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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 9. (1900) · p. Seite 67

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 9. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 äusseren Kriegen bedroht schien und in dessen Innerem die Wogen der Parteistreitigkeiten zwischen Pharisäern und Sadducäern bis auf’s Höchste gestiegen sein mochten. Allein, wenn Jannai, der Hohepriester, wirklich die Bruderwittwe geehelicht hat, warum verschweigt uns dieses Josephus? Er, als Jude, hätte schon der Abnormität wegen von dieser Ehe Notiz nehmen und diesen Schritt Jannai’s rügen oder in seiner Art beschönigen müssen. Seine Hauptquelle der Flüchtigkeit und Vergesslichkeit zu zeihen, blos um seine Ansicht zu retten, dies scheint uns nicht die Methode des exacten Forschens zu verrathen. Und bleibt denn nach Hitzig’s Annahme nicht auch noch Vieles rüthseihaft? Warum befreit die Salome des Aristobul, jenes angeblich so herrschsüchtige Weib, die Brüder ihres Gatten aus dem Kerker? Wehn sie wirklich von Herrschsucht so sehr beseelt war, so hätte sie in ihrem Interesse sicherlich vortheilhafter gehandelt, wenn sie ihre Schwäger weiter in Haft gelassen und die Krone für sich usurpirt hätte. Hatten die Kerkermauem dem Aristobul seine feindlichen Brüder unschädlich gemacht, hätten dieselben, noch weiterhin eingekerkert, auch der Wittwe Aristobul'8 nicht gefährlich werden können. Hatte doch schon Johann Ryrkan seine Frau zur Nachfolgerin eingesetzt und somit einen günstigen Präcedenzfall für Aristobul’s Wittwe geschaffen. Um die Tliat. der vermeintlich so herrschsüchtigen Salome zu begreifen, muss man noch ein anderes Motiv zu Hilfe nehmen. Sie muss nach den Freuden des Ehe- Standes lüstern und von Liebe für Jannai entbrannt sein. Allein warum befreit sie alsdann auch die beiden Brüder Jannai’s? Sie musste doch von dieser Seite Gefahr für die Krone befürchten, wie ja in der -Tliat Jannai, unseren Berichten zufolge, den Bruder, welcher ihm gefährlich zu werden anfing, bei Zeiten aus dem Wege räumte. Mit dem Einwande, wie der Hohepriester eine Wittwe habe heirathen dürfen, wird freilich auch Hitzig leicht fertig. ״Der Hohepriester sollte zwar — wie er einräumt — keine Wittwe heirathen; aber Aristobul starb kinderlos und für solchen Fall war Schwagerehe Gebot.“ Woher mag wohl Herrn Hitzig diese Wissenschaft gekommen sein? V. M. XXV, 5,6 ordnet allerdings die Schwagerehe an für den Fall, dass Jemand kinderlos stirbt; giebt aber gleichzeitig daselbst 7—11 Verlialtungsmassregeln an, wenn der Schwager sich weigert, die Leviratsehe einzugehen. Man sieht also, dass zur Leviratsehe überhaupt Niemand gezwungen werden kann, und der Hohepriester, der selbst den anderen Priestern gegenüber eine Ausnahme- Stellung einnimmt, dem III. M. XXI, 13. 