Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 10. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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76 Der halachische Midrasch18) folgert aus כה תברכו (Num. 6, 23b), dass 1) der Priestersegen stehend gesprochen werden sollte, 2) nur in hebräischer Sprache, 3) unter Einporhebung der Hände, 4) init zugewandtein Gesicht. Zu 3) und 4) bildeten sich einzelne Bestimmungen nebenbei heraus, die wir erst später besprechen wollen, ebenso wie die Anordnung, dass das Volk zuhören und der חזן die einzelnen Worte des Priesteraegens den Priestern vorsprechen sollte. Nur das sei erwähut, dass wie auch M. Tamid VII, 2 angiebt, das Tetr.agramm (ככתבו resp. שם המפורש) nur im Tempel gesprochen wurde, und ebenda die Priester ihre Hände über den Kopf emporhoben, der Hohepriester nur bis zur Höhe des mit dem Tetragramm geschmückten goldenen Stirubleclis (nc>. nach R. Jehudali hob dieser seine Hände über das pc. Dass auch im Tempel ein ״Vorsprecher“ beim Priesteraegen fuugirte (vgl. Sifre a. a. 0., Maimonides, Hilch. Tefillali XIV,9), scheint mir durchaus unwahrscheinlich. Folgende Bemerkung scheint mir jedoch hier am Platze zu sein. Im babylonischen Talmud (Kidduschin 71, II jer. Joma III, 7: 40 d unt., Kobel, r. zu 3, 11, Bamidbar rabb. XI, 8) wird von R. Tarfon erzählt, dass er einst (als Knabe, als welcher er den Priestersegen noch nicht gesprochen hatte) dem Bruder seiner Mutter (Simson) an die Stätte gefolgt war. wo die Priester beim Segnen standen, und sein Ohr dem Hohepriester zngeneigt habe, um die Aussprache des Tetragramms zu hören; er habe es aber damals nicht vernommen, weil der Hohepriester dies so tliat, dass seine Stimme mit derjenigen der anderen Priester zusammenfloss. (Nur einmal habe er den heiligen Gottesnamen vernommen und sei auf sein Antlitz niedergefallen.) Es geht also hieraus deutlich hervor, dass nur der Hohepriester das Tetragramm aussprach, und man wäre auch berechtigt, anznnehmen, dass er überhaupt allein den Priestersegen sprach, während die ihn begleitenden Priester inzwischen sangen (נעימה). Das ist aber in Wirklichkeit deswegen undenkbar, weil es unbegreiflich wäre, dass der Priestersegen undeutlich resp. unvernehmbar gemacht worden sein sollte, wovon doch nirgends die Rede ist, eher das Gegentheil. Ich meine daher, dass für נעימה zu lesen ist ״ נאימהAussprechen“. Gemeint ist damit die eingeführte Aussprache des Tetragrannns durch אדני, wovon ja auch im Talmud a. a. 0. die Rede ist. Der Hohepriester sprach also zugleich mit den ihn begleitenden Priestern den Segen, das Tetragramm sprach er allein, während es die anderen durch אדני wiedergaben. Aus dem angeblichen ״Gesäuge“ (נעימה vergl. bes. Rase hi z. St.) scheint sich der noch heut bestehende Gebrauch entwickelt zu haben, dass die Priester die Schlussworte der einzelnen Theile des Priestersegens ויחנך וישמרך, und שלום durch wechselnde Melodien einleiten. Vergl. weiter unten.17) ’") Vgl. Sifre, Jalkut, Miilr. rabb. u. Midr. ha-gad. 2. St.; Sota 38a. — Das Volk kann jedoch sitzen, nur das es sich den l’riestern zuwendet. Vgl. Sohar zu Absclui. נשא p. 228 und מ״א zu Orach Chuj. 128 Note 22. ״) Jedenfalls hat hier נעימה nicht die Bedeutung eines besonderen Gesanges, sondern beziehtsieh auf das gleichzeitige Mitsprechen. Iu diesem Sinne wird thatsiichlich נעימה im Midr. Scliir. rabb. zu 8,12 gebraucht, wo es (vgl. das Vorhergehende zu Wir gehen nunmehr zur Handhabung des Priestersegens ausserhalb des Tempels (במדינה resp. יבנבולין) über. Wie