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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 8. (1900) · p. Seite 63

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 8. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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63 — Der Gegensatz zwischen der israelitischen und nichtisraelitischen Auffassung dieses Begriffes muss mit aller Schärfe betont werden. Die religiös-ethische, unverfälscht jüdische Anschauung kennt nicht den Personen-, den Heiligen-Cultus. Wer steht dem jüdischen Bewusstsein höher, als Moscheh? Nie wird er משה הקדוש sondern schlicht und einfach רבנו genannt. Die Vermuthung des Verf. (§ 206 pg. 226 Anm.), ״dass die schärfere Zuspitzung des Begriffs der Gesetzlichkeit ihren Grund in der Polemik gegen die paulini8ch-christliche Anschauung hatte, die sich bekanntlieh in schroffer Weise gegen das Gesetz stemmt“, ist sehr plausibel. Wir wollen heute von dieser hochinteressanten, überaus werthvollen litterarischen Darbietung scheiden. Dem gelehrten Verf. sei schliesslich nochmals die wohlverdiente, grosse Anerkennung gezollt, dass er auf der Höhe seiner schwierigen Aufgabe steht und sie mit wahrer Meisterschaft beherrscht. Er hat fast allenthalben eine glückliche Hand, einen sichern Blick und das intimste Verständniss für die schwierigen Theile seiner herrlichen Arbeit bekundet. Diese Leistung mag befruchtend auf den Nachwuchs des gelehrten, modernen Juda einwirken! Mit grösster Spannung sehen wir dem Erscheinen des zweiten Theiles dieser Ethik des Judenthums entgegen. Mag dieses ganze bedeutende Werk bald das geistige Eigenthum des gebildeten modernen Juda werden! Lissa. I)r. Immanuel Deutsch. Deutsch Gotthard, Pli. Dr., Professor of History Hebrew Union College. Pliilosopliy of Jewish History. Ciucinnati, 0. The Blocli Publishing Company. (Schluss.) Man braucht kein Anhänger des Schulchan Aruch zu sein, um es anzuerkennen, dass das statutarische und organisatorische Werk, wo es auf die Quellen geprüft, sittliche Wahrheit und wahre Sittlichkeit enthält, denn doch wohl gerechte Beachtung verdient. Eine Fortentwickelung des jüdischen Lehrgehaltes 8011 jedoch mit diesem Buche keineswegs versagt sein. Die angezogenen Stellen aus dem Schulchan Aruch aber sind, sofern die Citate korrekt angegeben sind, keinesweges geeignet, gegen das Werk Stimmung zu machen, oder einzunehmen. Joreh Deah 141, 4 enthält die Bestimmung, dass die Anfertigung von Mondes- und Sternenbildern lediglich zum Zwecke artistischer Studien gestattet ist. Orach Chajim 307,10 führt die Bestimmung vor, dass frivole Lektion besonders an Sabbathen unstatthaft ist. Die zum Gemeinplatz gewordene ״lex Heinze“ bietet ja doch einen zeitgemässen Commentar zu dieser Norm. Auch möchte der Charakter der Vorschrift Josef Karo’s im Choschen Mischpat 17,3 durchaus nicht für so sehr veraltet gelten, welche es wünschenswert!! erscheinen lässt, dass die Juden, selbstverständlich zur Zeit ihres Ausschlusses aus der staatlichen Gemeinschaft, eine freiwillige Gerichtsbarkeit einführen; nachdem ihnen die gesetzliche Befugniss nicht zusteht, rechtsverbindliche jüdische Gerichtshöfe wieder herzustellen. (Vgl. S. 70) Mochte auch die Kabbalah zum Mysticismus und zu anderen Missbräuchen entartet worden sein, ursprünglich war die Kabbalah metaphysisch-ethische F>ke11ntniss. Diese wurde aus den Zügen und Zeichen der heiligen Schrift herausgelesen und von tief in das Wesen der Religion sich versenkenden Geistern mit erlösender Ein- Wirkung auf das Gemüth der Gläubigen verkündet. (Vgl. S. 73). Hinsichtlich der beiden Gaonim Scherira und Haja (S. 56), welche wie Ezechiel Landau und Raphael Cohen in ihrer Stellung betrachtet werden, kann