Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 4. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 von Edelstein birgt. In der Nähe wohnt der Fahrmann, der ״Oilgamesch“ hinüberfüliTt. der ihn znm Genesungsquell führt und beim Abpri ticken der Zweige vom ״Lfcbensbaum“ ihm behilflich ist. Die Analogie mit den! Lebensbaum des Gartens Eden ist frappant genug. — Aus parallelen Schilderungen der Keilschriftlitteratur entnehmen wir, dass ״Ea“, der göttliche Töpfer, sein Geschöpf aus Lehm knetet; auf einem Fragment wird erzählt, dass er seinem Geschöpf göttliche Voll macht verlieh — nicht aber gab er ihm ewiges Leben. (8. Genes. 3, 22,) Ausrottung der Nachkommenschaft und plötzlicher Tod galt auch bei den Babyloniern als Strafe für Frevel gegen Gott und Menschen. So lautet eine Fluchformel: ״Der Gott Ramrnan befehle, dass er nicht einen Tag länger lebe, sein Name und Same werde im Lande vertilgt“. — Eine Abhängigkeit der israelitischen Eschatologie von der babylonischen vermochten wir nicht zu entdeckend) Wer sich für die Keilschrittlittevatur interessirt wird manches Werthvolle in diesem Schriftehen finden. — Seligko witz-Ooethen. Zum Mischnacommentar des Maimonides. Ans einer preisgekrönten Arbeit des stud. M Rahmer. IV. Vor seinem Tode überlieferte Josua die mündlich von Mose empfangenen und von ihm neu entwickelten Lehren den Aeltesten (s. Jos. 24, 31); diese sodann den Propheten, an welche sich die ,,Männer der grossen Synagoge“ anschlosseu. Diese bauten auf den überlieferten Grundsätzen weiter und erweiterten den Forschnngskreis. erliessen, den neuen Zeitverhältnissen angemessen, viele neue Anordnungen und trafen Vorsichtsmassregeln. Der Letzte aus dieser Synode ist der in der Mischna Aboth fl. 2) genannte ..Simon der Gerechte“. Von diesem an wird jetzt der Faden der *) Es lindet sich »loch manche Aehnlichkcit der Trauerlirältche. So sieht man auf »len Abbildungen dev Hudes-Reliefs: ,.Klagemänner und Klagefrauen begleiten mit Flöten spiel und Weinen die Trauer- Zeremonie, der die Angehörigen in zerschlitzten Kleidern beiwohnen“. ״Der Trauernde weint, zerreisst sein (iewnnd, zerrauft »xler scheert sich das Haar, wirft sich auf »lie Erd»•, zerkratzt sein (!»*sieht, schlägt sich in die Lenden.“ (efr. Kethuh. 4<ih, Kzeeli. 21.11 und 17.) Auch vom Darhringen von ״Uiiucherwerk“ zu Ehren des Verstorbenen ist »Inselbst die Riale, und Asurbauigal erzählt vom ״Wasserausgiessen für die Manen seiner königlichen Vorfahren“. Dass dieses Alles zum Theil in vier biblischen, aller meistens in der nuchbihlisehen Zeit jüdische Trauerbräuchc waren, braucht hier wohl im Einzelnen nicht• erst nm-hgewiesen zu werden, (lieber ״Käucherwerk“ vgl. Moed kat. 27b 11n»l Herach. 53a; über ״Wasserlibntion“ Scliekalim jer. II. 7 Auch viele ähnliche Redewendungen und Bezeichnungen linden wir in den biblischen Küchirn. Nuhonid, der letzte chaldäisehbabylonische König, betet für seinen Erstgeborenen znm Mondgotte: ״Mit lleberliuss au Leben werde er gesättigt“ (efr. Fs. 91, 1B). ״Es schrie Istar wie eine Gebärende“ (cfr. Je•». 42, 14). In einem Trauerliede heisst es: ״I>u betrittst den Ffiul, von dem es keine Rückkehr giebt“ (cfr. Hiob 16, 22 ״; .אורח לא אשוב אהלךer sti»־g hinab zur Brust der Unterwelt“ (cfr. Jona 2, :1 . ״Die Gewässer »lex Todes“ (cfr. Fs. 18, 6). ״Die Wüste ist »1er Tuinnndplatz der Dämonen“ (cfr. Jes. 13, 21). Von Sanias, dem Honneugotte (שמש), heisst es: ״Ea steht in seiner Hand, den Todten lebendig zu machen, »ien Gebundenen zu lösen“. Auch von Besprengen mit dem ״Wasser des Lebens“ (מים חיים) ist oft die Rede. tDie Kedaktiou. Tradition bis auf R. Jehuda lia-Nassi fort gespornten.