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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1900-01-01 · No. 3. (1900) · p. Seite 19

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
24-25 (1900-1901)
Issue
No. 3. (1900)
Date
1900-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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19 dem Anftauchen geahnter und ungeahnter Frictionen und Oonflicte. Die Candidatur Frankels, welcher für das Amt des Oberrabbiners in Berlin in Aussicht genuininen war, erwies sich als retardirendes Moment für Sachs' Berufung. FrankelsLaviren.seinWanken amlSchwanken, machte keinen günstigen Kindruck. Bald war er herzhaft geneigt, die Oberrabbinerstelle anzunehmen, bald bekundete er eine entschiedene Abneignng dagegen. Die unfertigen Verhältnisse der Berliner Gemeinde, welche im 4 Decennium des 19. Jahrhunderts noch nicht einmal auf die Emanirung des nichts weniger, als einwandfreien Judengesetzes von 1847 hinweisen konnte, 8tie8sen ihn ab. Sie konnten den schaffensfreudigen Mann nur anziehen. wenn ihm auch nach Aussen hin eine gewisse Competenz und Autorität ähnlich derjenigen, welcher er sich in Dresden zu erfreuen hatte, garantirt wurde. Daran scheiterte wohl füglich die Candidatur Frankels. Veit beurtheilte Frankels Verhalten befangen und unrichtig. Er verdächtigte Frankels Motive und Charakter. Ein amtliches Wirken seines Freundes Sachs neben oder gar unter Frankel hielt Veit für unerspriesslich. Spruchreif erschien ihm erst die Candidatur Sachs’, nachdem Frankel definitiv seine Bewerbung zurückgezogen hatte. Sachs fühlte sich in Prag vereinsamt, obgleich ihm dort. Bappaport als Freund und Förderer seiner wissenschaftlichen Bestrebungen treu zur Seite stand. Sachs trat nie als officieller Bewerhcr um die Berliner Stelle auf. Er war nahe daran, wegen ihn tief verletzender, agitatorischer Presstveibereien noch in zwölfter Stunde auf den Berliner Posten zu verzichten. Im Jahre 1844 wird der Wunsch der Freunde gekrönt. Sachs wird als Prediger und Dnjan nach Berlin berufen. Berlin zählte damals 71)00 Juden unter 330000 Einwohnern. Sachs erhielt ein Fixum von 1200T11alern, Mietheentschädigung von 300Thalern und Nebeneinnahmen auf mindest ens 800 Thalern eingeschätzt. Wie die Freunde über Zeitverhältnisse, litterarische Erscheinungen und interessante Personlichkeiten. wie über die preussischen Cultusminister Altenstein und Eichhorn, Bettina von Arnim und Savigny, Liszt, Wilhelm von Humboldt, über Auerbachs Schwarzwälder Dorfgeschichten und A. Bernsteins jüdische Novellen sich geäussert, das lese man an Ort and Stelle nach! Bevor wir schliessen, seien einige Sätze aus der originellen Charakteristik angeführt, welche Veit (S. 8 f.) seinem Lehrer Salomo Plessner widmet. ״Mystische Versenkung — schreibt Veit — ist doch der Angelpunkt seines Wesens: er ist dabei ein Cyniker im besten Sinne des Wortes. Ich meine jene gänzliche Nichtachtung ja Negirung alles Scheins, alles Aeusseren, die Forderung eines concentrirten Geisteslebens, wenn der Aufgabe des echten Theologen genügt werden 8011. Von dieser Seite stimmt er meist mit den Pietisten, ohne mit ihnen auf demselben Grunde zu ruhen. Er versichert, Jahre lang kein Bett berührt zu haben, um sich ununterbrochen, Tag und Nacht, dem Gesetzesstudium zu widmen und