Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 9. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 9. — 1900. Jüdisches Jahrg. XXIV. Litteratur-Blatt. Zur Beleuchtung *Her Judenthum und Jaden betreffenden litterari&chen Er• ■cheinungen auf dem Gebiete der Philo• •ophie, Geschichte, Ethnographie, Theo• logle, Orlentalia, Exegese, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Verantwortlicher Redacteur: Rabbiner Dr. M. Rahmer in Magdeburg. Verlag und Expedition: Siegfried Cronbach in Berlin W. 57. Bücher der einschlägigen Litteratur, deren Besprechung in diesem Blatte gewünscht wird, sowie Briefe und Manuskripte pind an die R e d a c t i o n, Inserate u. Beilagen an die Expe• dition franco einzusenden. Das ,Jfidisoli• Litteratur-Blatt“ erscheint monatlich im Umfange eines ganzen Bogens und kostet bei allen Buchhandlungen (oder bei direktem Bezüge durch ßlegfricd Cronbach ln Berlin W. 67) vierteljährlich eine Mark. — Die Abonnenten der in demselben Verlage erscheinenden ,,Israelitischen Woehensohrift“ (Redacteur M. A. Klausner), welche bei allen Postanstalten und Buchhandlungen vierteljährlich 2.50 ■. kostet, erhalten das ,,Jüdische Litteratur-Blatt“ als Orttls-Beilage. — Inserate werden mit 30 Pf|. die viergespaltene Zeile berechnet und sind an die Expedition in Berlin su senden. |g* Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. 'S■ Die Regierungszeit der Königin Salome Alexandra und die Wirksamkeit Simons ben Schetach. Von Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch. Wer die Entwickelungsgeschichte der Völker und Reiche mit aufmerksamem Blicke betrachtet, der wird sich der Wahrnehmung nicht verschliessen können, dass ganze Völker und Reiche mehr oder minder dazu berufen sind, dieselben Wandlungen und Entwicklungsphasen durchznmachen, wie der einzelne Mensch. Viele Völker haben bereits ihre weltgeschichtliche Rolle ansgespielt; und wenn die Geschichte die Thaten dieser Völker vor ihren Richterstuhl zieht, so wird sie an die Fakta, welche aus der naiven Kindheitsepoche eines Volkes datiren. einen ganz anderen Massstab legen, als an die, welche bereits ein gereiftes, in politischer Manneskraft dastehendes Volk zu vertreten hat. Was 6ie hier als unverzeihliche Schwäche brandmarkt, wird sie vielleicht dort als dem harmlosen Kindessinne dieses Volkes entsprechend, billigen und gut heissen. Wenn dieses sich im Allgemeinen von allen cultur-historisch wichtigen Völkern wird behaupten lassen, so gilt dies ganz besonders, wie wir glauben, vom jüdischen Reiche in den letzten Tagen seiner politischen Unabhängigkeit. Lässt man die Geschichte der Endzeit des politisch selbstständigen jüdischen Volkes an seinem Geiste vorüberziehen, vergegenwärtigt man sich die Regierungs־ epoche der kriegerischen Makkabäerkönige, die ihren Abschluss mit dem Tode der judäischen Königin aus diesem Hause findet, so wird man unwillkürlich an jenen Greis gemahnt, der nach mannigfachen Schicksalen und Abenteuern, nach mancherlei fehlgeschagenen Hoffnungen und vergeblichen Irrfahrten noch einmal ein glänzendes Abendroth seine Tage verklären sieht, der noch einmal in den Stand versetzt ist, manche kühne Hoffnung heute ebenso, wie in den Tagen rüstigster Manneskraft, verwirklicht zu sehen. Freilich deuten diese Glanz verheissenden Tage nicht gerade auf ferneres Glück, das noch im Schosse der Zukunft ruht; sie künden vielmehr nur um so sicherer den nahen Untergang an, gleichwie die Flamme vor ihrem völligen Verlöschen noch einmal hell und lebendig aufflackert. Auch dem jüdischen Volke kehren in den letzten Tagen seiner politischen Unabhängigkeit noch einmal Zeiten glorreichen Glanzes wieder. Dank den eifrigen Bemühungen der kriegerischen Makkabäerkönige gelingt es noch einmal die davidischen und salamonischen Grenzen wieder zu gewinnen. Noch einmal ist es dem jüdischen Volke gegönnt, den Becher des Glückes seinen Lippen nahe zu bringen. Nach siegreichen Kämpfen sind dem jüdischen Volke auch die Segnungen des Friedens noch einmal zugedacht. Ein müder Himmel begünstigt die Erzeugnisse des Bodens. Wohlstand und Reichthum ziehen noch einmal in die Wohnungen des jüdischen Volkes ein. Noch einmal vor seinem Verfalle erstehen in der Mitte dieses Volkes weise Männer, welche in edler Selbstverläugnung für Recht und Gerechtigkeit in die Schranken treten, welche, über alle kleinlichen Nebenrücksichten erhaben, nur des Volkes Wohlfahrt zu erstreben und sein religiöses Heil zu befördern suchen. Und an der Spitze des Ganzen steht eine milde, einsichtsvolle und hochherzige Königin, bei ihrem Volke beliebt und bekannt unter dem Namen Salome, von den Griechen Alexandra genannt.*) Doch wie? Haben wir nicht zu viel behauptet, wenn wir Salome Alexandra, die judäische Königin, mild, einsichtsvoll und hochherzig nannten? Sollte unsere Salome nicht vielmehr identisch sein mit dem intriganten und ränkevollen Weibe Aristobulsl., welches Palastintriguen und Hofcabalen mancherlei Art schmiedete, welches, wie Josephns berichtet die Hand im Spiele hatte, als es sich darum handelte, den edlen Antigonus, den Bruder des Königs Aristobul, durch arglistige Ränke aus dem Wege zu räumen? Viele *) In den talmudischen Quellen begegnet man diesem Namen in den verschiedensten Variationen. שלסתו lautet er im Midrasch rabbah Kohelet VII, 11, שלמינון in der Glosse zu Megillath Taanit c. X, § 24, שלמ*וז Vajkra rabba c. 86 und Sifra llOd, שמזומן und auch getrennt של* «יון in Sabbat 16 b, Taanit 28 a nach dem Citate von Tosafot zn Sabh. 1. c., 8. v. דאמר, in unserer Edition fehlt übrigens in Taanit der Name der Königin. Vgl. Derenbourg, Essai sur l'histoire et la göographie de la Palestin«, Paris 1867 p. 102, Note >. Nach Jos. Ant. XIII, 12, 1 lautet dieser Name ZaXu>|it] nach einer Variante XaXfvY].