Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 4. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1837 fiel der 21. Deeember auf »11*11 23. Kislew, also 2 Tage vor Beginn der Chanukuhtage, im Jalire 1838 dagegen auf den 4. Tebeth. also 1 — 2 Tage nach 011a• nnkuli. Danach dürfte der Xdiiibrueli wohl den 11. Deceinber IH38 erfolgt sein. In dein Jahre 183(i wurde die Gemeinde in freudige Erregung durch die Tliatsuche versetzt, dass mehrere unbemittelte Gemeinde-!nitglieder Gewinnantheile am Haupttreffer der preussischen Lotterie, am sogenannten ,.grossen Loose", er• hielten. Rechtliche und sociale Stellung der Juden. — Das Verhiiltniss der Syiiagogengemeinde zur Stadt• gemeinde erhielt erst nach Emanirung der preussischen Städteordnung, welche nach dem Principe der Selbst- Verwaltung die Angelegenheiten der Commune regelte, eine rechtliche, solide, sociale, nahezu paritätische Basis. Nach dem Census der Gemeindeangehörigen war und ist es auch jetzt noch möglich, in der 1. Wuhlklasse israelitische Bürger als Stadtverordnete durchzubringen. Der Besitzstand ist auch heute noch gewahrt Acht Stadtverordnete, der 3. Theil der Stadtverordiietenver- Sammlung setzt sich aus israelitischen Bürgern zusmmen. Auch der Vorsteher der Stadtverordneten wurde bisweilen aus der Mitte der israelitischen städtischen Vertreter gewählt. Im Magistrats-Collegium hatten wiederholt israelitische Bürger als Schöffen, Beigeordnete oder Rathmänner, wie sie hier genannt werden, Sitz und Stimme. Im Jahre 1HÖ2 erhielt Herr Moritz Katscliiusky, wohl als erster unter seinen hiesigen Glaubensgenossen, dieses ehrenvolle Vertrauenamt. Seiner Amtseinführung ging bei Anwesenheit der städtischen Behörden in der Synagoge ein feierliclier Gottesdienst voraus. Rabbiner David Deutsch gab der Feier durch eine eindrucksvolle Festrede die religiöse Weihe. Nach Katscliiusky bekleidete der Fabrikbesitzer Josef Panofsky viele Jahre hindurch dieses Ehrenamt. Moritz Adler, welchem später dasselbe Amt an vertraut war, erhielt am IG. December 1878. am Tage seines :')()jährigen Ehejubiläums, als Zeichen der Anerkennung für seine selbstlosen Leistuugen im Interesse und Dienste der Stadt von den städtischen Collegien den Ehrenbürgerbrief. Seit dem Jahre 1883 ist sein Sohn Simon Adler zu demselben Vertrunensamte berufen. (Fortsetzung folgt!. Der alte Orient. 11•*) Die Funde auf dem Gebiete der Keilschriftlitteratur, welche in neuerer Zeit so grossartige Dimensioueu angenommen haben, sind nicht nur für die Culturgeschichte überhaupt, sondern in erster Linie für die Geschichte und Religion Altisraels von grosser Wichtigkeit. Darum ist auch für uns die Bekanntschaft mit dem Volke der Voroffenbaruug, welches bei seiner innigsten Verbindung mit dem Volke Israel auf dessen Denken und Fühlen, auf seine volkstümlichen religi- Ösen Vorstellungen und Sitten einen nicht geringen *) Hölle und Paradies bei den Habvloniern. Von l)r. Alfred JerunituH. :12 S. Leipzig, .I.C. Hinricha'Hche Hiichhatidliing. 1900. Einfluss gehabt haben dürfte, sehr lehrreich. Man braucht beispielsweise nur an die Namen unserer Monate zu denken, welche nach dem Talmud und Midiasch aus Babylon entlehnt sind; ferner au die Stelle in Ezechiel (Kap. 8, 14). ..Er führte mich zum nördlichen Tliore und siehe, da sasseu Frauen, die den Thammus beweinen״, was von den Altertumsforschern mit dem Adonisfeste identiticirt wird Welch eine Fülle von ganz neuen eigentümlichen Anschauungen muss sich ferner an die aus Babylonien lnitgebrachten Eiigelnaincn geknüpft haben! Allerdings kann man bei derartigen religionsgeschichtlicben Vergleichungen nicht vorsichtig genug sein; besonders aber in Beziehung auf die Religion Israels. Das jüdische Volk hat nümlieh von jeher zwei scheinbar einander sich widersprechende, in Wahrheit aber bei genauerer Betraclitung leicht ihre Erklärung findende Eigenschaften an den Tag gelegt. Auf der einen Seite die hartnäckigste und eifrigste Abwehr alles Fremdartigen, insofern durch dasselbe der reine Monotheismus irgendwie gefährdet, oder auch nur im entferntesten bedroht schien; auf der andern Seite die Geneigtheit, neuen Ideen sich unzusclimiegen, wenn dieselben mit den Grundanschaumigen des Judenthums sich verschmelzen Hessen. Die vorliegende Arbeit, eine populäre Darstellung der babylonischen Eschatologie. — Verfasser ist bereits mit einer strengwissenschaftiiehen grösser!! Arbeit auf diesem Gebiete hervorgetreten - bietet uns einen Beitrag zur babylonischen Religion, über welche noch immer ein tiefes Dunkel herrscht. Uns kann natürlich nur dasjenige in der Arbeit interessiren, was ein Streiflicht auf die Geschichte und Religion Altisraels wirft. Leider haben wir in den Excerpten aus der Keilschriftlitteratur. welche uns diese Schrift in deutscher Ueber- Setzung bietet, nur sehr wenige derartige Stellen entdecken können. Nichtsdestoweniger bietet das Wenige doch Interesse genug für uns. Wenn z. B. der Prophet Jeremia (8, 1.) voraussieht, wie durch babylonische Könige, die Gebeine jüdischer Könige. Priester, Proplieten und Bürger aus ihren Gräbern geworfen und unter der Sonne zerstreut würden, so entspricht es genau dem grausamen Kriegsgebrauch der Babylonier und Assvrer. nach welchem, um dem besiegten Feinde eine besondere Schmach anzuthun. die Gräber zerstört wurden, um die Todten in ihrer Ruhe zu stören.*) Ferner zeigt eine Reihe von Texten der mythologischen Litteratur, dass Szenen, wie sie die Geschichte Sauls bei der ״Hexe von Endor״ schildert, auch der baby- Ionischen Phantasie geläufig waren. In den Listen der Priesterklassen findet man den ״Beschwörer der Todtengeister“, den Priester, der den ״Todtengeist heraufführt“, und den ״Schäilu“, den Todtenbefrager“. Der Götterliebling — der babylonische Noah — erzählt dem vom Schiffe aus Lauschenden die Geschichte von der Sintflut, die ja bekanntlich mit der biblischen Sintfluterzählung übereinstimint. Au der Mündung der Ströme, also dort, wo Euphrat und Tigris getrennt ins Meer strömen, war der Göttergarten, der jenen Wunderbaum mit Früchten *} Mau vergleiche auch Jesujah, Kap. )4, Vera 19 n. 20. — Der ärgste Fluch bei den Kubyloniern war: Dein Leichnam soll hingeworfen werden und kein llegräbuiss bekommen.