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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 10. (1900) · p. Seite 75

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 10. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 75 (sequence 3)
Language
German
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75 zu lieirathen. Diese vereinzelte Ansicht vermochte sich aber nicht rechtliche Geltung zu verschaffen. Die Mischnah führt hierüber in Synhedrin fol. 18a Folgendes aus: ״Der König vollzieht nicht den Act der Chalizah. Man lässt diesen Act auch nicht die Wittwe des Königs vollstrecken. Der König schreitet nicht zur Leviratsehe noch lässt man die Königswittwe die Leviratsehe schliessen. R. Jehuda meint: Wenn der König den Act der Chalizah oder die Leviratsehe vollziehen will, werde seiner zum Lobe gedacht (d. h. es steht ihm frei). Darauf entgegnete man dem R. Jehuda: dem Wunsche des Königs hat man in diesem Falle nicht Folge zu leisten. Man soll die Wittwe eines Königs nicht ehelichen. R. Jehuda meint: Der König darf die Wittwe eines Königs zur Gattin nehmen“. Maimonides acceptirt zunächst in seinem Mischnahcommentar die Entscheidung des R. Jehuda, wenn ein König die Wittwe eines Königs heimführen will, schliesst sich aber der Entscheidung der Opponenten des R. Jehuda an, welche dem Könige auch der Königswittwe gegenüber die Vollziehung des Actes von Chalizah und Jibbum untersagt. In seinem Ritual- Codex berichtigt er seine Ansicht. Dort schliesst sich Maimonides ohne jeden Vorbehalt und in allen Punkten lediglich der Entscheidung an, welche der Ansicht des R. Jehuda strict entgegentritt. Maimonides sagt in den Bestimmungen über die Könige II, 2: ״Die Wittwe eines Königs 8011 nie wieder zu einer zweiten Ehe schreiten. Sogar der König darf nicht die verwittwete oder geschiedene Frau eines andern Königs in die Ehe führen.“ Dass der König weder den Act der Chalizah noch den des Jibbum vollstrecken darf, begründet Maimonides ibid. II, 3 mit folgenden Worten: ואינו חולץ שנ׳ וירקה בפניו ווה בויוז ואפילו רצה אין שומעין ילו שהמלך שמחל על כבודו אין כבות מחול וב׳. ״Er (der König) vollzieht nicht die Chalizah, weil es heisst: ״Sie soll vor ihm speien.“ Dies würde eine ihn bechämende Zurücksetzung bedeuten. Will sogar der König sich darüber hinwegsetzen, beachtet man seinen Wunsch nicht, weil der König nicht befugt ist, auf eine ihm gebührende Ehrenbezeugung zu verzichten. Da er den Act der Chalizah nicht vollziehen kann, darf er auch nicht zur Leviratsehe schreiten. Stirbt er (der König), darf seine Wittwe, da die Leviratsehe bei ihr nicht statthaft ist, den Act der Chalizah nicht vollziehen. Sie muss daher immer (unvermählt) im Zustande der Gebundenheit (an den Levir) verharren“. Aus dieser Darstellung ergiebt sich dass Januai, wenn er die religiöse Empfindlichkeit der breiten Volksmassen schonen und keinen öffentlichen Affront bieten wollte, es nicht wagen durfte, mit der Wittwe des Königs zur Leviratsehe zu schreiten. Auch wenn das Moment der Würde des Hohenpriesters heim Könige Alexander Jannai ausscheidet, bleibt die Situation für ihn nicht weniger heikel und kritisch, wenn er sich entschlossen haben sollte, die Schwägerin und Königswittwe über alle gravirenden Bedenken religionsgesetzlicher Natur hinweg sans gene als Gattin heimzuführen. So stellt sich denn für uns mit einer fast• an Evidenz grenzenden Wahrscheinlichkeit als Ergebniss heraus, Salome Alexandra, die Gemahlin des Hohenpriesters und Königs Alexander Jannai, die nach dessen Tode berufen war, als Königin zu herrschen, sie, die Schwester Simon ben Schetach's, die Freundin der Pharisäer, müsse wohl unterschieden werden von jener gleichnamigen Salome