Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 4. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Er erwies sich als Freund der Annen, weil er eine tiefe Abneigung bekundete, theure Medikamente zu verselireiben. Er verstand es vortrefflich, auch in kritischen Fällen das Geld seiner Patienten zu schonen. Oft verabreichte er unentgeltlich theure Ingredienzien zu den Arzneien. Er lebte religiös und war als geschickte!• Mohel sein• beliebt und viel beschäftigt. Er starb im Alter von TO Jahren im Jahre 1881 in Breslau. Auf seinen Wunsch wurde seine Leiche nach Sohrau überführt und hier bestattet. Dr. Samuel Karfunkel prakticirte etwa 20 Jahre in Sohrau. Er verstand es. das Vertiauen der Bewohner der Stadt und weiteren Umgebung in so hohem Grade zu gewinnen, dass neben ihm kein zweiter Arzt hier auch, nur mit annähernd gleichem Erfolge zu wirken vermochte. Bei seiner Uebersiedlung nach Breslau im Jahre 1882 überreichte ihm Baron v. Durant-Baranowitz unter Worten ehrendster Anerkennung seiner verdienstlichen Leistungen im Namen seiner zahlreichen Freunde. Verehrer und Gönner zum Zeichen dankbarer Erinnerung eine kostbare Liebesgabe. Die städtischen Collegien ernannten ihnzu111..EhrenbürgerderStudtSohrau‘\ Bürgermeister Mnjorkc übergab ihm im Namen der Stadt• den Ehrenbürgerbrief.*) - Gegenwärtig sind die gelehrten Berufsarten hier vertreten durch einen jüdischen Arzt, einen jüdischen Apotheker, einen jüdischen Rechtsanwalt und Notar. Fenersbrunst i. J. 1807. — Von tief einschneidemler, v» rhängnissvoller Bedeutung war für die Stadt und Gemeinde der lf>. August des Jahres 1807. Der 15. August!11. Ab 5567) Hel damals auf einen Sablmth. Um ll\a Uhr Vormittags, etwa eine Stande nach Boendigung des Sabbathgottesdienstes. ertönten Feueirufe zum Entsetzen der Bewohner der Stadt. Die Stallung unseres Glaubensgenossen Heimaun (Chajim) Laband, der neben grösserer Ackerwirthschaft eine Brannt weinbrennerei im Betriebe hatte, war in Brand gerathen. Mächtige Rauchwolken stiegen ans seinem Gehöfte auf. Die meisten Häuser der Stadt waren aus Holz erbaut. Man hatte damals unter einer anhaltenden Dürre schwer zu leiden. Mangelhafte Lösch- Vorrichtungen primitivster Art und ungünstige Windrichtung boten dem wild entfesselten Element die loh nendste Ausbeute. Der grösste Theil der Stadt sank in Schutt und Asche. Auch die Synagoge, ein einfacher, altehrwürdiger Holzbau, ward ein Raub der Flammen. Das Elend und der Jammer der armen Stadtbewohner und hilfebedürftigen Gemeindemitglieder waren furchtbar. Viele hatten auf den Trümmern der in Asche gesunkenen Stadt ihr ganzes Hab und Gut eingesargt. Sie nagten buchstäblich am Hungertuche. Viele ver- Hessen die Stadt und griffen zum Wanderstabe. Die Entstehungsursache des Feuers blieb der peinlichen Untersuchung zum Trotze unaufgeklärt. Man vermuthete, der jüdische Verwalter Labands habe aus Unachtsamkeit beim Tabakrauchen aus seiner Pfeife einen glimmendeu Funken ins Stroh fallen lassen. Diese Vermuthung liess sich jedoch nicht aufrecht erhalten, weil das Feuer am Sabbath ausgebrochen war und Juden am Sabbath nicht rauchen. (Cfr. Urbarium und Weitzel). *) Der inzwischen in Breslau; 18i>a) verstorbene Dr. Karfunkel war ein Schwager des Red. d. Bl. Die Situation für Stadt und Gemeinde war überaus kritisch. Auf Staatshilfe war bei der überaus ungünstigen politischen Constellation