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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 9. (1900) · p. Seite 68

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 9. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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68 sehen sei. Indessen sind bereits die alten jüdischen Erklärungen zum Theil anderer Meinung. Im halachischen Midrasch wird zur genannten Stelle aus Lev. eine doppelte Recension gegeben3). Die erste sagt zu V. 22: ln diesem Augenblicke erlangte er (Aharon) die priesterliehen Abgaben3) und das Recht, den Priestersegen zu sprechen (4זכה כנשיאת כפים) für sich und seine Nachkommen bis zur Auferstehung der Todten; in der letzteren dagegen heisst es: ״Und er segnete sie“, d. i. eine nicht geoffenbarte Segensform, deren Wortlaut man noch nicht kennt, aber die Schrift erklärt sie nachher mit den Worten: Der Herr segne dich und behüte dich bis: Und Er gebe Dir den Frieden!1 Man sieht, dass beiden Recensiouen, besonder? der zweiten, der Gedanke zu Grunde liegt, dass A laron auch den ״Priestersegeu11 gesprochen habe. In diesem Sinne äussert sich auch Raschi. Nachinanides schwankt und bringt die Möglichkeit zur Sprache, dass hier immerhin ein allgemeiner Segen gesprochen wurde, ähnlich wie es Salomo tliat (1. Kon. 8, 22, 54 fE); sonst müsse man annehmen, dass entweder Nnin 6,22 ff vor unserer Er- Zahlung in Lev. gesprochen worden u. 8. w., wie auch Num. 7,1 besagt, vor Aufrichtung der Stiftshütte, oder dass Lev. 6,22 eine einmalige, für Aharon bei der Einweihung der heiligen Gotteswohnung gegebene Vorschrift, Num. a. a. O. aber die dauernd giltige enthalte. Die Hauptstelle für den Priestersegen findet sich (auch nach jer. Taanit 67b Ende) jedoch, wie gesagt Num. 6,24—26. Dass aber der dort in drei Sätzen mitgetheilte Segen ursprünglich in Einem Satze gesprochen wurde, geht u A. aus Misclmah Tamid 7, 2 hervor, wo es heisst: Sie (sc. die betr. Priester) segneten das Volk mit Einem Segensspruche; späterhin jedoch sprach man ihn ausserhalb des Tempels (במדינה) in drei Sätzen und nur im Heiligtlmm in Einem. Erst auf Midrasch (und MasorahV) scheint der dreitheilige Segen (ברכה משולשת) zu basiren. Bevor ich auf die Besprechung der mischnisch-talmudischen Quellen näher eingehe, will ich Misclmah Tamid V, 1 einer Beleuchtung unterziehen. Dort heisst es: Der Vorgesetzte (ממונה) sprach zu ihnen (den Priestern): Spi’echet einen Segensspruch rmd sie sprachen ihn; dann sagten sie (auswendig) — •der Ausdruck קראו ist hier stereotyp für etwas gebraucht, was in der heiligen Schrift, deren Text sonst nur nach dem schriftlichen Wortlaute vorgelesen werden durfte (דברים שבכתכ אי אתה רשאי לאומרן בעל פה Temurah 14b, Gittin 60b), steht; daher ihr Name מקרא — die Zehngebote, die drei Abschnitte des שמע״‘‘, dann sprachen sie mit dem Volke drei Segenssprüche: אמת ויציב, die Aboda (d. i. רצה und מודים) und den Priestersegeu —" In diesem Sinne erklärt Rasclii obige Mischna in Berachotli 11b. Die zuerst genannte ברבה ist nach dem Talmud an letztgenannter Stelle entweder יוצר אור oder אהבה רבה; die ג) Die erste liintet sich im Sifrä (eil. NVeiss), 17 8 שמיני, die /.weite il». SS 2!) mul 30. Letztere, die vollständiger ist, wird von A hr 11 h:1m beu David (ראב״ד) mit folgenden Worten näher bestimmt: זה מדרש פנים אחרים הוא (vgl. auch seine Bemerkung zu § 27). Es ist die Lesart, welche der hanilschri f tliche M i dr a 8 c h h a - g a d o 1 allein enthält und die sich auch vollständig jer. Taanith 67 c wioderfindet. Vgl. auch Pesiktha sutrata, Midrasch agadah /.St. s) Vgl. Den). 