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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 10. (1900) · p. Seite 74

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 10. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 eine Begebenheit aus den Tagen Johann Hyrkan’s in die Zeit Alexander Jannai’s verlegt. Dass der dort berichtete Vorfall sich unter Johann Hyrkan zugetragen habe, ersieht man aus Joseplius (Ant. XIII, 10 5.*). Der Talmud bezieht aber diesen Vorfall auf Januai,**) wie dies unzweideutig aus den Schlussworten ןיהרני כל חכמי ישראל hervorgeht, die nur von der Zeit Alexander Jannais verstanden werden können. Man sieht jedenfalls, dass Alexander, als Anhänger der Sadducäer, beim Volke sehr verhasst gewesen sein muss. Um dem Hasse stets frische Nahrung zu geben, greift man gierig nach jedem Mittel, das den Jannai bei den Pharisäern verdächtigen musste, und man legt ihm sogar ganz ungescheut Dinge zur Last, die Jannai gar nicht zu verantworten hatte. Allein warum dies? Konnte man denn dem flagranten Gesetzesübertreter gegenüber verlegen sein? Warum trat Niemand mit dem Vorwurfe auf, der Hohepriester Alexander Jannai habe sich erkülint, die Wittwe seines Bruders zu heirathen? Ist das nicht höchst befremdend? Wie soll man ferner verstehen, was Joseplius (Ant. XIII, 1(5.1.) über den Anfang der Regierung der Salome Alexandra berichtet, wenn diese Salome mit der Wittwe Aristobul's identisch sein soll? Alexander stirbt und überlässt das Reich seiner Gattin, Sie weiss augenblicklich ein gutes Einvernehmen mit den Pharisäern zu unterhalten und sich deren Sympathieen in dem Masse zu gewinnen, dass die Pharisäer sich sogar bis zu Lobeserhebungen auf Alexander Jannai versteigen, wie uns dies Joseplius ganz unzweideutig versichert (Ant. XIII, 1(5,1.): Tf)? ’opYT); auxoöj xij; 7tpö; 'AXeljavöpov 2rcat,6ev und weiter 01 81. . £SrjjJ10Y<5pouv . . 8xt 6£xa01.׳; aötot;; ’axoXo’.xo ßa6tXeüj. Wenn wir uns auch denken künuen, dass die Pharisäer jetzt dem Alexander Jannai die grausamen Verfolgungen und Pharisäerhetzen vergassen. so können wir doch nicht begreifen, wie sie ihn als ocxaio; preisen konnten, "ד vB1. auch Krankei, דרכי המשנה p. 33. *•) Gelegentlich sei es uns gestattet, einige Worte über die etymologische Ableitung des Namens נאי' zu bemerken. Derenbourg entscheidet sich mit Eevy, Ewald u. A. in seinem essai etc. p. 80. Aum. und p. 116 Anm. gegen Griitz, ׳“נאי sei nicht aus pHI', sondern aus יונתן verkürzt. Wir glauben gleichwohl, Griitz gebe die richtige Ableitung. Wenn Midrasch Kohelet IX, 10 und Baba mezia 86b in den Namen Jannai und Jonathan variiren, so können sie in der That zwei individuell verschiedene Personen meinen. Dagegen scheint uns die Kontroverse Berucliot 29a für die von Griitz gegebene Ableitung zu sprechen. Dort heisst es: אמר אביי היא ינאי הוא יו־ונן רבא אמר ינאי לחוד ויוחנן להוד ינאי רשע מעיקי־ו ויוחנן צדיק מעיקרו. Vor Allem wird aus dieser Kontroverse klar, dass essich hier um zwei ganz bestimmte und eoncrete Personen aus dem Hause der Makkabäer handelt. Wenn ulso Almje sagt: הוא ינאי הוא יוחנן, so ist für ihn der Name Jannai keineswegs ein Collectivname, wie ihm Derenbourg dies p. 80 Anm. imputirt. Die Controvcrse über die ldentilicirung gerade dieser beiden Namen erscheint an sich sehr merkwürdig. Sollten etwa chronologische Schwierigkeiten und historische Bedenken sie veranlasst haben? Wenn aber נאי' etymologisch auf יזחנן zuriiekzuführen ist, versteht mau sehr wohl, warum Abajc sagt: הוא ינאי pnV הוא. Mau wird in dieser Ansicht noch bestärkt, wenn man die Entgegnung würdigt, die liaba dem Abaje gegenüber geltend macht. Er sagt: ינאי רשע מעיקרו יוחנן צדיק מעיהרו. Warum entgegnet er nicht ganz einfach: ״Jannai und Joliauan sind ja zwei an sich ganz verschiedene Namen. Wie sollten sie einer und derselben Person zukommen?