nicht zu rechnen; denn Schlesien stand damals nach den unseligen Tagen von Jena und Auerstädt unter französischer Occnpationsherrschaft. Der erste, welcher sich aufraffte, ungebeugten Muth und frische Schaffenslust bekundete, war ein Jude. Der Weinschenk Samuel Friedner beschloss, sein Haus von Neuem wieder aufzubauen. Seinem Beispiele folgten auch andere. Synagoge in Sohrau. — Auch die Synagoge wurde wieder hergestellt. A11 Stelle des Holzhauses trat ein einfacher, aber solider und massiver Steinbau. Dieser Bau dient jetzt noch den Zwecken des Gottesdienstes. 1111 Jahre 1855 wurde das Gotteshaus einer Reparatur unterworfen. Die baulichen Arbeiten im Jahre 1862 bezweckten die Renovirung und Erweiterung des Gotteshauses. Die Frauengallerie, die fiüher nur den Mittelraum umfasste, wurde auf der rechten ,und linken Seite weiter ausgebaut. Im Mittelschiff des Gotteshauses wurde das ״Almemor־• entfernt, wodurch Raum für eine erhebliche Zahl neuer Mäunerstellen gewonnen wurde. Die Malerarbeiten führte unser Glaubensgenosse Pnio wer ans Beutheu Ü.-S. angemessen und geschmackvoll aus. Vorsteher Moritz Katschinsky hat die Arbeiten, ohne die Gemeindemitglieder erheblieh zu belasten, gefördert. Heimann Knopf bekundete bei der technischen Leitung viel Umsicht. Am 1!>. September 1862 wurde das schlichte, schmucke Haus durch einen feierlichen Gottesdienst eingeweiht. Rabbiner David Deutsc h hielt eine ansprechende Festrede. Auch die städtischen Behörden betheitigten sich an der Feier. Das Gotteshaus macht jetzt noch auf den Besucher einen würdigen, sympathischen Eindruck. Im Jahre 1880 liess Vorsteher Abraham Belia l den Vorplatz zur Synagoge mit Trottoir platten belegen, den Holzzaun entfernen und durch ein geschmackvolles eisernes Gitter ersetzen.*) Wie Weitzel (lc.) berichtet, wurde in der Nacht vom 20. zum 21. December des Jahres 1887 ein Diebstahl in der Synagoge verübt. Gestohlen wurden: 6 Thaler aus dem Opferstock (עתן בסתר), ein grosser messingner Ohanukahleuchter mit 7 Wachskerzen, eine Gesetzrolle Letztere wurde zwischen Scheunen beschädigt ohne Mäntelchen aufgefunden. Der Umstand, dass der Dieb den Ohanukahleuchter mit 7 Wachskerzen in der Synagoge vorfand, spricht dafür, dass der Einbrucli während der Chanukahzeit erfolgte. Im Jahre * Der Zahn der Zeit nagte am (Jehiiude im laufe der Jahre unverkennbar. Dringend machte sieh das Bedürfnis» geltend, das Gotteshaus auszuhessern und würdiger ans/.usehmiieken. Die kleine unaufhaltsam und bedenklieh sich verringernde, arme Gemeinde war nicht in der Lage, zu den ständigen Düsten noch die Mittel für die Keparaturarbeiten allein aufzuhringen. Die Opferfreudigkeit der in der Fremde und Ferne lebeuden Sohrauer, von deueu man Liebesgaben erbat, ermöglichten cs, das Gotteshaus von Grund aus auszuhessern und zu verschönern Hin edler Wetteifer lies* die Liebesspenden reichlich diessen. Herr Ahraham Schal in lircs lau stellte u. A. 800 Mark für die Malerarbeiten bereit. Im Jahre 1898 wurde die Reparatur vorgenommen Am 4. September 1898 wurde die Hctxtiitte ihrer Bestimmung wiedergegeben. Das Gotteshaus macht jetzt wieder in seinen schmucken, freundlichen Räumen einen ebenso würdigen wie sympathischen Kindruck auf den Bexueher. l)r. Immanuel Deutsch, der frühere Rabbiner dieser Gemeimle, eilte aus der Ferne herbei und vollzog durch Gebet und Festrede den religiösen Weiheuct.