ich nicht umhin, zu bemerken, dass der Gaon Scherira der Vertreter der talinudisch-wissenschaftlichen Richtung in vorwiegend historischem Sinne, der Sohn desselben, der Gaon Haja, der Vertreter der talmudischen Wissenschaft in philologischer Hinsicht gewesen ist*). Was die Persönlichkeit des seligen Direktors Dr. L. Frankel betrifft, möchte ich keineswegs der Ansicht zustimmen, dass dieselbe im Schatten der Romantik gebildet’ vom Dämmerlicht der historischen Synagoge Prag’s begeistert gewesen. Vielmehr war Frankel ein der religiösen Aufklärung mit ganzem Herzen ergebener Lehrer, dessen Streben nach Vernünftigkeit in tiefer Gläubigkeit und im historischen Bewusstsein der religiöaen Gemeinschaft wurzelte. Von diesem Gesichtspunkte aus ist das hochverehrte Oberhaupt der Breslauer Theologen-Schnle auch in der von dem seligen Rabbiner Samson Raphael Hirsch beregten dogmatischen Streitfrage zu beurtheilen und in seiner Richtung in Wissenschaft und Leben des Judenthums (Vgl. S. 85101.) Von der Theologie gehe ich nun zur Politik über. Hinsichtlich Ungarn’s sei bemerkt, dass Land und Volk das Streben nach Freiheit und verfassungsmässiger nationaler Entwickelung beseelt. Die seit Jahren erloschene antisemitische Bewegung aber, welche auf den Tisza-Eszlarer Prozess (1883) ihre unheimlichen Schatten warf, ist der Seele der ungarischen Nation zuwider. Solche und ähnliche beklagenswerthe Irrungen werden immer von Elementen bewirkt, die mit der Nation weder fühlen noch denken, sondern im Skandal Schule machen, oder die Förderung eigennütziger Zwecke anstreben. (Vgl. S. 91). Zum Schlüsse sei bemerkt, dass es sich wohl empfiehlt, den grossen Kaiser Wilhelm I, den Schöpfer des deutschen Reichs, unter dem Gesichtspunkte zu betrachten, dass die Kaiserkrone, welche der Heldenkönig anf dem Felde der Ehre errungen hatte, mit drei Perlen geschmückt ward: ״der Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.“ (Vgl. S. 89.) Von der Verschiedenheit des Standpunktes in manchen Partien des Buches sei bei der objektiven Beurtheilung desselben abgesehen. Das Buch bietet eine genussreiche Lektüre, ist geistreich und anregend und verdient ganz besonders wegen der Verteidigung gegen unsere Feinde Anerkennung und Empfehlung. Dr. 8. Nascher. Israelitische Religionsleltre. Die biblische und die nachbiblische Geschichte bis zum Abschlüsse des Talmuds, sowie die systematische Glaubens- und Pflichtenlehre. Von Dr. Jacob Stein, weil. Seminar- Direktor. Dritte unveränderte Auflage. Cassel bei Baier & Comp. 1900, Preis. M. 1,75. In dem am 6. Februar 1898 dahingeschiedenen Verfasser hat die israelitische Schule, der er sein Leben gewidmet hatte, einen treuen, unermüdlichen Arbeiter, der israelitische Lehrerstand eine Zierde und einen berufenen Bildner seines Nachwuchses, seine Schüler, die jetzt in allen Gauen des deutschen Vaterlandes und darüber hinaus wirken, einen väterlichen Freund und ein Vorbild in Amt und Leben verloren. — Mit einer gewissen Wehmuth zeigen wir daher das vorliegende Buch an. — Neben dem Namen des Verfassers ist seine beste Empfehlung die nothwendig gewordene neue Auflage. Es ist eine vorzügliche Bearbeitung der biblischen Geschichte, zunächst für die Mittelstufe berechnet; kann aber auch auf der Oberstufe mit Erfolg benutzt und selbst schon der Unterstufe in die Hand gegeben werden. Die Erzählung der biblischen Geschichten ist eine Wiedergabe der Musterlektionen im israelitischen Seminar zu Cassel, das der Verfasser mehrere Jahrzehnte geleitet hat. Die *) Vgl. mein ״Der Gaon llujn. Hin Beitrag zur Kntwickrhingsgeschiclite der semitischen Sprachforschung“. Berlin 1867. Stuhr'sche Huchhundlung, (S. Gerstmann),

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