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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 5. (1900) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 5. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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38 Zum Mischnacommentar des Maimonides. Aas einer preisgekrönten Arbeit des stad. k. Bahn)er. Auf das Veratänduiss und die Erforschung der Mischna — fährt Maimonides fort — wurde fortan alle Aufmerksamkeit gerichtet; sie wurde erklärt und weiter fortgebildet. So entstanden Werke wie die Tcsaefta, angelegt von R. Chija, einem Schüler des Mischnaredacteurs und vermehrt von R. Oschija. Raw verfasste die Boraitha, d. i Sifra und Sifres1s). Andere legten andere Boraitha’s an, wie der Ausdruck אתא ואייתי סתניתא בידיה beweist. Allein alle diese Werke stehen der Mischna an Reinheit der Sprache und Präcision des Ausdrucks nach. So stand die Mischna jetzt als der Born da, aus welchem Lebenswasser in die Adern der zerstreuten Glieder der Nation strömte, aus ihm wurde mit erneuter und vermehrter Kraft nunmehr geschöpft und hierdurch soviel Stoff flüssig gemacht, dass man daran denken musste, diese Erläuterungen, Folgerungen und Erweiterungen der Mischna zu sammeln und zu ordnen. Dieser Riesenarbeit unterzogen sich Rabina u. R. Aschi ״die letzten Weisen des Talmuds“. Wie die Mischna die nothwendige Ergänzung des geschriebenen Gesetzes ist, indem dieses seine nach Zeit und Ort nothwendige, durch das Schriftwort gerechtfertigte Anwendung forderte, so war der Talmud, welcher die lebendige Durchbildung des UeberlieferungsstofEes darstellt, eine nothwendige Ergänzung der neu entstandenen Bestimmutigen, welche ohne diese Erörterungen nur totes Buchstaben werk geblieben wären. Bei der Abfassung des Talmuds leitete R. Aschi zunächst der Gedanke, die Mischna zu interpretiren, die in ihr niedergelegten Resultate durch die Angabe der vorangegangenen Debatten zu entwickeln, in streitigen Fällen die Halacha zu fixiren, die neuen Bestimmungen, die die Weisen eines jeden Zeitalters, von R. Jehuda hanassi bis auf ihn, getroffen, mit ihren Gründen und Beweisen darzustellen, und endlich, um den verschiedenen Abschnitten auch das agadische Element, das im Volke lebte und der schriftlichen Aufzeichnung entbehrte, einzuverleiben. So war R. Aschi durch die Talmud- Sammlung der Vollender jenes Werkes, das R. Jehuda zwei Jahrhunderte vorher begonnen hatte. Was den hagadischen Theil des Talmuds anlangt, meint Maimonides, so wäre dieser nicht so gering anzuschlagen, als es auf den ersten Blick scheint. Denn was die edelsten Denker, die in sittlicher Reinheit und Vollendung Besten dachten und empfandeu, was ihnen als Lösung der Räthsel des menschlichen Lebens und der göttlichen Weltleitung aufgegangen, was sie tröstete in schweren Leiden, was als lichte Ueberzeuss) I)a8 Wort ״Boraitha“ ist hier nicht genau an nehmen, es soll wohl so viel heisnen, als ״exoterische Schriften“. Auffallend ist's, dass Maimonides der Meehiltu keine Erwähnung thut; auch im Eingunge bei der Aufzählung der Quellen übergeht er sie, es heisst daselbst משיתיהו ,ומספיר התוספתא (ed. Poe. מים קדמונינו (התלמוד ספרי טחתיחו ,וכדברי (ed. Poe. יסדתיהו ,ובפוך ספרא רבצחיהו ,ומזוהר (ומזהב הגאונים סמבתיהו וב" ln demselben hebräisch abgefassten Aufruf (auch in Pococke hebräisch) ist statt שחת mit ת׳ zu lesen שחח mit הי (richtiger noch שת), ferner statt ממופתיו, nach Pococke ממשותיו, ferner statt כל אוכליו חלק ושמן richtiger כל אוכליו חלקו שמן (nach Habakuk 1, 10.) gung. als erhellender Blick ihnen den Geist beflügelte und die Seele klärte, kurz die ganze philosophische, moralische und geschichtliche Anschauung