Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 5. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
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37 Aelteste Ahron Josef (Wolff?) Bloch eine Parcelle Oedland und Acker von 84 Ar. 50Quin. (3Morg. 118 Quadrat Ruthen) Flächeninhalt für 30 Thaler 11 Silbergroschen 3 Pfennig (91 Mark 13 Pfennig) von einem gewissen Brzoska zur Anlegung eines Friedhofes. Bis dahin mussten die israelitischen Leichen nach der 2‘/a Meilen entfernten Nacbbarstadt Nicolai überführt werden. Die Statuten des Vereins wurden im Jahre 1843 (5003 a. m ) definitiv festgestellt. Die Vorsteher des Vereins, Abraham David Knopf und Nathan Joseph Stern, forderten die Gemeindemitglieder auf, dem Vereine beizutreten. 37 Personen husteten diesem Rufe Folge. Die Statuten wurden im Jahre 1875 (5635 a. m.) vom Rabbiner Dr. Deutsch umgearbeitet. Durch Aenderung des Modus für die Wahl des Vorstehers wurden die Rechte der Vereinsmitglieder erweitert. Iin Jahre 1837 (5594 a. m.) wurde am Eingänge des Friedhofes ein Häuschen errichtet, dessen Durchgang etwa 50 Personen fassen konnte. Das Bediirfniss nach einer ausreichenden Halle, welche auch einem grösseren Leichengefolge während der Trauerfeier bei Wind und Wetter Schutz bieten konnte, machte sich im Laufe der Zeit sehr fühlbar. 1111 April des Jahres 1875 beschloss man, diesen Wünschen Rechnung zu tragen und zugleich einen Raum für die rituelle Waschuug und Reinigung der aus der Fremde hergeführten Leichen herzurichten. Ein Comite für die Erweiterung der Friedhofsbauten wurde erwählt. Ein von Rabbiner Dr. Deutsch entworfener Aufruf, den in der Ferne und Fremde weilenden Sohrauern zugesandt, fand sympathischen Anklang und brachte Liebesgaben, die schliesslich etwa die Höhe von 6000 Mark erreichten. Im Sommer des Jahres 1886 wurde der Bau nach dem Plane des Ban- Unternehmers Gregeratzky ansgeführt. Am Eingänge des Friedhofes erhebt sich jetzt ein einfacher und doch solider und stattlicher Bau, dessen geräumige, luftige und lichte Halle bequem 600 Personen zu fassen vermag. Der Krankenpflege-Verein ist seit dem Jahre 1843 mit dem Leichenbestattungs-Verein vereinigt. Jeder dieser Vereine hat wohl seine eigene Verwaltung; allein bei den sich gegenseitig bedingenden und ergänzenden Aufgaben dieser zwei humanen und frommen Vereine arbeiten Vorsteher und Mitglieder für Zwecke analoger Liebesdienste Hand in Hand mit einander. Bei der notorischen Armuth vieler Gemeindemitglieder hat namentlich der Krankenpflege-Verein verhältnissmässig viel zu leisten. Eine denkwürdig traurige Bedeutung hatte für den Krankenpflege- und Leichenbestattungs- Verein das Jahr 1847/48. Infolge der Missernte wiithete damals in Oberschlesien der Hungerthyplius. In der Stadt und Gemeinde forderte er viele kostbare Opfer. Am Rüsttage des Versöhnungsfestes dieses Jahres waren zwei israelitische Personen dieser furchtbaren Krankheit erlegen. Die Zahl der Todten erreichte im Jahre 1847/48 nach Ausweis des Leichenregisters eine Höhe, wie sonst nie. Nicht weniger, als 44 Sterbefälle waren in diesem unseligen Jahre zu verzeichnen, während sonst im mittleren Durchschnitte etwa 12—14 Todesfälle jährlich vorzukommen pflegten, später nur 6—7. — Ganz ähnliche Tendeuzen verfolgt der ebenso geräuschlos wie zartsinnig und verschwiegen wirkende Frauenverein. Er lässt es sich angelegen sein, für Ausstattung armer, würdiger Bräute, für die Pflege armer Wöchnerinnen und armer kranker Frauen, für die letzten Liebesdienste bei hingeschiedenen Personen weiblichen Geschlechts nach Massgabe seiner Leistlingsfähigkeit Sorge zu tragen. Dieser Verein hat einen geschmackvollen Trau-Baldachin vor Jahrzehnten gestiftet. Er wird bei Trauungen innerhalb der Gemeinde verwendet Für religiöse Familienfeste stellt er sein reichhaltiges Tischgeschirr zur Verfügung. Die Statuten dieses Vereins datiren aus dem Jahre 1843. Den sich steigernden Vereinsaufgaben angemessen, wurden die Satzungen des Vereins vom Rabbiner D1*. Deutsch im Jahre 1890 erweitert und umgearbeitet. Um die Vereinsleitung und das Vereinsvermögen hat sich Frau Bertha Centawer verdient gemacht. Ihrer Umsicht und vieljährigen erspriesslichen Thätigkeit verdankt der Verein einen verhältnissmässig gut fundirten, unangreifbaren eisernen Fond. Der Verein für Zedaka steht ausschliesslich unter Verwaltung des Gemeinde- Vorstands und soll sich mit Unterstützung der heimischen und fremden Armen im weitesten Sinne befassen. Neben ihm besteht noch der Verein für Talmud Thora. Seit die Schul Verhältnisse sich hier wesentlich geändert haben, besteht seine Thätigkeit z. Z. vornehmlich darin, armen Kindern Schulbücher und Ritualien zu verabreichen. Vor achtundzwanzig Jahren bestand hier noch der Malbisch-Arumim Verein, der sich die Bekleidung armer Kinder zur Aufgabe gemacht hatte. Der Initiative des Rabbiners David Deutsch hatte dieser humane Verein sein Entstehen zu danken. Trotz eifriger Bemühungen gelang es nicht, diesen Verein später noch zu halten. Legate. — Ein Wort der Erwähnung verdienen auch die Legate der Gemeinde. Das erste und älteste Legat dürfte wohl im Jahre 1789 oder 1797 von Salomon Plessner fuudirt worden sein. Er stiftete für die Gemeinde den Betrag von 300 Thalern. Die Zinsen dieses Capitals fallen an seinem Jahrzeittage (Wiederkehr des Todestages) dem Vereine für Talmud Thora zu. Verschiedene andere Legate bedenken — ' allerdings meist in sehr massigen Beträgen — auch andere Wohlthätigkeits vereine und die Armen der Gemeinde. In den meisten Fällen erhalten die Cultusbeamten für die Verrichtung der üblichen rituellen Functionen am Jahrzeittage der hiugeschiedenen Legatare grössere oder geringere Zuwendungen uacb den Bestimmungen der einzelnen Stiftungen. Objecte der Legate sind Synagogen stellen, Zins tragende Hypotheken und Staatseffecten. Die Pachterträge und Zinsen gelangen durch den Vorstand zur Vertlieilung. Der Rabbiner überwachte die Ausführung der Legatbestimmungen und die Auszahlung der Legatgelder im Sinne der Stifter im Namen der Gemeinde. Im Ganzen sind 60--70 meist kleine Legate errichtet. Jährlich kommen etwa 800 Mark Legatgelder zur Vertheilung.