Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 24-25 (1900-1901)
- Issue
- No. 3. (1900)
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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Frage ״über den etwaigen Einfluss eines Propheten auf die Erklärung der Gebote־‘. Maimonides musste, bevor er mit seiner Traditionsgescliichte in die Prophetenzeit. überging, den Wirkungskreis des Propheten genau bestimmen, und hierfür waren ihm grade an dieser Stelle die geeignetsten Anknüpfungspunkte gegeben. Er hatte gesagt, dass zur Erklärung der Gebote und zur richtigen Folgerung aus denselben den F01schern 13 logische Iuterpretationsregeln übergeben waren. War aber, so folgert er ganz richtig, das göttliehe Gesetz vom grössten der Propheten der menschliehen Vernunft zur Forschung übergeben, so konnte kein Prophet mehr kommen, und vermöge einer vorgeblichen Inspiration den Geboten ein andere Deutung geben, als sie entweder Tradition oder Logik erfordern Hier weist Maimonides darauf hin. und hat es zu seinem unsterblichen Ruhme zum ersten Male mit allem Freimuth ausgesprochen, dass die Forschung innerhalb des Gesetzes unbeschränkt sei. dass nicht blindes Glauben, sondern klares Erforschen der Religionslehren und Gesetzesvorschriften die Grundlage des Judenthums bilde. In richtiger Auffassung des biblischen Gebotes ״und du sollst forschen in ihr־‘ ruft er mit dem unbefangenen Mischualehrer R. Josua, (Baba mezia 59b) aus: ״Nicht im Himmel ist sie“ (die Gotteslehre)! U n 8 ist sie zur Erforschung gegeben, keine Autorität kann als solche uns zur Aunahme gewisser Erklärungen bestimmen; ״käme ein Prophet und sagte, dass eine Halacha nur so wahr sei. wie sie der oder jener Tannai gelehrt, so ist er ein Lügenprophet, und des Todes schuldig“. Wir sollen durch Selbststudium, durch klares Denken und tiefes Forschen zur Wahrheit gelangen, und Niemand, selbst Elia nicht, ist berechtigt, in Sachen der Forschung seine Ansicht als die einzig wahre hinzustellen.41) Dieses ist Maimonides frei ausgesprochene Ansicht über die Autonomie der Wissenschaft und üb r ihre Unabhängigkeit vom Proplietismus. Was aber die Aufgäbe und der Wirkungskreis eines etwaigen Propheten sei, ferner, welches die Erkennungszeichen eines wahren von Gott gesandten Propheten seien, diesen Cardinalpunkt im jüdischen Glaubenssystem, behandelt Maimonides in allen seinen grösseren Schriften; und wenn auch im Inhalte stets gleich, so dennoch in der Form verschieden, je der Anlage des Werkes angemessen. In dieser ״Einleitung“ beleuchtet er diesen Punkt von der praktischen Seite, gleichsam als Anwort auf die Frage: ״Ob nach dem Judenthum eine andere später auftretende Religionslehre von bindender Kraft sein könne?“ Da der Gegenstand ihn jedoch zu weit führt, und er ihn füglich nicht ausführen kann, ohne das in einer ״Einleitung־‘ ihm hierfür gestattete Maass zu überschreiten, so verspricht der Autor bei mehr Müsse ein besonderes Werkchen diesem wichtigen Gegenstände zu widmen.44) Auch in seinem Riesenwerke ״Jad hachasaka“ *‘) Dies wurde auch von deu Taiinuim fefttgehalteu: in der Auslegung der I׳ehre galt kein Orakel und kein l'rophetenwort, sondern •חכם עדיף מנביא ויצטרך לעניך הזה ם*■ ב8ני עצמו ואד1' השם יסעייני עליד עם מוז (** שראד להתחבר לענין החוא• ln den Hchmone Perukim nennt er zweimal ein ספר נבואה. Dieses hat er wuhrecheinlick dem ״More“ einverleiht; wie seine Abhandlung מאמר קידוש החורש dem Jud hacha/.aka. kommt er auf diesen Punkt zurück, sowie im Commentar zur Mischna חלק (Synh. X, 1), woselbst er ihn von dogmatischer Seite bespricht; im More endlich (II. 32. u. ff.) wird dieser Gegenstand vom religionsphilosophischen Standpunkte aus beleuchtet.*s) Nachdem der Autor die Merkmale des wahren Propheten liier4*) auf'8 Genaueste angegeben und dem Propheten als solchem jeden Eiufluss auf die Gesetzerforschung — mit deu Worten: ״Und Du sollst kommen zu dem Richter, der zu deinen Zeiten sein wird“, befiehlt die Thora, also ״nicht zum Propheten“ — abgesprochen hat, kehrt er zur Traditionskette zurück. (Fortsetzung folgt.) Kritik und Tradition. Von Kirehenrath l>r. Th. Kroner in Stuttgart. III Jesnjah, Kapitel 1. Cheyne führt das erste massoretische Kapitel des Jesajahbuches von Vers 1—28 als 16. Stück und Vers 29—31 als einen Theil des 8. Stückes seiner ersten Gruppe an. Demgemäss besteht das erste massoretische Kapitel aus zwei Hauptstücken, die ursprünglich nicht zu einander gehörten. An dem ersten Hauptstücke unterscheidet er wieder drei redactionell verschiedene Theile. Vers 1 ist eine von einem Bearbeiter des Jesajabuches hinzugefügte Ueberschrift; desgleichen Vers 27—28 ein Zusatz, deu ein solcher angefügt hat. Das zweite Hauptstück ist nach Cheyne der Rest einer jesajanischen Rede, an welche die von einem Verfasser, in dem Cheyne weder den ersten Jesaja, noch den zweiten Jesaja, noch einen der Herausgeber erkennt, herrührenden massoretischen Kap. 2, Vers 1—4 angeschlossen sind. Also ursprünglich jesajanisch sind nach Cheyne vom massoretischen Kap. 1, die Verse 2—2(5 und 29—31, redactionelle Zusätze Vers 1 und Vers 27—28, ein Zitat Vers 29—31. Auf die Fragen, ob, durch wen und wie die einzelnen Kapitol Ueberschriften, den Gedankengang erweiternde Zusätze erhalten haben und ob Zitate früherer Prophetenreden itn Jesajabuche enthalten sind, wollen wir am Schlüsse eingehen. Vorerst wollen wir die kritischen Bemerkungen, bezw. Aenderungen des massoretischen Textes in Beziehung auf den Wortlaut ausehen. Vers 4, נזרו אחור. Die Massora liest das Zeitwort dreisilbig, erste Silbe נ mit Kauiez, zweite Silbe T mit Cholem. Cheyne liest das Wort zweisilbig, erste Silbe niz, zweite zru. Nach den kritischen Bemerkungen S. 109 ist diese seine Lesung schon von Haupt angenommen und wird von ihm (siehe S. 110) als eine dem Sinne nach gleichbedeutende Auffassung des Zeit- Wortes wie die Worte נאצו את קדוש ישראל erklärt. Also ״sie haben rückwärts abgesondert“ sc: den Heiligen Israels. >a) Kr beruft «ich darin auf die vorangegungeneu Arbeiten: .וככר ביארנו זח בפירוש המשנה ובחיבור הגדול " Diene genaue Determination ixt wohl uux dem BediirfnixKe jener /eit hervorgegangen, in welcher xo viele falm-hr MexHinxxo aufxtanden In »einem אגרת תימן bezieht er «ich auf diese Abhandlung.