14. ganz speciell eingeschärft wird, eine Jungfrau zu ehelichen, sollte verpflichtet sein, die Wittwe des kinderlosen Bruders zu heirathen? Auch Ezechiel XL1V, 22, worauf Hitzig sich beruft, kann Nichts beweisen, so lange der zwingende Nachweis fehlt, dass dort auch der Hohe priester mit einbegriffen sein müsse. Wenn also Hitzig sagt, Ezechiel gestatte den Priestern ״ohne Ausnahme des Hohenpriesters“ die Wittwe eines Priesters zu eheliehen, so ist dieser letztere Zusatz eine ganz willkürliehe Interpolation, an die Ezechiel nicht entfernt gedacht zn haben braucht. Und wenn Ezechiel, wie wir vorauszusetzen vollkommen berechtigt sind, den Hohenpriester von seiner Vorschrift XLIV, 22, ausgeschlossen hat, dann gestattet er den Priestern, den ״Söhnen Zadok’s“ Nichts; er legt ihnen vielmehr eine Beschränkung auf, indem er ihnen nur die Wittwe des Priesters zu ehelichen erlaubt, während es allen anderen Priestern mit Ausschluss des Hohenpriesters frei steht, jede Wittwe, auch die des Israeliten, zu heirathen, weil sich im Pentateuche nirgends ein diesbezügliches Verbot findet. Wenn wir die Verhältnisse, die bei der Feststellung der Person der Salome Alexandra zu berücksichtigen sind, genau erwägen; 80 stellt sich heraus, dass allerdings Manches zu Gunsten der von den Meisten vertretenen Ansicht, Vieles jedoch, ja das überwiegend Meiste zu Gunsten der von Grätz aufgestellten Ansicht spricht. Des Alexander Jannai Gattin mit Aristobul’s Wittwe zu identificiren, scheint aus den folgenden drei Rücksichten gerathen zu sein. Dass Aristobul’s Wittwe Jannai’s Gattin geworden sei, scheint zunächst schon glaublich wegen des Miss- Verhältnisses der Jahre. Alexandra erscheint nämlich nach unseren chronologischen Angaben bedeutend älter, als Alexauder. Es liegt daher nicht fern, anzunehmen, Alexander habe der Krone zu Liebe sich dazu verstanden, die ihm an Alter weit überlegene Bruderwittwe zu heirathen. Bestärkt kann man in dieser Annahme noch werden durch den ganz gleichen Namen, den beide Frauen führen. Von Aristobul’s Gattin sagt uns Josephus ausdrücklich, sie habe Salome Alexandra geheissen Jannai’s Gattin kennt er freilich nur unter dem Namen Alexandra; aber die talmudischen und rabbinischen Quellen zeugen ganz unwiderleglich dafür, dass diese Alexandra auch den Namen Salome geführt haben müsse. Zieht man endlich noch den Umstand in Erwägung, dass die Wittwe des Königs dessen Brüder aus dem Kerker befreit und dem Jannai die Krone auf’s Haupt setzt, wie uns dies Josephus ganz klar berichtet (Ant. XIII 12. 1). so liegt es allerdings nahe, dass sie, die kinderlose Wittwe, dem Jannai mit der Krone zugleich ihre Hand werde übertragen haben. (Fortsetzung folgt.) Der Priestersegen in seiner liturgischen Entwickelung dargestellt von I)r. B. Koeuigsberger, Kabbiner in ]Meschen. Bevor wir zu unserem eigentlichen Material übergehen, wollen wir eine hierher gehörige Pentateuchstelle besprechen. Bei den Worten (Lev. 9,22): ״Aliaron erhob seine Hände1) zum Volke hin und segnete es; dann stieg er herab von der Zubereitung des Sündopfers und des Ganzopfers‘1 lag es nahe, anzunehmen, dass Aliaron auch hier den bekannten, Num. 6,24—26 angegebenen Priestersegen gesprochen habe und die letztgenannte Stelle als Ergänzung zur Stelle in Lev. anzu- *) ידו (Kethib) ist, wie sonst wicderholcntlich und auch diu» Qre anzeigt, in collectiveni Sinne zu nehmen. Vgl. lies. I>eut. 21,7, wo eigentlich nach dem Kethih שפבח vorher ידנו (def.) zu lesen int. — In den Haguhoth Maimuniöth zu ]lileh. Tefilluh 14 (Note 2) wird aus der Singularform ידו unter Hinweis auf Kxod. gefolgert und durch die Kahhalah bekräftigt, dass *lie i'riester die rechte Hand et was höher liehen sollen als die linke. Vgl. dazu Mahnril (cd. Warschau 1874) pg. 02 b.

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