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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 9. (1900) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 9. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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und namhafte Gelehrte vertreten in der That diese Ansicht. Wie Jost.*) bezeugt, ״hat schon der grosse Petavius (nniinadv. ad Epipli. pg. 52) vermuthet, dass sie (Salome) den Alexander geheirathet habe und eben dieselbe Frau sei, die nochmals Königin wurde". Jost selbst billigt diese Ansicht**) und spricht sie später***) ganz unumwunden aus, wobei er sich in einen Widerspruch verwickelt. Denn er sagt: ״Desto lebendiger wird die Geschichte des Synhedriums oder richtiger der Gesetzlehre unter Jannai Alexander, dessen Gattin Salome Alexandra, eine auch dem mosaischen Gesetz zuwider geelielichte Bruderwittwe, ihm an Geist wie an Jahren überlegen, der pharisäischen Lehre besonders zugetlian war.“ Nun nimmt aber Jost selbst an*), Alexandra müsse mindestens 20 Jahre jünger gewesen sein, als Josephus angiebt. Alsdann ist sie aber auch um einige Jahre jünger als ihr Gemahl Alexander. Wie kann Jost demnach sagen, Salomesei dem Alexander ״an Jahren überlegen“ gewesen? — Uebrigeus wird seine Ansicht über die Persönlichkeit der Salome auch von Landauf), Ewaldff) und Hitzigfff) getlieilt. Dagegen macht Grätzf*) die Ansicht geltend, unsere Salome Alexandrasei nicht Aristobul’s Frau gewesen. ״Alexauder wird viemehr — lauten seine Worte — ohne Vorschub von Aristobul’s Wittwe nach dem Rechte der Erbfolge, weil sein älterer Bruder kinderlos gestorben war, den jüdischen Thron bestiegen und Salome, in strenger Beobachtung des priesterliclien Ehegesetzes, als Jungfrau in sein Haus eingeführt haben.“ Dem gegenüber erwächst uns die Aufgab(;, in dieser Frage Partei zu ergreifen, und wir werden uns bemühen, durch uubefangenes Prüfen der Gründe diese Frage wo möglich abschliessend zu erörtern, und uns nach Massgabe unserer Resultate für die eine oder andere Ansicht entscheiden. Von Allen, welche die Gattin Alexander Jannai’s mit der Frau seines Bruders Aristobul identificiren, suchen nur Ewald und Hitzig ihre Ansicht zu begründen. Ewald äussert sich hierüber, wie folgt: ״Seine kinderlos»; Witwe übertrug die Herrschaft zugleich mit ihrer H and4) dem ältesten der noch lebenden drei Brüder, Jonathan oder, wie er verkürzt hiess, Jannai (Jannäos).“ Note 4 daselbst fügt er die Worte hinzu: ״Nach der Schwagerehe; dass aber der Hohepriester eine Jungfrau heiratheu sollte, kam hier um so weniger in Betracht, jemelir diese Fürsten sich zunächst nur als Könige fühlten.“ Allein dieser Beweisgrund ist sehr schwach und hinfällig. Mit demselben Argumente getrauen wir uns auch zu beweisen, dass Alexander Jannai einen Harem von (!000 Sklavinnen unterhalten habe. Zwar sagt die Schrift ausdrücklich: ״Auch soll er (der König) sich nicht vieleWeiber nehmen“; *) Jost, Geschichte <l»‘r Israeliten. Berlin 1820. 1. B!111<1, Anfang p. 80. ••) ibiil. ***) Jost, (ieschichte des Judenthums und seiner Sekten. Leipzig 1870 p. 286. f) Krankel, Monatsschrift u. s. \v. Leipzig 1863. II. Jahrgang p. 116 (eig. 170). ff) Kwahl.UeschichteiiesVolkeslsrael. 3. Ausgabe.Göttingen 1864. IV. Band p. 604. fff) Hitzig, Geschichte des Volkes Israel. II. Theil. Leipzig 1869. p. 476. '(NfKM *"*14 f•) Griitz, Geschichte der Juden. 