aus solchen eksta. tischen Zuständen glaubt er sich berechtigt, an alle Wunder der Bibel zu glauben. Nicht Mosis 40 tägige Fasten, nicht Elias’ Visionen erscheinen ihm als eine Abweichung von dem natürlichen Laufe der Dinge, wenn auch von dem alltäglichen Verlaufe des menschlichen Lebens; er selbst fühlt sich mit solchen Stimmungen verwandt, und dies giebt ihm eine solche Energie des Charakters und eine 80 fröhliche Gottesfurcht, wie ich noch selten beobachtet habe und wie sie gewiss nur unter den besten Mystikern zu finden ist..Er hat mir geradezu erklärt, man könne unmöglich den rechten Sinn einer schwierigen Bibelstelle ergründen, wenn man dabei Schinken frühstücke; ihm dagegen, wenn er gebadet, gebetet und gelernt habe, komme die Aaslegung wie durch Inspiration.Von seinen sonnabendlichen Vorträgen, denen ich noch nicht beigewohnt habe, ist Zedner, beiläufig gesagt, entzückt und wirbt dafür; er sei der erste, echt jüdische Redner, den er gehört habe“. — Auerswald und Lichnowsky wurden am 18. Dezember 1848 ermordet. Unter dem frischen, deprimirenden Eindrücke dieser Blutthat schrieb Sachs an Veit am 21. September 1848 u. A. die charakteristischen Worte (ib. S. 93): ״In 7 Tagen werden die, welche für ihr Menschenrecht fast 2 Jahrtausend gebettelt, für die, bei denen sie gebettelt, werden die Kammerknechte des hl. römischen Reichs für die Knechte in den Kammern,die sich als Freiheitshelden geriren, beten: ״Herrsche, o Gott, in Deiner Herrlichkeit über die ganze Welt, und strahle auf in Deiner Majestät über die ganze Erde, dass alles Geschöpf erkenne, dass Du es erschaffen“, und werden beten: ״dass Alles werde ein Bund zum Dienste des Herrn!“ Die alte fraternitA 4galitö desSiddur sieht mich verwandter, wahrer, wärmer an, als die jetzt unter der Dictatur eines Soldaten erblühende 1“ Nunmehr scheiden wir von den Freunden Sachs und Veit, die längst die Freunde Aller geworden, die es mit dem Judenthum und speciell mit dem deutschen Judentlium gut und ehrlich meinen. Dem Herausgeber gebührt voller warmer Dauk für die Veröffentlichung dieses hoch interessanten Briefwechsels. IJrhii i. I*. l)r. Immanuel 11 eutaeh. Zum Mischnacommentar des Maimonides. Aus einer preisgekrönten Arbeit des stud. H. Bshmer.'j III. Im Besitze dieser beiden Ordnungen reiste der Abgesandte hierauf nach Saragossa; hier fand er fünf arabische Manuscripte von fünf Ordnungen vor — zu Taharoth nicht. Die Uebersetzungeu der beiden Ordnnngen Nesikin und Kodoschim fiel zweien Aerzten zu (1298). Der eine, ein gewisser R. Salomo ben Joseph (gen. b. Jacob) übersetzte Nesikin — mit Ausnahme von Trct. Aboth. der 8 Perakim und der Mischna Chelek, die schon übersetzt waren. — mit ziemlicher Oberflächlichkeit, woran einerseits das fehlerhafte Manuscript, andererseits die nicht sehr starke Keuntniss des Uebersetzers im Talmud schuld sind. Er klagt über Beides in der kurzen Vorrede. — Schlimmer noch erging es der Ordnung Kodoschim. Dieser ohnedies etwas schwierige Theil hatte das Unglück, in die Hände eines völlig ungelehrten Uebersetzers, R. Nathanael b. Jose ben Almali, zu fallen. Der Uebersetzer erkennt seine Unzulänglichkeit zum Uebersetzen an; aber er fürchtet, es könnte dieser Theil bei dem immer *) Vergl. die Anmerkung zum Art. I in No. 1.

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