‘'? Hitzig acceptirt auch die von Griitz angegebene Erklärung (Gesell, der Isr. p. 475.), denkt sich aber auch in gelehrter Absurdität deu Namen Jannai als hebräisches Wort und giebt es mit ״der Unterdriicker, der ״Würger“ wieder. Irrthiimlicli übersetzt Derenbourg, essai etc. p. 71 יוחנן כ״ג mit ״Jonathan, le gram! pretre.“ ihn, dein Ungerechtigkeit und Gesetzesübertretung den Weg zum Hohenpriesterthume und zuin Königsthrone bahnten. Doch wollte man dieses Bedenken nicht gelten lassen und etwa einwenden, die Pharisäer hätten nach Alexanders Tode leicht alle seine Verstösse gegen die pharisäische Lehre vergessen, weil Salome ihnen den ausgedehntesten Einfluss auf die Regierungsgeschäfte garantirt hatte, so wird sich doch keineswegs ihr Verhältniss zu Simon ben Schetach begreifen lassen, wenn sie wirklich mit der Wittwe Aristobul’s identisch sein sollte. Wie der Talmud und die rabbinischen Quellen*) mehrfach bezeugen, war Salome die Schwester des Simon ben Schetach. Simon ben Schetach wird uns als Hort der Pharisäer geschildert, welcher ohne Bedenken die äussersten Consequenzen der pharisäischen Lehre vertritt, welcher, nur das Gesetz im Auge, selbst dem allgewaltigen Alexander Jannai entgegentritt. Simon ben Schetach steht aber immer iu freundlichen, ja intimen Beziehungen zu seiner Schwester. Muss Simon vor Jannai fliehen, weiss Alexandra um seinen Aufenthaltsort. Nach Alexander s Tode steht er an der Spitze des Synhedrions und der Staatsverwaltung. Simon ben Schetach, wie wir ihn kennen, würde sich nie dazu hergegeben haben, mit seiner Schwester in irgend welche Verbindung zu treten, wenn sie es gewagt hätte, als Wittwe dem Hohenpriester Alexander Jannai die Hand zu reichen. Noch eine Erwägung ist hier in Betracht zu ziehen, auf welche wir näher eingehen wollen. Wir haben bisher immer als selbstverständlich vorausgesetzt, Jannai sei sofort nach seines Bruders Ableben dessen Nachfolger in der Würde des Königs und des Hohenpriesters geworden. Diese Annahme dürfte sich auch genau mit dem genauen Sachverhalte decken. Nehmen wir aber einmal an — was doch immerhin möglich, wenn auch sehr unwahrscheinlich ist — Jannai habe nach dem Tode seines Bruders einige Zeit verstreichen lassen, ehe er das Amt eines Hohenpriesters auf sich genommen. Dagegen habe er sich sofort die Königskrone aufs Haupt gesetzt und thunlichst bald die Frau seines Bruders in die Ehe geführt. Jannai wäre alsdann dem Odium entgangen, durch Schliessung einer dem hohen Priester unerlaubten Ehe bei den religiös gesinnten Schichten des Volkes öffentlich Aeger und Anstoss zu erregen. War es doch nur dem Hohenpriester untersagt, eine Ehe mit einer Wittwe einzugehen. Jedem andern Priester war und ist es gestattet, eine Wittwe zur Frau zu wählen. Viel ist uns indessen mit dieser Coinbination auch nicht geholfen. Hier handelt es sich um eine Königswittwe. Nach der Norm des mosaisch-talmudisclien Eherechtes durfte die Wittwe eines Königs nicht zu einer zweiten Ehe schreiten. Jannai hätte hier die Schwagerehe (Jibbum) vollzogen. Das wäre aber doppelt schwierig und bedenklich gewesen. Nach der religionsgesetzlich geltenden Anschauung durfte der König nicht eine Wittwe, auch nicht eine Königs wittwe heirathen. Noch viel weniger durfte der König die Leviratsehe vollstrecken, noch die Schwägerin durch den Act des Schuhausziehen s (Chaiizah) für eine anderweitige Verheirathung frei geben. (!היתר יבמה לשור). Nur ein Mischnahlehrer will dem Könige gestatten, eine Wittwe und selbst die Wittwe seines Bruders

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