschickes den Händen solcher Männer anvertruuen konnte, durfte freilich mit Gleichmuth und Gemüthsruhe die Dinge, welche ihrer harrten, herankommen sehen und sie konnte getrost ganz unbekümmert um die einzelnen Schritte dieser Männer die schönste Hoffnung für die gedeihliche Entwickelung ihrer Interessen hegen. Denn wahrlich, wenn man alles, was unsere Quellen über diese Männer aussagen, zusammenhält, kann höchstens dem Bedenken Raum gegeben werden, welcher von Beiden wohl der Edlere sein mag; der Bedeutendere und Einflussreichere ist sicherlich Simon ben Schetach. Grütz hat eine grosse Reihe für das Volk heilsamer Anordnungen und Gesetzeseinrichtungen auf Simon ben Schetach zurückgeführt. Er ist nach dem einstimmigen Urtheile späterer Forscher hierin zu weit gegangen. So viel steht aber jedenfalls fest, dass viele Veränderungen in Recht und Gesetz dem Simon ben Schetach ihre Entstehung oder wenigstens ihre Anregung verdankten. Für den erfolgreichen Einflu8s, welchen dieser Mann zu bethätigen gewusst haben muss, steht das Zeugniss des Talmuds*) ein, dem zu Folge nach einer Zeit der Verödung und Entartung auf dem Gebiet des Gesetzesstudiums Simon ben Sehetach auftritt und die Gesetzeslehre wieder zu Ehre und Ansehen bringt. Treffend vergleicht ihn Grätz mit Esra, welcher die Wiedergeburt des Judenthums beförderte, und mit voller Berechtigung fügt er die Bemerkung hinzu, dass die Gewaltmassregeln, zu welchen in den Tagen jener Restaurationsepoche oft gegriffen werden musste, nicht der persönlichen Leidenschaftlichkeit, sondern dem Ernst der Zeitlage entsprungen seien**). Indem wir daran gehen, die Wirksamkeit dieses Mannes im Vereine mit seinen Amtskollegen Juda ben Tabbai zu würdigen, werden wir uns darauf beschränken, nur diejenigen Gesetzesbestimmungen in seinem Namen anzuführen, welche sich mit völliger Sicherheit oder wenigstens mit einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit auf ihn zurückführen lassen. Unsere Quellen lassen an der Thatsache nicht zweifeln, dass Simon ben Schetach, als Bruder der Königin Salome, schon unter Alexander Jannai dazu berufen war, eine be- *). Babli Kidduschin 66 a שבא *T? DÖ’DWÖ ־.?ולס! ,TiTI שטח והחזירה ליושנה p שמעון. Grittz, Geschichte der Juden III, p. 119.

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