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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 8. (1900) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 8. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 60 (sequence 4)
Language
German
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(!0 2) nur die Möglichkeit im Gegensatz zur Wirklichkeit zum Ausdruck bringen. Betrachtet man das Wort דילמא, so findet man auf dem ersten Blick, dass es aus די und לממא zusammengestezt ist. די ist ein cluildäisclies Wort, das alle mögliehen Konjunktionen, wie: als, da, weil, u. s. w. ausdrücken kann. Diesem די in דילמא entspricht ש אשר -^=)) in שמא, sowohl in der Stellung, als auch in der Bedeutung. Dass der zweite Bestandteil beider Wörter למא ist, liegt hei דילמא auf der Hand, bei שמא ist es leicht nachzuweisen. Da das מ in שמא ein Dagesch hat, so nimmt man an. dass aus irgend einem Grunde ein Buchstabe weggefallen ist. Mit Rücksicht auf den zweiten Bestandteil von דילמא kann man wohl mit Recht annehmen, dass ein ל weggefallen sei und es auch begründen. Der Vokal e in ט*, nächst i der kürzeste, duldet das ל nicht hinter sich, weil dies die Silbe יטל verlängert d. 11. etwas dehnt, die der Vokal e (in ש) ganz kurz machen würde, und weil das ל an und für sich mitunter wegfällt in seiner Eigenschaft als leichter Konsonant. Es (ל) wäre somit in dem Worte שמא ebenso wie in יקח aus ילקה mit vollem Recht ausgestossen worden und hatte seinen Ersatz in dem מ dagesclmtum erhalten. Dass aus ׳טלמא (schelma) יטמא werden konnte, lässt sich weiter beweisen an der Bildung ׳טלמה (HL. 1,7). Weil hier der Vokal a, wie immer die Silbe, in der er steht, dehnt, so ist gar kein Grund vorhanden, das ל ausznstossen. denn letzteres Verfahren würde die Silbe ja kürzen; während bei ׳טלמא das Gegentheil der Fall ist. Die Bedeutung der beiden Wörter ist auf Grund der hier gegebenen Erklärung ihrer Bestandtheile leicht zu finden, wenn man jedes der beiden Wörter die Stellung seiner Bestandtheile wechseln lässt. Dann wird aus למא די דילמא?, au« למא יט שמא? mit der Bedeutung ״warum?, weil“. Aus dieser Grutidüber- Setzung geht hervor, dass eine Frage beantwortet wird. Es muss somit ein Gegenstand der Frage vorausgehen, d. h. ein Gegenstand, worüber eine Frage aufgeworfen wird. Ein Beispiel aus dem Talmud soll dies veranschaulichen. Im Trakt. Sabbath (p. Ob) heisst es unter andern; ולא לבורסקי לעיוני בעלמא ,לבתהילה אמאי לא?"דילמא" הזי פסידא בזב׳, zu deutsch: er (der Gerber) soll nicht (kurz vor Schabbesanfang) in seine Gerberei gehen, wenn auch nur deswegen, um noch einmal hinein zu schauen; gleichviel! er darf es nicht“. Warum nichtV (fragt man). ״Warum“? (למא) wiederholt der Thannaite (derjenige, welcher die Behauptung aufstellt: er soll nicht in seine Gerberei gehen) in einem Tone, der schliessen lässt, dass er sicher eine Antwort geben will. Die Antwort, die mit ״weil“ folgt, ist lediglich seine Ansicht, nicht eine allgemein hingestellte, bestimmte Behauptung. Die mit ״weil“ eingeleitete Aussage des Nebensatzes entspricht als Gedanke des Subjekts, des Sprechers (hier des Thaunaiten) im Hauptsatze dem lateinischen quod cum conjunctivo und ist im Deutschen durch den Konjunktiv von ״können“ wiederzugeben, ״Weil“ (די) er (Der Gerber nach des Thaunaiten Ansicht) einen Schauen an den Häuten entdecken ״könnte“, nicht ״weil er entdecken wird oder würde!“; •leim, er kann in seine Gerberei gehen und braucht deshalb doch nicht einen etwaigen Schaden zu bemerken. In Anbetracht der soeben gegebenen ausführlichen Erläuterungen erachte ich es für nicht, mehr nöthig, noch andere Beispiele zum Beweise meiner aufgestellten ßehauptung heranzuziehen. Nur dies sei nochmals erwähnt, dass man den auf die Frage bezüglichen Hauptsatz scharf auffasse, denn daun kann man die Frage passend anschliessen und auch die nöthige Antwort. Es ist eine Erleichterung für das Verständniss einer Stelle, wenn man die Uebersetzung ״warum? weil . .“ anwendet. Dies hier ausführlich zu zeigen, ist nicht am Platze. Vielmehr will ich weiter gehen und etwas über die bisherige Uebersetzung ״vielleicht“ sagen. Wenn wir aus obigem Beispiel die Worte herausziehen ״weil er einen Schaden entdecken könnte“, so sieht Jedermann ein, dass man freilich freier, dem Sinne nach, übersetzen kann ״vielleicht könnte er entdecken“, aber von vornherein die Uebersetzung ״vielleicht״ anzuwenden, die doch eigentlich weiter nichts als den Sinn richtig wiedergiebt! An dieser Stelle verdient auch die bisherige Uebersetzung ״damit nicht“ näher einmal beleuchtet zu werden und zwar wollen wir zu diesem Ende wieder aus obigem Beispiele die Worte ausziehen: ״weil er einen Schaden entdecken könnte“, so viel als ״weil er dann einen Schaden entdecken könnte“ und das letztere ist auch soviel als, damit er nicht einen Schaden entdecke, schliesslich — sonst könnte er einen Schaden entdecken. Es stehen mithin für 'die Uebersetzung von שמא und דילמא folgende Bedeutungen zur Verfügung: . . . weil . . . könnte . .. freier: Vielleicht, damit nicht, sonst. Welche von den angeführten Bedeutungen zu gebrauchen ist, muss der Sinn der Stelle sagen, der ״nur durch die Grundübersetzung mit: warum? weil . . . gefunden und verstanden wird“. Littemtiirbericlit. Recensionen. Lazarus, Prof. Dr. M. Die Ethik des Judentlmms. 1898. Gr. 8״. XXV und 4(>9. Frankfurt a. M. Commissionsverlag. Kautfmann. Den ersten Theil seiner gross angelegten ״Ethik des Judentlmms“ hat der gelehrte Verfasser vor Kurzem erscheinen lassen. Systematisch zusammengestellt, klar und lichtvoll geordnet, fesselnd geschrieben, bietet dieses vortreffliche Werk jedem gebildeten Leser überaus werthvolle Belehrungen und vielseitige, iiusserst fruchtbare geistige Anregung. Die Schaar derjenigen Gelehrten, welche befähigt und geeignet sein mögen, die Ethik des Judenthums zu schreiben, ist ganz gewiss nicht gross. Wir meinen, dass in dieser erlesenen Schaar von Gelehrten Lazarus der Berufensten einer ist, nahezu priidestinirt, dieses litterarische Unternehmen zu beginnen und zu Ende zu führen. Dieses bedeutsame Buch blickt nach der Angäbe des Verfassers auf eine Werdezeit von 15 Jahren zurück. Es ist die reife Frucht gewissenhafter, gediegener, vieljähriger Studien. Wenn der römische Dichter das nonuni prematur in annum als specitisches Kennzeichen der Keife aufstellt, so hat schon nach diesem Kanon das litterarische Erzeugniss, welches uns hier beschäftigt, den Zeitpunkt der Reife erreicht. Dor erste Theil dieser Ethik

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