Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 10. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mo. 10. -1900. Jüdisches Jahrfr XXIV. Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung aller Judenthuin und Juden betreffenden litterari&chen Er* aeheinuogen auf dem Gebiete der Philo• Sophie, Geschichte, Ethnographie, Theologle, Orientalin, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Siegfried Cronbach in Berlin W. 57. Bücher der einschlägigen Litter&tur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird,« sowie Briefe und Manuskripte sind an die Redaction, Inserate u. Beilagen an die E x p e ־ dition franco einzusenden. Das trJUäl»ohe Litteratur-Blatt“ erscheint monatlich im Umfange eines ganzen Bogens und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch Siegfried ('ronbach in Berlin W. 671 vierteljährlich eine Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ״ItreelltUohan Woohaiaokrlft* (Redacteur M. A. Klausner), welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 2.50 ■. kostet, erhalten das ,,Jüdische Litteratur-Blatt" als Orätla-Beilage. — Inserate werden mit 30 die viergespaltene Zelle berechnet und sind an die Expedition in Berlin zu senden. W Unbefugter Nachdruck aue diesem Blatte ist nicht gestattet. Die Regierungszeit der Königin Salome Alexandra u. Simon ben Schetach. Von Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch. II. Doch lassen sich gegen diese drei Punkte manche wichtige Bedenken geltend machen. Zunächst wenn die chronologischen Angaben, wie sie uns vorliegen, richtig sein sollen, so sprechen sie gerade zu Gunsten der von Grätz aufgestellten Ansicht. Wie Josephus Ant. XV, 6,3 berichtet, war Hyrkau, Alexander Jannai’s Sohn, im Jahre 29 v. Chr. über 80 Jahre alt, also mindestens im Jahre 110 v. Chr. geboren. Demnach muss Alexander schon im Jahre 111 v. Chr. mit der Salome vermählt gewesen sein, während Alexanders Bruder, Aristobul, erst im Jahre 105 v. Chr. stirbt. Was die Namensgleichheit der beiden Frauen betrifft, so ist diese ein ganz unwesentliches Argument, besonders wenn man bedenkt, dass gerade im makkabäischen Hause der Name Alexandra keineswegs zu den Seltenheiten gehört. So kennen wir z. B. auch eine Tochter Hyrkan’s II. unter dem Namen Alexandra. Wenn übrigens auch Aristobuls Wittwe dessen Brüder befreit und dem Alexander Jannai die Krone überträgt, so folgt daraus noch nicht, dass sie mit Jannai sich vermahlt habe. Es muss im Gegeutheile befremden, dass Josephus, welcher mit aller Ausführlichkeit und Umständlichkeit die geringfügigsten und sagenhaftesten Details über das Complott zu erzählen weiss, in welehern Aristobul s Frau, als glückliche Intrigantin gegen das Leben des Antigonus, eine so verhängnisvolle Rolle spielt, auch nicht mit einer Silbe davon spricht, Alexander habe Aristobul’s Frau genommen. Es ist dies doch an und für sich nicht gleichgültig und hätte hier noch um so mehr Interesse gehabt, da dieselbe Frau später dazu berufen war, das Ruder des Staates selbst in die Hand zu nehmen. Warum verabsäumt Josephus uns dieses zu erzählen hier, an der geeignetsten Stelle, wo er den Alexander Jannai die Krone aus der Hand der Wittwe Aristobul’s empfangen lässt? Ist dies nicht höchst auffallend? Warum kargt er so mit den Worten? In den Ant. XIII, 12.1 sagt er nur: Tawatcv xöv ’AXfljavSpov ßa6tX£a xa^^xr(6: xöv xa5’ TfjXixCav 7cpoöyovra xal \1&xp16xvqa und ganz analog B. J. I, 4.1: A!16a 8’ifj yov־?) ■toö{ dSeXipoüf aötoO ßa61Xia xafK617)61v ’AX^avSpov ■tiv xal xaO•’ VjXtxlav xal peTptörrjTa xpoö^etv Scxoüvxa. Ja, noch mehr. Da, wo Josephus uns erzählt, Alexander Jannai habe bei den Wasserlibationen am Hüttenfeste durch sein ostensives Ausserachtlassen der pharisäischen Form im Tempel einen Tumult der gekränkten Pharisäer und des versammelten Volkes gegen sich provocirt, lässt er die Tumultuanten den Vorwurf erheben (Ant. XIII, 13.5.), Alexander sei atyjiaXdrroo Y&YGvdxa, Alexanders Mutter sei noch vor der Geburt ihres Sohnes in Gefangenschaft gerathen. Mit Recht wundert sich Frankel,*) wie Josephus dazu komme, die Mutter Johann Hyrkan's wie die des Alexander Jannai Gefangene sein zu lasseu, während dies doch nur von Hyrkan’s Mutter gelten kann. In der That, wenn Alexander wirklich als Hoherpriester die Bruderwittwe genommen hat, warum erheben die Pharisäer bei Josephus einen unberechtigten Vorwurf gegen Jannai, warum• nicht lieber den wohl begründeten, Jannai habe als Hoherpriester eine Wittwe geheirathet? Und lässt es sich überhaupt denken, dass ein Volk, welches es seinem Hohenpriester nicht verzeihen kann, dass er bei seinen Amtshandlungen einen ganz unwesentlichen Akt, der sich nicht einmal aus der Schrift herleiten lässt, ausser Acht lässt, mit gleichgültigen Augen einen Hohenpriester über sich gesehen haben werde, der nur durch flagrante Gesetzesübertretung in den Besitz dieser Würde gelangt? Hätte Alexander Jannai als Hoherpriester die Bruderwittwe geehelicht, so hätten die Pharisäer augenblicklich daran Anstoss nehmen müssen. Und doch spricht Alles in unseren Quellen dafür, dass Alexander Jannai gerade in den ersten Jahren seiner Regierung ein ganz leidliches Verhältniss mit den Pharisäern unterhalten, ja sogar den eifrigsten Vertreter dieser Partei damals an seinen Hof gezogen habe Dass die Wittwe Aristobul’s mit der Gattin Jannai’s und der nachmaligen Königin Salome Alexandra nicht identisch sei, gewinnt immer mehr Wahrscheinlichkeit, wenn wir die talmudischen Quellen zu Rathe ziehen. Babli Kidduschin 66a wird *) Krunkel, דרכי המשנה•!.eipzig 1859 p. 36 Note 6.