“) Die8er ist epochemachend in der Geschichte des Traditionswesens; er sammelte alle überlieferten Lehren und Bestimmungen von Mose bis auf seine Zeit und redigirte die Mischna, ein Werk, ״das demnach eine Erklärutig zu allen im Pentateuch uiedergeschriebenen Geboten enthalten soll“. Diese Erklärungen sind theils jene Ueberlieferungen von Mose Munde her, theils unbestrittene Folgerungen aus den biblischen Geboten, und endlich solche Folgerungen, bei denen eine Controverse sich geltend machte; — sie alle nahm R. Jehuda ohne Unterschied in seinem Mischnawerke auf. Jetzt kömmt Maimonides zur Beantwortung einer Frage, die durch seine Auffassung des Traditionswesens nothwendig entstehen musste. Wenn alle Gesetzerklärungen aus Mose s Mund durch Tradition auf uns gekommen sind, was ist unter dem einigen Erklärungen besonders beigefügten Zusatze ,,mosaisch-sinaitische Norm“ (הלבה למשה מפיני) zu verstehen? ״Diesen wichtigen Punkt, sagt er, musst du genau aufznfassen suchen". ״Ueber die Erklärungen, die aus dem Munde Mosis zu uns gekommen, an sich, ist in keiner Weise je eine Streitigkeit vorgefallen: von Mose bis R. Aschi herrschte kein Zweifel, dass •t. B. unter ,.Auge um Auge“ etwas Anderes, als ein angemessenes Lösegeld verstunden werde,“) dass unter der ״Frucht vom Baume Hadar“ nur der Essrog gemeint sei, u. dgl. m. ״Wenn Du aber dennoch im Talmud tiefe Denker und Streiter auf dem Kampfplatze des Geistes findest, die ans der Bibel die mannigfachsten Beweise für irgend eine durch Tradition überkommene Erklärung anführen,i7) so haben sie diese Beweise nicht deshalb angeführt, weil sie die Tradition bezweifelten — du ja in der Praxis von Josua bis auf unsere Zeit stets der Essrog genommen wurde — sondern sie forschten nur — theoretisch —, wie dieselbe aus irgend einem Schriftausdrucke vermöge der 13 Interpretationsregeln »leduzirt werden könne. Die meisten dieser Erklärungen konnten in »1er That aus dem schriftlichen Gebote gefolgert werden; die Minderzahl von ihnen, für welche kein Beweis in der Schrift zu finden war und die dennoch unbestritten im Munde des Volkes lebten, hiess xax' e?o/Vjv ..Halacba le-Mosehe mi־Sinui". Solche mosaiscb-sinaitisclie Traditionen durften natürlich nach dieser Auffassung nirgend in der Schrift vermerkt sein Nun kommt es im Talmud aber dennoch vor. dass mau für eine solche 8inaitische Tradition eine Andeutung in der Bibel suchte, und zu finden vermeinte“). Dieser Umstand könnte die mündliche Tradition dieser mosaisch-sinaitischen Halucha verdächtigen »xler zum mindesten sie zu einer blossen Folgerung aus der biblischen Gesetzgebung machen, und sie demnach den ölten besprochenen durch die 13 Regeln ileducirten Normen gleichstellen — allein in solchen Fällen sagt Maimonides. gilt die Andeutung in der Reg»d nur als leise Anspielung, als eine 111111 dient liierliei <l»׳r «Tslt* l'»*r»־k von Alioth zur Riehtich mir (Unter BciiiiIziiiik von Ilm Aknins מבוא התלמוד. »•fr. Monat«- »<•11 ri ft 1873 p. 280). *") Bekanntlich gehört dieser Funkt zu »len 4 juridischen Differenzpunkten zwischen »len Fharisäern und Hadduzäern. ״’,* Vertfl. z. B. Hneeu, 34a die liildiwhe BejtründtttiK, warum unter ״Frucht vom Baume Hadar“ <l»*r Kssr<1g zu verstehe!! sei. 'ל Vgl. Benu'luith 41a שיעורי; חילמ״מ.