Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 52. (30.12.1894)
- Date
- 1894-12-30
- Page
- Seite 204 (sequence 2)
- Language
- German
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204 bessern, ganz abzuscliaffen für zeitgemäss gefunden liaben.« Dies und Aehnliclies predigt derselbe Mann, der. wenn der Consistorialrath Teller sechszehn Jahre früher minder ehrlich gewesen wäre, längst zu den Christen gehört hätte. Auch in ästhetischer Beziehung ist es lehrreich, diese Predigten Friedländers mit den religiösen Reden zu vergleichen, die wir von Mendelssohn besitzen und auf die M. selbst so wenig Gewicht gelegt hat. Es war während eines halben Jahrhunderts ein ungeheurer Rückschritt. Bei Mendelssohn ein energisches und erfolggekröntes Bestreben, aus den uns eigentliümlichen Schatzkammern Weisheit echt jüdisehen Gepräges zu heben, und somit sogleich an den Propylaeen der deutschen Predigt unter den Juden das würdigste Vorbild, wie die Predigt unter uns modern deutsch und dennoch streng jüdisch sein könne; bei Friedländer finden wir die viel grössere Prätension und im Uebrigen Reden, die mit ganz geringen Varianten in jeder protestantischen Dorfkirche gehalten werden konnten, schlechte Nachahmungen der grossen rationalistischen Prediger der damaligen Zeit. Zur Ehre der Nachfolger Mendelssohns müssen wir hervorheben, dass nur sehr 'wenige in den Wegen Friedländers wandelten, dass Friedländers Führeramt nicht durch das Uebergewicht des Geistes sich rechtfertigte, sondern durch rein äusserliche Momente sich erklären lässt, als wie durch seinen Reichthum, durch seine Beziehungen zu einflussreichen jüdischen Berliner Familien, durch seine anmaassliclie Behauptung, die Tradition Mendelssohns zu bewahren und nicht zum wenigsten durch die Keckheit, mit der er sich iu die vorderste Reihe drängte. Besonders haben die Männer, die in hebräischer Sprache damals Dichtung, Wissenscliaft, theologische und nichttheologische, pflegten, und deren Organ die Zeitschrift »Measseff« (der Sammler) war, sich um das Judenthum wohlverdient gemacht. Diese Leistungen halten vielleicht alle die Probe nicht aus, wenn wir sie auf ihren bleibenden ästhetischen oder wissenschaftlichen Werth prüfen. Aber sie haben in ihrer Zeit grossen Segen gestiftet und das Werk, das Mendelssohn mit seiner Ueber- Setzung einzelner biblischer Bücher und mit den von ihm verfassten oder angeregten hebräischen Coinmentarien begonnen hatte, erfolgreich weiter geführt. ve abe Wessely’s »Mosa'ide« ist kurz nach der ött'entliclmng in’s Deutsche übertragen worden, 1 ,/.wuKuiii mit Darreichung solcher Gedichte wesentli gedient wäre. Dennoch haben diese Arbeiten Wessel! und seiner Genossen den unter den Juden fast \ loschenen Sinn für das Schöne wieder entfacht־ wei sie auch an literarischem Wertlie eingebüsst haben ha Den sie doch ihre literargeschichtliehe und kultu geschichtliche Bedeutung. Dass die Grammatik und die Regeln schlicht Hermeneutik 111 den Werken .1er sogenannten »Bi risten» (11. h. .lerer, die einen Biur -eine Erklimm zur heiligen Schrift in der damaligen Zeit abfasste: wn dei /u Ehren kamen, kann weder diesen Männei noch ihren Büchern eine dauernde Stellung im Pu! tl.eon der \\lssclischaft gewinnen; aber wenn übe haupt der Grammatik eine erziehliche Bedeutun besonders eingeraumt wird, so hatte die wieder au genommene 1 Hege der hebräischen Grammatik eie .;rziehhche \\ irkung