Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 10. (1900) · p. Seite 77

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 10. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492408-5990879-5999230--2853-5369528
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

77 eine der Verordnungen Esras' (vgl. Baba Kama 82a) wäre (vgl. 2 כ״ם. St. und שלטי ממירים in Alfasi Meg. IV, p. 19a Note 4); so auch im Sefer Tanja (ed. Warschau p. 11b mit.) — nach welcher es den Priestern verboten war, in Riemenschuhen zum Priestersegen hinauf zu gehen, weil ein Aufgehen eines Riemens im Sprechen des Priestersegens hindern und den Verdacht hervorrufen könnte, der betr. Priester, der sich niederbükte, um dtn Riemen wiederzuzuschnüren, sei gamicht tauglich, den Priestersegen zu sprechen.ss) — Was die Folge des Ansehens der Priester von Seiten des Volkes sein würde, wird vescliieden angegeben. Raschi und, ihm folgend, R. Obadjah aus Bertinora sagen (nach Chagigah 16a), dass das Anblicken der Priester verhütet werden sollte, weil auf ihren Händen die durch den שם הספוי־ש angerufene Gottesmajestät ruht und die Augen der Hinblickenden durch den Glanz derselben geblendet werden würden Da aber dieser Ausspruch höchstens im מקדש seine Berechigung hatte, weil nur dort das Tetragramm gesprochen wurde (M. Sota VII, 6, Tamid VII,2, Sifr4 Nasso zu Num. 6,23 sowohl nach der AnsichtR. Joschijah’s als nach der R. Jonathans, Bemidb. rabb. 11,4 v. Midi•, ha-gadol z. St.) Mit Recht verweisen daher Toseplioth (Chagigah löa.Sticliw.בכהנים) vgl. auch Mordeehai zu Megill. III. Darauf hin, dass auch ausserhalb des Tempels (בנבולין) das Verbot des Betrachtens der Priester beim Priestersegen bestehen würde, und dies könne nur aus dem jer. Meg. IV, 8 (75c.) angegebenen Grunde der Pall sein, wonach das Anblicken nur verboten wäre, weil dadurch die Gedanken des An sc hauen den abgelenkt werden könnten (1גמשוםזדםע=ודםחהדעת), Dass der Priester durch das Anblicken verwirrt werden könnte, nahm man wohl deshalb nicht an, weil er ja seine Hände vor das Gesicht hielt. Deshalb hoben ja auch die Priester ausserdes Heiligthums (כמדינה) ihre Hände nicht, wie im Tempel, über den Kopf empor, sondern hielten sie, wohl um das Gesicht zu verdecken und sich nicht ablenken zu lassen, *etwa in der Höhe der Schultern, jedenfalls aber emporgehoben, um, dem ״ 1ישאer erhob“ ,0) Die Behauptung, das» der Wortlaut der Tos. älter als die Verordnung des R. Jochunau b. »Sukkai ist, kann eigentlich auf den Wortlaut des Midr. Tanchnma mit bezogen werden, in»ofern dieser (Abschn. Nasso § 14 p. 16b ed. Bube.•) die Mischnah mit den Worten ergänzt: ודכי היה שונה כהן שיש מוסק בבורו לא ישא את כפץ. Buber (Note 67' ist augenscheinlich die Tos.-Stelle entgangen. Auch Abrnli. Portaleone (Schilte ha gibborim) wundert sich über den Wortlaut bei Maim. XV,2, der von Fehlern im Antlitz, an Händen und Füsseu spricht; doch that dies Maim. thatsächlieh auf Grund der Meg. 23 b angeführten Bareitlia, die eine kleine Erweiterung unserer Tosephtu zu sein scheint und hei Alfasi fehlt. יי) Noch deutlicher spricht es der ,Midr. Tanchuma a. a. <). mit den Worten aus:שדרך בני אדם להיות מסתכלין בו. so auch bei Rahbenn Nissim zu S)'"n Megill. VI (ed. Warschau 1876, p. 18a): אי אפשר י־ו לאדם י •העמיד עצמו שלא לראות כהן כלל וכשידיו צבועות מתוך שאדם רואה בהן דבר חידוש מסתכל בהן ועובר Vorher giebt er als 1. Grund an: שאיו מתכוונין כראוי לברכה Bei ״Raschi1' zu רי״ןז a. a. O. heisst es dagegen mit Bezug auf das citat aus chagigah:ומצאתי דבאותו זמן קמיירי שהיו מברכין בשם המפו־־ש אבל בזהז הזה מותר. Aehnüch Kam (כ״מ)!!