Alexandra, die wir als Gattin Juda Aristobul I. kennen gelernt haben, (f. f.) Der Priestersegen in seiner liturgischen Entwickelung dargestellt von Dr. B. Koenigsberger, Rabbiner in Pieschen. II. Was nun den Priestersegen selbst anlangt, so wurde derselbe im Heiligthume an jedem Morgen von den Priestern (einschliesslich des Hohenpriesters) gesprochen, und zwar nachdem das Räucherwerk vom Hohenpriester (oder einem anderen Priester, dem er es übertragen) dargebracht, die beiden dem Allerheiligsten zugewendeten Lichter zurecht gemacht und die einzelnen Glieder des Tamid von der Altartreppe auf den Altar selbst gelegt worden waren18). Während das Gros der Priester mit den Opferstücken beschäftigt war, bestiegen die fünf in der Begleitung des Hohenpriesters verbliebenen Priester (M. Tamid VII, 1) mit ihm die Stufen des אולם (d. i. der Vorraum des היכל, zwischen diesem und dem Opferaltar), denen die andern eiligst folgten, und segneten das Volk, indem sie den später in drei Sätzen gesprochenen Segen in einem sagten, södass auf die einzelnen Theile kein ״Amen“ des Volkes folgte.14) Ebenso soll es beim Abendopfer (תמיד של בין הערבים) gewesen sein18). 15) Vgl. Midrasch luigadol (zu Nun!. 28): ואחר כך מתננסין ללשכת הגזית וקוראי! אהבת עולם ועשרת הדברות ושמע והיה אם שמוע וויאמר ואמת ויציב ורצה ושים שלום: ואחר כך מקטיר הקטרת: ואחר כך מטיב שני נרות: ואחר כך מעלי! איברי! לגבי המזבח: ואחר כך מברכי! ברכת כהנים:; Maimoui des, Hilch. Temidim VI,6. 14) Denn im Heiligthume wurde nie das ״Amen“ von den Znhörern gesprochen (Tos. Berach. VII,22, jer. ib. 14c, bah. Sota 40b, Tuan. 10b, Berach. 68a). Wenn nun sonst im Heiligthume (vgl. M. Joma III,8, IV, 1, jer. Berach. a. a. O.) bei jeder Vernehmung des vierlmclistnbigen Gottesnamens ברוך שם כבוד מלכותו לעולם ועד gesprechen wurde, so behauptet zwar R. Moses Cordovero (vgl. תוי״ט zu Joma VI,2 und Sota VII,6), dass dies beim Priestersegen nicht der Full war, doch kann man, wie תוי״ט, Tosephöth (Sota 40 b, Stiehw. 1וכי) Recht geben, dass die Hörenden, sowohl die Nahen, wie die Entfernten Jer. Joma III,7, p. 40d unt.), בשכמל״ו sagten, ohne dass es als Unterbrechung anzusehen wäre, da doch eben die Priester nicht innehielten, sondern die Hörenden, als sie den Gottesnamen vernuhmen, es sprachen. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass sie die betreffenden Worte beim Priestersegen nicht sprachen, weil der Gottesname nicht von einem Einzelnen deutlich vernehmbar gesprochen wurde, sondern im Gesänge der Priester verschwand (vgl. die Mittheilung R. Tarphon's: Kidd. 71a unt., jer. Joma III,7, p. 40d unt.). Ausserdem war es ja ein Bittgebet, keine blosse Anrufung Gottes. — Au/ Grund von Taanith 16b bemerkt Maimonides, Hilch. Tefillah XIV,9, dass das Volk nach Beendigung des ganzen Priestersegens an Stelle des אמן die Worte: ברוך ד, אלדים אלדי ישראל מן העולם ועד העולם (Ps. 106,48) sprach. Doch war dies nach Tos. Tann. 1,11 zwar der Wortlaut der Zustimmung, die das Volk an Fasttagen dem Gebete der Aeltesten an Stelle des אמן im Heiligthume gab, wie jedoch aus ib. 1,12—14 hervorgeht, sprach der זקן am Ende jeder Benedeiunng die erwähnten Worte aus Ps. 106, während das Volk mit בשכל״ו antwortete. 16) Midrasch ha-gadol: זה הוא סדר התמיד של שחר וכך מעשה תמיד של בין הערבים; vgl. Maimonides, Hilch. Temidim VI,11. Wenn sich also hier auch die Segenssprüche etc. wiederholten, wie am Morgen, so können (am Nachmittag) keine anderen gesprochen worden sein, als die von mir angegebenen.— In Hilch. Tefillah XIV,14 bemerkt Maimonides, dass nur beim Morgenopfer der Priestersegen gesprochen wurde, wogegen sich Karo (כסף משנה) wendet. Vgl. dagegen bes. Tuan. 26b.

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