auf die zurückgebliebene jüdisch Bevölkerung, sie gewöhnte dieselbe an strenge Reg. und Ordnung; sie führte sie zurück von den miissi־״e Geistosspiclcrcien, welche, wenn sie die ständige B, schäftigung bilden, nicht nur den Verstand, sondern auch den Charakter verderben, und befähigte sie, in die Bahn des modernen Lebens eiDZutreten. Das Werk dieser Männer lebt, wenn auch ihre Werke welk geworden sind. Die Einen standen mehr im altjüdischen Lager, die Andern mehr in den Reihen der Modernen; die Einen schrieben meist hebräisch, lebten streng nach jüdischem Herkommen und suchten die Errungenschaften der allgemeinen Wissenschaft jüdisch umzuprägen und für ihre Genossen einzurichten; die Andern schrieben deutsch, führten Gedanken und Eigenart der talmudischen Schriften in die allgemeine Literatur hinüber und suchten dem Judenthum gleichsam Bürgerrecht zu gewinnen in der Reihe der hervorragenden Geisteserscheinungen der civilisirten Welt. Jeder dieser Männer hat das Seine geleistet, um das Joch zu zerbrechen, das Juden und Judenthum damals niederbeugte, sie haben ihr Culturwerk oft unter grossen Entbehrungen ausgeführt, verfolgt von dem Misstrauen oder gar der offenen Feindschaft derer, welche in diesem Zeitalter geistliche oder weltliche Aemter unter den Juden inne hatten. Denn die freiheitliche Strömung war bei weitem noch nicht mächtig genug, um in die Amtsstuben, sei es der Rabbiner oder der Gemeindevorstände, einzudringen, hier herrschte die Orthodoxie meist fast unumschränkt, und die Furcht vor den Gefahren, mit denen der neue Geist die alten Autoritäten bedrohte, hatte nur die Unduldsamkeit gesteigert. Der Mangel war bei vielen dieser Herolde der Cultur der stete Begleiter das ganze Leben hindurch; die Nachwelt kan 11 nicht ohne Achtung, nicht ohne Ehrfurcht die Namen derer nennen, die trotz Verfolgung und Entbelirung die treue Arbeit verrichteten zur Hebung des geistigen Niveaus unter den Juden; die »Sammler« haben am wenigsten für sich gesammelt und ihr Beliagen. Wenn es ihnen auch nicht gegeben war, Werke von dauerndem literarischem Werthe zu schaffen, so war ihr Thun dennoch von ausserordentlichem Segen und wer die Traditionen der alten jüdischen Gemeinden des Ostens kennt, der weiss es, wie schwierig es war, die Vorurtlieile zu überwinden, wie, wer diese neumodischen hebräischen Schriften studirte, von vornherein verdächtig war. Mit diesen Männern ist Friedländer nicht zu vergleichen, obgleich er zuweilen sich in Reih und Glied zu ihnen stellt. Seine sociale Stellung, seine materielle u mibnangigK'en, seine Rührigkeit geben ihm einen Einfluss weit hinaus über sein geistiges Können; aber weil er sich selbst nicht klar war oder eigentlich weil er, da im Grunde sehr irdische Motive ihn bewerten, weil er sich nicht klar sein wollte, so stehen seine litelauschen Produkte auf einer niedrigen Stufe. (Fortsetzung folgt.) Zur Chronologie. 0׳1 יי• C'olion in Kees am Khein. 11 •׳■1 ״. a n d s h 11111 ׳ s אנשי השם ופעולתם (Berlin 18841 ist Folgendes zu berichtigen: _ 1־_]3״ z• 2נ: R. Elieser Lipmann approbirte בטל אלול תפ״ה das ם׳ יפה :וראה ויופי מב־״ל. — Der 10.11״1:־ 5485 (בש׳ה) (iel auf einen Sonnabend. ®0''* יk1 ‘׳» letzte Z.: R. Scliemajah b. Abr Bahr approbirte den עין יעקב a!n יום,חששי ב ׳ב אדר ח cn. - Der 22. Adar 54(18 «irr» fiel auf Mittwoch. r!ote 2: Die Grabschrift des R, Zewi Hirsch b. Jesajah hat das Datum יום ד׳ כ ה אדר תק״י. — Der