2. Auflage." |Ia:ipzig 1868. 111. Bund p. 106. (V. M. XVII, 17) allein dies kam hier um so weniger in Betracht, — könnten wir sagen — jemehr diese Fürsten sich zunächst nur als orientalische Sultane fühlten. Wahrlich, wir müssen uns wundern, wie ein Mann, der auf so leichte Weise Hindernisse zu beseitigen vermag, überhaupt noch auf Schwierigkeiten stossen kann. Weit gründlicher geht Hitzig auf diese Frage ein und er macht jedenfalls wichtige Gesichtspunkte für seine Ansicht geltend. Doch hören wir ihn selbst! ״Jetzt nach des Gemahls Tode — lauten seine Worte — entledigte die Wittwe Salome ihre Schwäger der Fesseln und vergab als an den ältesten und tüchtigsten den Thron nebst ihrer Hand an diesen Alexander, weshalb sie griechisch Alexandra genannt war .... Heisst Aristobul’s Salome bei den Griechen Alexandra, so umgekehrt des Jannäos Alexandra den späteren Juden Salome (s. Derenbourg a. a. O. p. 102). Und sollte Aristobul's Wittwe nur einfach und bedingungslos ihren Schwager zum Könige gemacht und dann sich in das Dunkel zurückgezogen haben? Josephus wüide, zwei Frauen Namens Alexandra unterscheidend, den Leser geflissentlich beirren; und er vergisst vielmehr, dass Salome den Jannäos heirathete, zu melden, nachdem ihm die Notiz, sie. sei eben die Alexandra, genügte. Der Hohepriester sollte zwar keine Wittwe heirathen (III. M. XXI. 13. 14.); aber Aristobul starb kinderlos und für solchen Fall war Schwagerehe Gebot. Auch gestattet Ezechiel ohne Ausnahme des hohen Priesters den ״Söhnen Zadoks“ (c. XI IV, 22) die Wittwe eines Priesters zu ehelichen; und darüber war man ja ebensfalls hinweggekommen, dass das Priesterthum dem Hause Aaron s zustand.“ Dagegen lässt sich jedoch Mancherlei einwenden. Vor Allem ist Hitzig's Ansicht, die Salome des Aristobul habe sich dem Alexander Jannai zu Liebe Alexandra genannt, nichts als leere Vermutliung, welche die des Beweises harrenden, ungegründeten Hypothesen ohne Noth um eine bereichert. Wenn er sich hierbei auf Derenbourg beruft, haben wir wenigstens an der von Hitzig citirten Stelle auch nicht eine Spur davon entdecken können. Derenbourg trägt p. 102 Note 2 nur die Namen zusanunen, die für Salome sich in den talmudisclien und rabbinisehen Quellen linden und bemerkt schliesslich, dass SaXap'jiuo, ein Name, den eine Tochter des Herodes bei Joseplius (Ant. XVIII, (3. 4.) führt, ihm mit Salome identisch zu sein scheine. Doch selbst zugegeben, Salome, Jannai’s Gattin, habe sich ihrem Gemahle za Liebe Alexandra genannt, warum 8011 das gerade die Salome des Aristobul gewesen sein? Jede Frau des Alexander Jannai, mochte sie welchen Namen auch immer führen, konnte dem Alexander zu Liebe sich Alexandra nennen. Hieraus kann also unmöglich die Identität der Salome des Aristobul mit der Alexandra des Jannai resultiren. Hitzig wirft die Frage auf: ״Und sollte Aristobul's Wittwe nur einfach und bedingungslos ihren Schwager zuin Könige gemacht und dann sich in das Dunkel zurückgezogen haben?“ Wir wollen diese Frage als berechtigt anerkennen, wiewohl sich ganz gut denken lässt, dass Aristobul’s Wittwe die ungestörten Freuden des Hoflebens der lästigen Sorge um die verwickelten Staatsgeschäfte vorgezogen haben mag in einem Reiche, welches von gefährlichen

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