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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 8. (1900) · p. Seite 64

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 8. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 64 (sequence 8)
Language
German
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f»4 Auswahl sowie die Art und Weise der Behandlung ist von der Versammlung der Schulmänner, welehe im Dezember 1884 von dem Ausschüsse des Deutsch-Israelitischen Gemeindehundes nach Berlin berufen worden war, gebilligt und in den von demselben veröffentlichten ״Mittheilungen“ näher besprochen worden. Die naehbiblische Geschichte giebt in einer massigen Anzahl von Stücken das Hauptsächlichste aus der Religionsgeschichte. Die Glaubens- und Pflichtenlehre ist eine Zusammenfassung der aus Bibel und Talmud hervorgehenden Lehren, sowie dieselben auch im Gebet ihren Ausdruck gefunden haben. Sie sollen nur das Thema angeben und sind ein sehr brauchbarer Leitfaden für den syste; matischen Religionsunterricht, besonders im Konfirmandenunterricht. Die Ausstattung ist eine gute. Das Buch darf aufs Wärmste zur Einführung empfohlen werden. Adelebsen (l’r. IliMmovcr) S. li 111111 cnfeld. Hat Moses Maiinoiiides dem Kiypto-Molianiiiiedanisimis gehuldigt{ Von Hermann Kali an, M-Sxiget. IS!»‘». (;V.) 8״ S.) Dies(! Krage könnten wir unbedingt verneinen und getrost die Behauptung aufstellen, Moses Maimonides habe nie dem Krypto Mohammedanismus gehuldigt, ohne die historische Streitfrage auch nur zu streifen. Ein Krypto- Mohammedaner ist doch füglich ein Mensch, der im Geheimen zu Mohammed und seinen religiösen Dogmen hält, offensichtlich sich dagegen zu einer andern Religionsform bekennt. Das traf bei Maimonides nie zu. Der Verfasser will auch diese nie angezweifelte Krag(! gar nicht erörtern. Er hat sich eben nicht correct ausgedrückt, l'nter diesem Fehler hat die ganze Abhandlung vielfach zu leiden. Das thema probandum enthält schon einen lapsus linguae. Verfasser will die Frage entscheiden: Hat Maimonides dem Schein - Mohammedanismus gehuldigt oder nicht? Die modernen Geschichtschreiber Jost, Carmoly, Munk, Graetz vertreten die Ansicht, Maimonides habe eine Zeit lang unter dem Drucke der Verhältnisse dem Schein-Mohnminedanisimis Coneessionen machen müssen, allerdings unter Modalitäten, welehe sein Gewissen und seine streng gläubige, unverfälscht israelitische Gesinnung in keiner Weise alterirten. Verfasser sucht zu erweisen, Maimonides habe stets das Ansinnen weit weg von sich gewiesen, etwas zu tlnin und zu reden, was wie eine leise Konfession an eine andere Glauliensform erscheinen könnte. Die Tendenz, welche den Verfasser bei der Abfassung seiner Schrift geleitet, ist gewiss lohenswerth. Es wäre verdienstlich, wenn ihm der bündige unanfechtbar(‘ Nachweis geglückt wäre, dass Maimonides dem Terrorismus dos in Spanien, Aegypten oder überhaupt in Afrika herrschenden Islam nie die geringste Sehein-Coneession gemacht habe. Verfasser macht sich seine Arbeit schwer und leicht. Er macht sich seine Arbeit schwer, indem er seine grosse Belesenheit bekundet und viel Material heranzieht, das für die Lösung seiner Aufgabe ganz belanglos ist, — streng genommen - gar nicht dahin gehört und darum eher verwirrend und ablenkend, als orientirend und aufklärend wirkt. Auf der andern Seite macht er sich die Arbeit leicht, vielleicht gar etwas zu ]eicht. Die Arbeiten seiner Vorgänger berücksichtigt er nicht. Halberstam und Friedlaender behandeln dasselbe Thema. Verfasser setzt sich mit den Arbeiten seiner Gesinnungsgenossen gar nicht auseinander. Diese Unterlassung rächt sich naturgemiiss. Vielleicht finden sich dort beweiskräftigere Argumente, als sie H. Kahan vorzuführen vermag. Verfasser operirt iin Grund(‘ nur mit zwei Argumenten, einem positiven und einem negativen. Er setzt voraus, dass jede an den Islam irgendwie