> Maim. XV,2 mit Rücksicht darauf, dass die Priester heutzutage Kopf und Hände mit dem Gebetmantel überdecken. Doch ist dies kein allgemeiner Brauch (Karo: Orach Chajim CXXI1I,31). David b. Samuel ha-levi (]ט״ resp. מנן דח״), Note 28, erwähnt auch den Brauch, dass die Gemeinde den Gebetmantel über den Kopf nimmt, um sich nicht ablenken zu lassen. (Lev. 9,22) entsprechend, ein richtiges נשיאת כ&ים ״Emporheben die Hände“ uuszuführen. Maimonides sagt daher (הל׳נ״ב) XLV,7: ״Wenn die Priester das Volk segnen, sollen sie das Volk nicht anblicken und dessen Gedanken nicht ablenken, sondern ihre Augen zur Erde senken, wie Jemand, der die Tefillah (i. e. das ״Achtzehngebet“) verrichtet; es darf aber auch Niemand den Priestern ins Gesicht sehen, wenn sie das Volk segnen, um ihre Gedanken nicht zu verwirren. Es 8011 vielmehr Jedermann seine vollste Aufmerksamkeit darauf richten, denSegenzu vernehmen; dabei sollen sie sich Antlitz gegen Antlitz gegenüberstehen, ohne sich ins Gesicht zu sehen.“ Die vollständigen Angaben Maimuni's bestätigen meine obigen Annahmen voUends.Vgl.noch Orach Chajim CXXVIII,23. Man vergleiche hierzu übrigens die Bemerkung (Sota 38 a unt., Bamidb. rabb. XI.4, Midr. ha-gadol Pesikta sutr. z. St.), dass Priester dem Volke nicht, vieUeicht aus Achtung vor der heiligen Lade, den Nacken zuwenden sollen, sondern, wie ja der Tenor des Priestersegens, der in der Anredeform abgefasst ist, besagt, Antlitz gegen Antlitz gewendet, dastehen, wie Jemand, der zu seinem Nächsten spricht. Raschi fasst diese Bemerkung in der Weise auf, als handle es sich hier darum festzustellen, ob das Volk den Priestern den Rücken zuwenden dürfe oder nicht. Jedenfalls ergiebt sich daraus eine entschiedene Verurtheilung der Gepflogenheit Einzelner, sich beim Priestersegen umzuwenden, um dem Anschauen der Priester zu entgehen; aber auch der Gebrauch, dabei den Gebetmantel so weit über den Kopf zu ziehen, dass man dem Anblick entgeht, dürfte sich nach dem Vorhergehenden mindestens als unschön erweisen. Hat doch die Voraussetzung, dass man den Priestern gegenüberstehen 8011, dahin geführt, dass alle diejenigen, welche hinter den Priestern stehen, vom Einflüsse des Priestersegens ausgeschlossen bleiben und nur diejenigen desselben theilhaftig werden, welche voi oder neben ihnen stehen! (jer. Berach. V.5: 9d; ib. Gittin V,47b; bab. Sota 38b f., Midr. ha-gad. a. a. O.), indem weder die etwa in den vorderen Reihen des Volkes stehenden Grossen die Kleinen noch auch gar eine eiserne Scheidewand anszuschliessen vermochte. Darum stiegen ja die Priester, wie der Midr. rabb. hinzufügt, zu der (an der Uinterwand befindlichen) Lade empor, damit alle Beter vor ihnen stünden. Erwähnenswerth ist übrigens noch die Erklärung Rabbenn Chananel's (zu Chagigah 16a) bez. des Betrachtens der Priester im Tempel, wenn sie das Tetragramm aussprachen. Au der gen. Stelle werden nämlich drei Dinge genannt, bei deren Betrachtung des Sehenden Augen blöde werden: Ein Regenbogen, ein Prophet und die Priester an der gen. Stelle und zur gen. Gelegenheit. Von der eigenen Bedeutung des Wortes ״ מסתכלmit geistigem Ange betrachten“ ausgehend, bemerkt er, dass die diesbezüglichen Schviftworte resp. beim Aussprechen des Tetragramms beim Priestersegen im Tempel sehr leicht das Nachdenken über das Wesen der Herrlichkeit Gottes hinzutreten (und dadurch das geistige Auge blenden) könnte. (Fortsetzung fol#)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.