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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 3. (1900) · p. Seite 22

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 3. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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Diese von Hnupt-Cheyne angenommene Lesart macht also ans dem Worte נזרו eine Pielform. Das ist aber keine Lösung. Es ist richtig, dass das Zeitwort ״nazoru“ nur zweimal im hebräischen Bibeltexte vorkommt, hier und Ezech. 14, 5 und dass es unklar ist, wie dieses Wort grammatisch zu erklären sei. Es kann der Nifal von זור sein, aber auch der Kal von נזר, dessen Punktation gleich der von יבולו (jaeholu) zu verstehen ist. Der Nifal von נור kommt aber sonst nirgends vor, ebensowenig der Kal von נור. Aber auch der Piel von נזר kommt nirgends vor. — Vielleicht wäre aber hier der Nifal von נזר unzniieluuen, der auch ״nizzru“ gelesen werden muss? Dieser Nifal kommt in den Formen הנזר und וינזרו vor und bedeutet in Zach. 7. 3 und Lev. 22. 2 ״ein sich enthalten von heiligen Dingen“, 11m ihre Heiligkeit nicht zu entweihen, dagegen in Ezech. 14, 7 und in Hosea 9, 10 ein ״sich enthalten“, um von der Heiligung abzufallen und anderen) Unheiligen sich zuzuwenden. Die letztere Auffassnng hat der Prophet hier sicher im Sinne und so wäre die Lesung des Wortes נזרו als Nifal gerechtfertigt. Es wäre dann aber zu übersetzen: ״sie haben sich abgesondert nach rückwärts“, ln dieser Auffassung kann man gerade durch den Zusammenhang im Ezech. Kap. 14, Vers 5—7 bestärkt werden. Dort tadelt der Prophet einen und denselben Fehler und es ist darum anzunehmen, dass er auch dieselbe Bezeichnung gebraucht. Da aber in Ezech. 14, 5 die massoretisclie Lesung ״nazoru“ ist und nicht nizzru, so hat man dasRecht, umgekehrt, zu schliessen und zu sagen: Wenn in Ezechiel nazoru im Sinne von .,sich enthalten, abfallen“ gebraucht ist, dann ist die Lesart nazoru in Jesaja in gleichem Sinne anzunehmen. Was 8011 nun aber dieses Wort grammatisch sein? Das Wort von זור abzuleiten verhindert gerade die Stelle in Ezechiel, an welcher V. 7 der Nifal וינזר gebraucht wird. Es ist also die Wurzel גזר festzuhalten. Daun wäre nur auffallend, warum Kal nazzoru und nicht nuz’ru gelesen wurde. Dies beleuchtet aber Prof. Dr. König (in seinem historisch kritischen Lehrgebäude der hebräischen Sprache Leipzig 1896 zweite Hälfte Theil T. S. 381), der Verba mit 6 zwischen dem zweiten und dritten Stammlaut als Anstandsverba oder Eigenschaftsverba bespricht. Er sagt S. 382: ״Wie es die Tonhöhe von i und u erwarten lässt und wie es die thatsächlich existirenden qatol erweisen, drückte die Ausstattung eines Grundstamines mit u den Besitz besonders stark anhaftender Qualitäten aus“. So hätten wir, wie es scheint, eine feine rethorische Farbengebung des Redners gerade in der Bildung des Kal nazoru statt nazru zu erblicken. Der Prophet wtrft durch die Wahl dieser Form den Israeliten vor. dass ihr Abfall von Gott und ihre Hingebung an fremde Götter bei ihnen eine besonders stark anhaftende Qualität geworden ist. Als Kal von נזר fasst das Wort auch Kimchi. Als Nifal von זור das Targ. אסתחרו והוו לאהורא, Raschi נסונו. Bedenkt man, dass die Redensart, נסוגו אחור thatsächlich 9 mal iin Nifal im biblischen Urtext