jener Weisen ist in der Hagada des Talmuds niedergelegt. Scharfsinn, anmuthiges Spiel des Geistes und gründlichster Ernst haben die bedeutsamsten Gedanken und die hellsten Beleuchtungen des Seelenlebens und seiner sittlichen Triebfedern, die überraschendsten Zusammen- Stellungen und Beobachtungen des innern wie äussern Lebensgetriebes zu Tage gefördert. Kaum wird eine dunkle Stelle des verhüllten Herzens dem scharfen Lichte und dem wachen Auge dieser Herzenskundigen entgangen sein, und mancher Paragraph unserer ethisehen Systeme ist mit einem blitzartigen geistreichen Worte, mit einer sinnigen Bemerkung, einer feinen Wendung treffender und prägnanter wiedergegeben, als dies in den weitschweifigen, mit allem Rüstzeug der Gedankenwerk8tätten beschwerten Darlegungen der Fall ist. Im Gewände des Räthsels löst die Hagada die Räthsel des Lebens, im Gewände der Parabel behaudelt sie das praktische Leben, im Gewände der Gleichnissrede geißelt sie das sociale Leben. Oberflächlich betrachtet erscheinen manche Aussprüche oft dunkel, aber bei tieferem Eingehen findet man, dass sie, richtig verstanden, in ihrem Schoosse die erhabensten Gedanken bergen. Absichtlich kleideten jene Weisen ihre Gedanken in räthselhafte Ausdrücke, iu Parabeln und Gleichnisse, theils damit der Verstand der Schüler geschärft werde, theils aber auch, damit das Volk leichter dadurch belehrt wird. — Nach dieser Hervorhebung der Wichtigkeit des agadischen Midrasch, weist Maimonides selbst an einem Beispiel den tiefen philosophischen Inhalt der oft dunkeln Midraschim nach86) und kehrt sodann zur fernem Entwickelung der Traditionslehre zurück. Wie R. Aschi in Babylon, so sammelte R. Jochanan in Palästina die mündlichen Erklärungen der Mischna und redigirte den palästinensischen Talmud37). י") Das gewählte Beispiel ist der Midrasch אין להקב״ח בעולמו אלא ד׳ אמות של הלכה (Beruch. 8a), welchen er, nach einer langen Vorrede über den Zweck der Dinge, dahin erklärt, dass, da der Zweck der W'eltschöpfnng der vernunftbegabte Mensch, und der höchste Zweck des Menschen das Forschen nach der Weisheit sei, die sich im sittlichen Handeln ausprägen müsse (חכמה ומעשה), der Schöpfer freilich nur ״in den vier Ellen der Halacha d. i. in dem mit Weisheit verbundenen Handeln“ seine eigentliche Sphäre habe. Dass M. gerade diesen Midrasch und mit solcher Ausführlichkeit behandelt, hat wohl darin seinen Grund, dass dieser Midrasch, welcher nach seiner Erklärung das Forschen nach Weisheit und das vernünftige Handeln als die höchste Aufgabe des Menschen hinstellt, (er citirt darin Aristoteles החכם המפורסם בפילוסופיא), sehr vortrefflich in diese Einleitung passte, gleichsam ״zum Studium anregend“ (ומעוררים על בקשת החכמה); gleichzeitig giebt der Autor in diesem seinem ersten bedeutenderen Werke seine Auffassung von Welt und Endzweck in derselben, zu erkenneu. Uebrigens war Maimonides gesonnen, ein Werk, worin er die schwierigeren Midraschim erklären wollte, zu verfassen, vgl. seinen Ansspruch zur Mischna חלק — auch im More thut er dessen Erwähung — ועוד אחבר חיבור ,אקבץ בו כל הדרשות בש״ס וזולתו ,ואבארם ואסבור בחם סברות שיהיו נאותים לאמיתת העניינים ואביא ראייה מדבריהם ואגלה מה שהוא מן הדרשות דרך פשטם, ואשר מחם דרך משל .אשר מחם בחלום ובו: 87) Vom palästinensischen Taliuad, sagt er, finden sich 5 vollständige Ordnungen zu Taharoth nur der Tr. Nidda. Wir besitzen nur 4 vollständig; der ö. (Kodoschim) muss nach Muimonides verloren gegangen sein; Kaschi und Tossefot citiren ihn noch öfters. Kaschi, Temuru, 8b, cb. 11b, cb. läa, 20b zweimal, cb. 21b, cb. 23a.. cb. 24b, cb. 26b, 27a, 30u; Tossaf Mennch. 46a, 89a, Meila 17b.

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