Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 5. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
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34 lohnen würde, hätte ich hierzu noch den Math, noch in meinem Alter seine Sprache zu erlernen, einzig um ihn im Original zu lesen, nachdem er schon in der Uebersetzung so bedeutend wirkt“. Nach solchen Urtheilen darf wohl die Würdigung Petöfi’s das Interesse weitester Kreise beanspruchen. Gegenwärtige Erörterung aber beschränkt sich auf die Mittheilung der von mir übertragenen Stellen, welche sich auf das Schriftheiligthum der Juden, das alte Testament, beziehen. Der Inhalt der poetischen Stellen, welche Liebe und Freiheit enthalten, bietet demnach einen angenehmen Reflex auf die Stellung des Dichters zum Judenthum. Auch dem Humor sei die gebührende Stellung eingeräumt, sofern biblische Personen und Begebenheiten die Anhaltspunkte der Vergleichung bieten. An den Dichter Tompa Miliäly schreibt Petöfi*): Kann die Bibel mit der Harfe sich vereinen? Will Jehova dir Apollo nicht verneinen? Von der ungarischen Heiinath singt Petöfi: Als sich Adam Kva wählte Niemand von dem Land erzählte, Zu dem wir uns jetzt bekennen, Asien wir die Heimath nennen. Von der Freiheit singt der Dichter: Freiheit ist verbannt gewesen, Wie von Kain wir es lesen. An den Galgen ward geschlagen, Wer der Freiheit Schild getragen. Von der Hoffnung sagt er: Sandtest du doch manche Tauben Ans wie Noa: Hoffnung, Glauben, Leider, blieb Erfüllung nus, Keine Taube kam nach Haus. Von einer Csärda (Herberge in der Wildniss) singt er: Hier gicbt'8 weder Fleisch noch Wein, Niemand schenket Wein hier ein. Jeder möchte Noa fluchen, Dass er Trauben mocht’ versuchen. Mit Böranger ruft Petöfi einem verstorbenen Freunde nach: Heissgeliebtes Iauid der Freiheit, Wie musst du den Freuud beglücken, Doch, wie Moses, ach, der Freiheit Musstest 8terl>end du entrücken. In einem Gedichte über die Dichter des 19. Jahrhunderts schreibt er: Durch die Wüste sind gezogen Moses uud sein Volk umher. Feuereäulen, Hinimelshogen Leuchteten dem Volk einher. An einen Dichter: Dichter lassen Heil erspricssen, Himmels Manna sie versiissen. Nach dem Schlachten-Ünglück (1849) singt Petöfi: Und der Menschheit Millionen Moses liess von Knechtschaft ziehen, Wo die Freiheit kann belohnen, Dorthin sollen Alle fliehen. Aus dem Anlasse eines Verlöbnisses schreibt Petöfi: Wür' ich Josuu gewesen, Hiesse stehen ich die Sonne, Als Du Liebsten auserlesen, Ewig strahl’ des I,ebene Wonne. *) l’etöti Sündor Költemenyei. Budapest 1896. Athenäum. 8.473. Auf unliebsame Skribenten schreibt er: Mit der Waffe wohl zerreisse Skrihlern ich die Kiunesbncken, Wie einst Siinson dem Geschineisse Möcht' am Esels Kinn sie packen. Von seinen Idealen singt der Dichter: Wie Elias durch die Flammen In den Himmel ist gestiegen, Werden Ideale flammen Und in meiner Seele siegen. An einen Schatispieler schreibt Petöfi: Und der Mann von schweren Nöthen Aehnliclikeit hat mit Propheten: Hatte einen Hut, der fahl, War wie Elisäus — kahl.*) Die ländliche Stille schildert er: Um mich lagert sich die Nacht, Hei dem Sternenglanz ist linh'. Bei des keuschen Mondes Pracht Bauscht mir Davids Harfe zu. Ueber die Juden schreibt Petöfi: Wie der Jude gerne lesen Mag die Bibel, sich erbauen, Möchten wir Geschichte lesen Und der Ewigkeit vertrauen. Von der Glaubenseinheit spricht er in einem Gedichte über das Jahr 1848: Grosse Zeiten muss es gehen, Und das heil'ge Schriftwort leiten. Fünen Glauben muss es geben: F’reiheit nur die Welt beleben. Zum Schlüsse sei noch die biblische Geschichte von dem Oelkruge des Propheten Elisa in der Bearbeitung des Dichters hier angeführt: In der Bibel kannst du lesen. Dass ein Oelkrug kaum geleeret Wieder voll von Oel gewesen, Nicht gemindert noch verheeret. So soll stets das Leben tliessen Und sich nie erschöpfen, leeren. ״ Soll das Glück dir hold erspriessen, Musst die Fülle du begehren. Karge nicht mit deinen Gaben, Musst aufs Nene stets beginnen, Deines Glückes dich erlaben, Will des Lebens Oel verrinnen. Diese Uebertragungen bieten, zumeist in biblischer chronologischer Reihenfolge, nicht nur einen Schlüssel zur Beurtheilung der Petöfischen Dichtung, sondern auch der Stellung des Dichters zum Judenthum, dessen geistiges Lebenselement die Bibel alten Bundes ist. Vorbildlich aber möge der Dichter in einer von religiösen Gegensätzen bewegten Zeit nicht nur hinsichtlich der vorurtheil810sen Würdigung des Judenthums sein, sondern auch vermöge der Erkenntniss, dass die Bibel jene ewigen Sitten Wahrheiten enthält, welche der ganzen Menschheit Wahrheiten sind. Des Lebens höchste Poesie quillt aus der Poesie des Lebens, welche das Buch der Bücher in unvergänglicher Schönheit vorführt. Dr. 8. Nascher.**; *) Cfr. 2. Buch d. Könige Kap. 2, Vers 23. **) In No. 4, 8. 31a Z. 11 v. 11. ist st. ״zeitige“ z. 1. ״geistige“; 8. 32a Z. 20 v. 11. sv. ״einige“ 1. ״ewige“.