18,3—5. *) rabd liest זכה לברכת נהנים. jüdischen Gelehrten haben sich für letztere entschieden. Die Worte את העם, die Raschi durch, ״mit dem Volke“ übersetzt, streicht Asch er i mit Recht (vgl. auch Schitta mekubezeth zu Tamid), weil, nach Joma37b zu dieser früheu Tageszeit das Volk noch gar nicht das Morgengebet verrichten durfte ׳>) Welcher Segensspruch unter עבודה zu verstehen sei, giebt Raschi a. a. 0. au. Das unter dem Sprechen des ״Priestersegens1• nicht der feierliche Act zu verstehen ist, der erst nach dein תמיר של שחר und dem Darbringeu des Räucherwerks vollzogen wurde, wird allgemein anerkannt (vgl. auch Tosephöth Berachot St.ichw. וברכה); es ist nur das Recitiren der drei Sätze desselben gemeint, wie es ja bei uns noch heut bei Beginn des Morgengebetes geschieht. Maimonides, der überhaupt an dieser Stelle vom Sprechen des Priestersegens nichts wissen will, ersetzt in mich. Temidim vi,4 die Worte ועבודה וברכת כהנים durch רצה ומודים ובדם עלום und bemerkt im Misclmahcommentar zu Tamid IV, dass das Volk diese drei Gebetstücke gesprochen hätte״). Ich kann nun nicht umhin, zu erklären, dass nicht nur diese Erklärungen der Misclmah, sondern auch der recipirte Text derselben mir unhaltbar erscheinen. Man bedenke zunächst, dass zur ersten Tempelzeit überhaupt wohl weder יוצר אור noch אדבה רבה fixirt waren, während selbst zur Zeit des zweiten Tempels in diesem der Opferdienst wieder den Gottesdienst verdrängte; und wenn auch Maimouides im Mischnahcommentar hinzufügt, dass die betr. Priester nach Tagesanbruch יוצי* איר nachgeholt, so ist davon in der Misclmah durchaus nicht die Rede. Ferner: wäre diese eine ברבה einer der jetzt vor dem שמע gesprochenen Segenssprüche gewesen, so hätte sicherlich keine Unterbrechung durch das ״Lesen“ der Zehngebote stattfinden dürfen, wie die Misclmah angiebt. Wir dürfen vielmein• den Grundsatz festhalten, dass im Teגוזpel nur Stücke aus der heiligen Schrift zur Verlesung kamen — nicht einmal der späterhin bedeutsame Segens- Spruch über das Waschen der Hände wurde dort gesprochen — und bevor solche recitirt werden, geziemte es sich, einen Segensspruch über die Thora, der vielleicht noch nicht redigirt war (dahernn# )zu sprechen. Ein solcher nur ist unter der ברכה אחת zu verstehen, zu welcher der סנן הכהנים die anwesenden Priester in der Misclmah aufforderte. Ich kann zur Unterstützung meiner Behauptung auf die Discussion im babyl. Talmud (Berachot 11b) selbst verweisen, insofern dort auch die Besprechung der Frage, welcher Segensspruch vor Beginn des Bibelstudiums gesprochen werden solle, die Erörterung der Mischnah aus Tamid folgt. Die Worte s) Burtinorn liest .והם ברנו גי ברכות אח״נ אמד שהעם מנרנין שלש ברכות שהם אמת ויצב ורצה ומודים ושים (״ שיום. Die weiteren Worte lassen nicht klar dnrchhlicken, ob diese 3 Stücke vom Volke oder von den Priestern gesprochen wurden mit Bezug auf das Volk. Jedenfalls liest aucli Maimonides: וכרכו את העם, wodurch das erstere wahrscheinlicher wird. — Den Ansdruck שים שלום für den in der Misclmah stellenden יב״נ für den die Commentare (8. S. »Straschuu z. St.) Erklärungen geben wollen, hat Maimonides ans dem Midrasch liagadol resp. Sifrc sutta, wo sich (in Num. 28) auch der Ausdruck וקורץ schon vor אהבת עולם findet, während sonst höchstens von אהבה רבה (aus dem Morgengebete) die Rede ist. Der Jcruschalmi acceptirt also die Ansicht der Rabbanan im Babli. Auch ראב״ד z. St. erklärt die 8״ Bernclioth“, wie Maimouides.

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