die bereits citirte M. Tamid VII (Sota VII, 6) besagt, wurde ausserhalb desselben der Priesteraegen in drei Theiien gesprochen (במדינה אומרים אותה שלשה ברכות). Es ist aber merkwürdig, dass der Sifre von einer Dreitheilung nichts weiss, und ich glaube nicht, dass dies einfach darauf beruhe, dass er nur von der Gepflogenheit im Tempel sprechen will. Ausserhalb des Heiligthums, in den Synagogen der Provinzialstädte, sowie ausserhalb Palästinas, standen Priester und Laien in einem Raume und konnten sich gegenseitig sehen; daher dürfte erst hier die Vorschrift, dass die Priester beim Segnen פרם אל פנים ,,von Angesicht zu Angesicht“ dein Volke gegenüberatehen sollten, seine weitere Anwendung gefunden haben. Denn wenn auch der biblische Ausdruck פרם אל פנים (Deut. 34,1018) nur bedeuten kann, dass Moscheh’s Angesicht Gott zugewandt gewesen, ohne dass er Ihn sah, also nur die Richtung des Gesichtes bezeichnet und auch der Segen Aharon’s (Lev. 9,22), zu unterscheiden von dem Segnen des Volkes durch Moscheh und Aliaron (16 v. 23), nur so zu denken ist, dass Aliaron sich dem Ausgange des Heiligtliumes zuwandte, wo er dass harrende Volk wusste, so hat jedenfalls die Abhaltung des Priestersegens im Laufe der Zeit naturgemäss auch die Ausgestaltung erfahren, dass sich Priester und Volk thatsächlich gegenüberstanden und ins Antlitz sehen konnten. Es ist nun vollends begreiflich, dass die Priester durch den Anblick des Volkes, selbst wenn es sich völlig ruhig verhielt, bisweilen gestört oder gar verwirrt wurden, und so ergab sich daraus die Bestimmung, dass man die Priester, wenn sie den dreitheiligen Segen sprachen, nicht anblieken dürfe. Damit hängt■ nun M. Megillah IV,7 (jer. 1V.8.1״) bab. III, 24b) zusammen. Dieselbe besagt: ״Ein Priester, der an seinen Händen einen Fehler (oder Farbefleck) hat, darf nicht den Priestersegen sprechen, weil ihn das Volk anselieu würde.“ (Tos. ib. IV,29, die auch von Fehlern an den Füssen spricht, vgl. auch Halachoth gedoloth, ed. Hildesh., p. 221) ist älter als die Sota 40a [Roscli hasch. 31b] erwähnte Verordnung des R. Jolmnan b. Sakkai, —bei Maimonides, ,הל‘ נשיאת כפי (XIV,)6 heisst es irrtliiimlich, dass die 8,12) heisst: בקל אחד בנעימה אחת. — Ich will bei dieser Gelegenheit nochmals (vgl. meine Biographie K. Ismaels b. Jose) darauf hinweisen, dass die Angabe bab. Sahh. 118b unt , li. Jose habe von sich erklärt, dass er, obwohl er hei sich wusste, keiu Priester zu sein, sich auf die Aufforderung der Genossen, לדוכן hinaufzugehen, nicht geweigert haben würde, es zu tluin, nur so aufzufassen ist, dass er auf die Stelle hinaufgegangen wäre, wo die Priester standen, dass er es aber doch nicht gewagt haben würde, den Priestersegen mitzusprccheu. Vgl. übrigens auch מהרש״א z. St. Damit erledigen sich alle Prägen und Schwierigkeiten. Vgl. auch Aum. 39. '") TO übersetzt es wörtlich durch דיאיתגלי) אפין באפין), ltaschi aber im gewöhnlichen Sinne von פה אל פה (wohl mit Kiicksicht auf Kx. 33,20 und die Deutungen im Sifre heim Vergleiche Moschehs mit Bileam); übrigens erklärt auch TO sinngemäss פנים אל פנים (Kx. 33,11), wie פה אל פה (Num. 12,18, wo der Sifre selbst das folg. מראה durch מראה דיבור deutet, anders als der Sifre suta [Midrasch ha-gadol]. Vgl. dazu noch l’esikta sutr.}. 1#) Karo (כסף משנה) zu Maim. spricht (vgl. die Anordnung im bah. Talmud) vom 3. Abschnitt des Tractutes Megillah. ihm lag also wohl eine andere Anordnung der Abschnitte im Jer. vor. Auch sonst wechselt hei Kommentatoren die Anordnung dieser Abschnitte.