anklingende Bekenntnissformel unbedingt unter den Begriff der schweren Häresie, der ע ז par excellence, falle. Nunmehr war es ihm ein Leichtes, zu behaupten, Maimonides könne sich nicht des Götzendienstes schuldig gemacht, könne sich nicht über die klaren Bestimmungen der schriftlichen oder mündlichen Lehre, die er ebenso loyal wie entschieden in seinem Jad haclu-.saka wiedergebe, hinweggesetzt haben. Nun beruft man sich auf אגרת השמד. Hier wird ein Standpunkt vertreten, wonach den unter dem Hochdruck des Fanatismus erfolgten, rein änsserlichen Bekenntnissformeln, welche de facto zu Nichts verpflichten \1nd dem Gewissen keinen Zwang auferlegen, nicht die Geltung der Häresie zukommt. Verfasser zerhaut diesen gordischen Knoten. Er decretirt einfach, Maimonides sei nicht der Verfasser des אג׳ השמד. Er bernft sich auf ein argumentum e silontio. Von den vielen, aufs Aeusserste erbitterten Gegnern, welche dem Maimonides schon bei seinen Lebzeiten und gar erst nach seinem Tode entgegengetreten, habe auch nicht einer den Vorwurf erhoben, Maimonides habe eine Zeit lang zum Schein wenigstens den Islam bekannt. Diese gravierende Anschuldigung hätten des Maimonides geschworene Feinde unbedingt mit allem Nachdrucke gegen ihn ins Gefecht geführt. Verfasser geht aber in seinem Schlüsse viel zu weit. Aus dem Schweigen der Gegner braucht nur zu folgen, dass sie des Maimonides Verhalten und die Anschauung, wie sie im א׳ השמד zum Ausdrucke kommt, harmloser benrtheilen und viel weniger rigoros, als dies dem Verfasser beliebt. Verfasser bringt selbst in extenso, was Graetz über Maimonides schreibt, obgleich Graetz mit aller Entschiedenheit behauptet, Maimonides habe eine Zeit lang dem Islam äusserliche Schein-Concessionen machen müssen. Trotzdem gleichen die Äusserungen des Historikers Graetz über Maimonides einem begeisterten Hymnus. Auch nicht ein!Stäubdien Makels, auch nicht ein Atom des religiösen und sittliehen Mangels fällt auf Maimonides zurück. Nicht mit einem Hauche verdächtigt Graetz das Maimonides Charakter, Gewissenhaftigkeit, streng religiöse Gesinnungstüchtigkeit und unwandelbare Ueherzeugungstreue. Schon dieser Umstand hätte den Verfasser Anlass zum Denken gehen müssen. Uns liegt es durchaus fern, — jam intra judices lis est. — in dieser historischen Streitfrage ein entscheidendes Votum abzugeben. Wir möchten aber eine bescheidene Anfrage an den Verfasser richten. In den Landestheilen, welche slavisehe, gut katholische Bevölkerung aufweisen, wird an Alle ohne Ausnahme, ohne Unterschied der Confession der bekannte, streng confessionel gefärbte Gruss gerichtet: l’ochwoluni u. s. w. Die übliche Antwort lautet: Na wieki. Amen! Diese Worte enthalten eine iinsserliche Anerkennung gewisser christlicher Dogmen. Wird Verfasser seine Glauhensgenossen, welche כשני דרכי שי*וש in aller Harmlosigkeit diese Worte erwidern, verketzern, in Acht und Bann thun? Dann müsste er in Polen, Galizien und in der Bukowina sehr viele Juden von anerkannt rigorosester Observanz mit dem Interdicte belegen. Die Nutzanwendung liegt sehr nahe. Wir meinen, Maimonides bleibe Maimonides, auch wenn er ja unter dem Zwange des Fanatismus und unter dem Drucke des Terrorismus mit irgend einer dogmatisch gefärbten Formel dem herrschenden Islam irgend welche belanglose Schein-Concessionen gemacht haben sollte, l.issa. I)r. Immanuel Deutsch. Inhalt! Das Totragranimaton und Eloliim. — Die dreissig Silberlinge. — ד^מא und שמא. — Recenslonen: Lazarus, Die Ethik des Judenthmns 1. — Deutsch, <!., Philosophy of Jewish History. — Dr. J. Stein, Israelitische Kcligionslehre. — Hat .Maimonides dem Krypto MohanimedanismuH gehuldigt? Von II. Kahan. SV* Die Bücherschau musste noch zurückgestellt werden, Verantwortlicher liedaetcur: ltahhiner Dr. M. ltalimcr, Magdeburg. — Druck von I.eistner & Drewfs, Magdeburg.

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