vorkommt, so wird man zugeben müssen, dass selbst die Ableitung von זור nicht zu verwerfen wäre. Jedenfalls ist diesmal erwiesen, dass ein genügender Grund zur Aenderung der massoretischen Lesung nicht vorliegt, dass die von Cheyne angenommene kritische Veränderung der Lesung die- Schwierigkeit nicht, beseitigt, dass vielmehr die massoretische Lesung die Rede der Propheten um eine treffliehe feine Wendung bereichert. Auch Grätz hat die massoretisclie Lesung festgehalten. Die von Haupt vorgeschlagene Lesung resp. Um- Stellung des ganzen Satzes 4 und 6 verwirft Cheyne mit vollem Recht. Der Rytlunus ist doch wahrlich ganz korrekt nach der massoretischeu Lesung innegehalten. Wozu denn sollte זרע מרעים ausgeschieden und eine Versetzung von בנים משחיתים und הוסיפו סרה vorgenommen werden? Gerade dadurch würde der Rythmus des Vers 5 gestört, der Sinn der Frage und der bittern Satyre abgeschwächt. Hier hat Cheyne wirklich von seinem besonnenen Prüfen sich leiten lassen und eine gar sehr gewaltthätige und aesthetisch unbefriedigende Aenderung vermieden Cheyne meint aber, dass die Worte נזרו אחור im Verse 4 nur eine andere, das religiö8e Gefühl schonende Bezeichnung für den Abfall, der!11 den Worten נאצו את קדוש ישראל in einer den Gottesnamen nicht ehrenden Weise ausgedrückt ist, sein sollen. Diese Annahme scheint nicht richtig zu sein. Hätte hier wirklich das religiöse Gefühl der Editoren Anstoss genommen, dann hätten sie wohl statt נאצו lieber ברבו oder für קדוש ישראל eine andere Be- Zeichnung gewählt. Die Worte נזרו אחור sollen gerade eine Steigerung ausdrücken. Aus der Lästerung ist eine noch mit dem Mantel der Frömmigkeit bekleidete Verachtnng und Beschimpfung geworden, die sogar zum Anbeten niederer Wesen führte, also eine Bevorzugung des Niedrigen vor dem Ewigen. Der Sinn des Ganzen ist gegen die Annahme von Cheyne; aber auch rythmische Gründe liegen für sie nicht vor. — Das Wort 3ןר im Nifal aber gar als nachexilisch zu erklären, geht doch etwas zu weit. (Fortsetzung folgt.) Litteratnrbericht. Recensionen. Studien Uber Saloinoi! Um Gabirol, von Prof. Dr. David Kaufmann 123 S., Budapest, 1899. Besprochen von Kuhliiner Dr. Selig ko w itzt'üthen. (Schluss.) Die dritte Studie beschäftigt sich mit Abraham ihn DaAds Kritik der ״Lebensquelle“. Bei Ihn Daüd, der Heligionsphilosoph und zugleich Historiker war und als solcher wohl den lichten Gestalten der Vergangenheit seines Volkes volle Pietät und Liebe zu bekunden gewohnt ist, ist die äusserste Heftigkeit und Schonungslosigkeit, mit welcher er in seiner Kritik der ״Lebensquelle“ verfährt, sehr befremdlich und auffällig. Diese Auffälligkeit, meint Verfasser mit Recht, wäre nur dadurch zu erklären, dass sich seine Streiche nicht so sehr gegen den todten Gabirol wenden, als gegen seine Anhänger, in welchen seine Philosophie fortlebe. Verfasser sieht mit Recht in dieser heftigen und tendenziösen Kritik einen deutlichen Beweis für den tiefgehenden Einfluss, welchen die Philosophie Gabirols auf die Nachwelt geübt haben musste. Dieser Einfluss musste noch durch einen besonderen Umstand begünstigt worden sein. Auf Geheiss des Erzhischofs Raimunds von Toledo wurde die ״!,ebensquelle“ Gabirols von dem Archidiakonus Dominicus Gundisalvr

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